„Niemand hat das Recht von uns zu verlangen, dass wir vergessen“

Vor 75 Jahren wird die Vertreibung der Ungarndeutschen beschlossen

Landesgedenkstätte zur Erinnerung an die Vertreibung der Ungarndeutschen in Elek

Was sich über Monate hinweg angekündigt hatte, wurde anlässlich der Sitzung der Ungarischen Übergangsregierung vom 22. Dezember 1945 in Debrecen beschlossen und mit der Regierungsverordnung Nr. 12.330/1945 M.E. vom 29. Dezember 1945 im ungarischen Staatsanzeiger unter Nr. 211 veröffentlicht. Die Rede ist von der Vertreibung der Ungarndeutschen.

Drei Wochen später – am 19. Januar 1946 – begann dann in der Budapest nächst gelegenen 10.000 Einwohner zählenden Gemeinde Budaörs offiziell das wohl einschneidendste Ereignis in der Geschichte der Ungarndeutschen.

Die Ereignisse in Budaörs verdienen in jeder Beziehung die Bezeichnung „Vertreibung“, denn die zuerst ins Auge gefassten Familien wurden in einer Nacht- und Nebelaktion durch Klopfen und Poltern der Polizei an den Fenstern und Türen buchstäblich aus ihren Betten geholt.

Mit dem Allernötigsten in Bündeln wurden sie dann zum Gemeindehaus gejagt und von dort bei Tagesanbruch zum Bahnhof getrieben und in die bereitstehenden Viehwaggons gepfercht. Noch am gleichen Tag rollte der erste Transport in Richtung Westen ab.

In der Zeit vom 19. Januar 1946 bis Dezember 1946 wurden etwa 170.000 Ungarndeutsche nach Deutschland in die amerikanische Besatzungszone vertrieben. Im Zeitraum vom August 1947 bis Juni 1948 sollten nochmals knapp 50.000 Ungarndeutsche folgen, die in die sowjetische Besatzungszone abgeschoben wurden.

Etwa 200.000 Ungarndeutsche, von denen etwa 60.000 für Jahre zur Zwangsarbeit nach Russland deportiert worden waren, blieben zurück in Ungarn.

Die veröffentlichte Vertreibungsverordnung vom 29.12.1945

Dabei geben diese Zahlen nur ein gefühlloses statistisches Bild der Tragödie wider. Sie sagen nichts über das Leid, die Verzweiflung, die Not der Unglücklichen, aus ihren Häusern gejagt, ihrer Habe beraubt und erniedrigt.

Die Entrechtung und Vertreibung traf diese Menschen bis an die Wurzel ihrer Existenz. Ihre Familien, ihre Gemeinden, ihre Siedlungsgebiete und ihre Organisationen wurden aufgelöst, ihr Vermögen geraubt, ihre Einrichtungen zerschlagen. Rechtlos und diskriminiert blickten sie in eine ungewisse Zukunft.

Zu all diesen Entbehrungen und Schikanen kam noch die Wochen und Monate währende Ungewissheit über den Umfang der Vertreibung: wer muss gehen, wer darf bleiben?

Wer zählt die Tränen, wer misst den Kummer, wer vermag das Leid, den Gram und den Schmerz mit gebührenden Worten zu schildern, der die Herzen jener Frauen und Männern erfüllte, als sie sich von dem loslösen mussten, was sie sich Jahre, vielleicht Jahrzehnte lang durch viel Mühe und harte Arbeit erwirtschaftet hatten, und das nicht zuletzt deshalb ihre Heimat war.

Als Enkel nach Baden-Württemberg vertriebener Ungarndeutschen weiß ich nur aus Erzählungen, wie mühevoll und entbehrungsreich der Neubeginn meiner Familie und meiner Landsleute in der Fremde, in einem zerstörten Deutschland war.

Umso wichtiger ist es für mich, dass wir die Erinnerung wachhalten und vor dem Vergessen bewahren – und auch künftig von unserem Schicksal erzählen werden.

Dass die Aussiedlung der Schwaben – so der beschönigende amtliche Sprachgebrauch – nicht – wie in Ungarn jahrzehntelang offiziell dargestellt – eine Folge der Beschlüsse der Potsdamer Konferenz war, belegen die heute zugänglichen Quellen in den ehemaligen Geheimarchiven.

Abgesehen davon: in Ziffer XII des geschlossenen Potsdamer Abkommens stand, dass „die Überführung der deutschen Bevölkerungselemente geordnet und human“ gehen soll.

Ich frage mich dabei: wie können eigentlich Haus und Hof, das Dorf, ja die Heimat, in humaner Weise weggenommen werden?

Prof. Dr. Hans-Gert Pöttering, damals Präsident des Europäischen Parlaments, zitierte anlässlich seiner Rede zum Tag der Heimat 2007 in Berlin den Brückenbauer und Erzbischof von Oppeln Alfons Nossol, der einmal sagte: „Niemand hat das Recht von uns zu verlangen, dass wir vergessen. Der Wille zu vergeben und der Wille zu vergessen, sind nicht das Gleiche.“ Erinnerung, Vergebung und Versöhnung gehören zusammen.

Und Frau Dr. Katalin Szili, damalige ungarische Parlamentspräsidentin, sprach anlässlich der Gedenkkonferenz zum 60. Jahrestag der Vertreibung im Ungarischen Parlament: „Deshalb können die Wunden erst geheilt werden, wenn die Schrecken ausgesprochen, die Verantwortlichen namhaft gemacht, und die Opfer um Verzeihung gebeten werden.“

Der 75. Jahrestag der Vertreibung gibt uns einen besonderen Anlass, an diese schändlichen Ereignisse zu erinnern, die unseren Eltern und Großeltern widerfahren sind.

Der 75. Jahrestag gibt uns aber auch die Möglichkeit, uns für Verständigung, gegenseitige Akzeptanz und Toleranz der Menschen untereinander einzusetzen – über Grenzen hinweg, in einem vereinten Europa – vom Kleinen bis zum Großen – damit unseren Kindern und Enkelkindern das Leid der Vertreibung erspart bleibt.

Joschi Ament, Bundesvorsitzender

Weihnachtsansprache des Bundesvorsitzenden

Liebe Freunde,

wer hätte beim letzten Jahreswechsel daran gedacht, dass das Jahr 2020 im Zeichen einer weltweiten Pandemie stehen würde. Noch im Sommer hatten wir daran geglaubt, dass wir diese Pandemie in den Griff bekommen. Zwischenzeitlich wissen wir, dass dies leider nicht der Fall ist. Die in den Herbst hinein gestiegenen Fallzahlen der COVID-19-Infizierten zeigen uns sehr deutlich, dass dieser Ausnahmezustand noch lange nicht beherrschbar ist.

Uns – als LDU – haben diese Einschnitte in unsere landsmannschaftliche Arbeit ebenfalls sehr deutlich getroffen. Keine unserer sonst üblichen kulturellen oder geselligen Veranstaltungen konnten wir im Jahr 2020 ausrichten. Wir sind mit unserem ehrenamtlichen Engagement in den so genannten „Lockdown“ versetzt worden und leiden allesamt sehr darunter.

Die Aussichten für 2021 sind alles andere als rosig, denn eines scheint klar zu sein: wir werden uns auf ein Leben mit dem Virus einstellen müssen.

Ich möchte uns alle in dieser weihnachtlichen Zeit aber auch dazu ermutigen, sich daheim mit unserem kulturellen Erbe zu beschäftigen. Nutzen wir zum Beispiel die Zeit zum Lesen unserer Heimatbücher oder unserer sonstigen zahlreichen Publikationen. Nutzen wir die Zeit zur Recherche im Internet, denn das weltweite Netz eröffnet uns unzählige Möglichkeiten, uns über die Ungarndeutschen zu informieren. Nutzen wir die Zeit zum Beschriften alter Familienfotos und zum Aufschreiben von Geschichten und Erlebnissen aus unserer Kindheit und Jugend. Vielleicht wird damit eine lang vor uns hergeschobene Absicht endlich verwirklicht. Greifen wir zum Telefon, um uns gegenseitig Mut zuzusprechen, dass wir gemeinsam diese Krise überwinden wollen. Auch wenn wir uns bis auf weiteres nicht persönlich treffen können, können wir so unsere Gemeinschaft pflegen, erhalten und gestalten.

Seien Sie sich sicher: sobald wir – seitens des Vorstandes der LDU – Möglichkeiten sehen, uns wieder treffen zu können, werden wir alles dafür tun, diese umzusetzen.

Liebe Landsleute,

Präsidium und Vorstand unserer LDU wünschen Ihnen und Ihren Familien eine besinnliche Adventszeit, ein gesegnetes Weihnachtsfest und für das Jahr 2021 viel Glück und Gottes reichhaltigen Segen. Bleiben Sie gesund!

Joschi Ament, Bundesvorsitzender

„Wir stellen uns den Herausforderungen von morgen“

Sitzung des Patenschaftsrates tagt im Corona-Modus

„Die bundes- und landesweiten Einschränkungen der Corona-Pandemie haben auch uns veranlasst, die jährliche Sitzung des Patenschaftsrates der Stadt Gerlingen und der LDU abzusagen“, verkündete Gerlingens Bürgermeister Dirk Oestringer. Gleichzeitig teilte er mit, dass sich zumindest die Verwaltungsspitze des Rathauses mit Mitgliedern des Landespräsidiums der LDU Anfang November 2020 coronagerecht im kleinen Kreis treffen wolle, um neben dem üblichen Rückblick auch über Veranstaltungen und Termine für das kommende Jahr zu sprechen.

In seinem Review auf das Jahr 2020 konnte der Bundes- und Landesvorsitzende Joschi Ament dabei trotz Pandemie über zahlreiche Programme und Veranstaltungen berichten, die für die Landsmannschaft von großer Bedeutung waren. „Unsere Aktivitäten haben sich dabei größtenteils auf Gedenkveranstaltungen konzentriert. Die üblichen geselligen Begegnungen fielen leider der Pandemie zum Opfer“, wie Ament informierte. Besonders hob Ament die Verbindungen zur LdU nach Ungarn hervor, die weiter intensiviert werden konnten.

Mit Blick auf 2021 waren sich Verwaltung und LDU darüber einig, dass die entsprechenden Vorplanungen zu den vorgesehenen Hauptevents in Gerlingen – wie Schwabenball und Kulturtagung – beginnen sollen, man aber die Entwicklung der Corona-Pandemie – vor allem im ersten Halbjahr 2021 – immer im Blick behalten müsse, bevor man verbindliche Verträge eingehe.

Bundes- und Landesgeschäftsführer Erich Gscheidle stellte deshalb mögliche Alternativen vor, die man in einem verkleinerten Rahmen organisieren möchte. Konkret könne sich die LDU vorstellen, das Thema „Malenki Robot“ unter Einbeziehung der örtlichen Schulen und des Stadtmuseums ebenso nochmals aufzugreifen, wie eine lokale Veranstaltung zu „75 Jahre Vertriebene in Gerlingen“.

Weitere Themen der Agenda waren die Partnerschaftsaktivitäten mit Tata, Finanzfragen sowie ein erster Ausblick auf die Ausrichtung der LDU in der kommenden Dekade der 2020er Jahre.

Fazit der beiden LDU-Vertreter Ament und Gscheidle: „Auch künftig wollen wir uns zusammen mit der Stadt Gerlingen an unserer Seite den Herausforderungen von morgen stellen und schauen deshalb zuversichtlich in die Zukunft.“

„Schwäbische Augenblicke“

Ungarndeutsches Museum in Tata mit Sonderpreis ausgezeichnet

Als erstes Museumsprojekt außerhalb von Budapest erhielt die Online-Programmreihe des Ungarndeutschen Museums im Domokos-Kuny-Museum in Tata / Totis einen museumspädagogischen Sonderpreis des Verbandes Ungarischer Museen (MVMSZ). Mit ihrem Projekt „Schwäbische Augenblicke“ hat das Ungarndeutsche Museum eine hervorragende Leistung in den Bereichen Kulturpflege und Traditionsvermittlung erbracht. Durch seine Initiative hat das Domokos-Kuny-Museum eine besonders fortschrittliche Betrachtungsweise unserer Arbeit ermöglicht und zugleich eine zukunftsweisende Vision verwirklicht – steht in der Begründung des preisverleihenden Verbandes.

Das Ungarndeutsche Museum hat eine, explizit auf den ungarndeutschen Alltag von früher bezogene, Videoreihe gestartet, an dem ein Expertenteam des Kuny-Museums gearbeitet hat – bestehend aus Folkloristin Monika Schmidtmayer-Busa, Museumspädagoginnen, Szénia Balássy-Berezva und Dorina Nagy, sowie Kommunikationsmitarbeiter Zsolt János Csicsay.

In den Kurzfilmen werden Augenblicke aus dem ungarndeutschen Alltag gezeigt und unter-schiedliche Gebrauchsgegenstände vorgestellt, die zu früheren Zeiten tagtäglich verwendet wurden. Neben den hauseigenen Exponaten des Museums wird die Aufmerksamkeit der Zuschauer auch auf einige Volksbräuche und traditionelle ungarndeutsche Speisen gelenkt.

Stellvertretend für die bundesdeutsche Landsmannschaft überbrachte unser Bundesgeschäfts-führer Erich Gscheidle Frau Monika Schmidtmayer-Busa zu dieser besonderen Auszeichnung die besten Glückwünsche aus Deutschland. Gscheidle sagte: „Die Kontakte zum Ungarndeutschen Museum in Tata sind für uns ganz besondere Verbindungen, ist doch Tata die Partnerstadt von Gerlingen; Gerlingen wiederum unsere Patenstadt. Insofern ist es für uns eine ganz besondere Freude, dass ein so toller Sonderpreis zu unseren Freunden nach Tata geht.“

Die Kurzfilme sind übrigens auf dem YouTube-Kanal des Domokos-Kuny-Museums Tata / Totis zu finden.

(Quelle:www.ldu.hu)

„Archiv der Deutschen aus Ungarn im Internet“

Suevia Pannonica Archiv jetzt online abrufbar

Die Suevia Pannonica pflegt als akademische Organisation das historische und kulturelle Erbe des Ungarndeutschtums. Die Vereinigung Ungarndeutscher Akademiker hat das Ziel, den deutschen Intelligenznachwuchs in Ungarn zu fördern, vor allem Studenten, die sich für die deutsche Sprache und für die Traditionspflege engagieren. Die Vereinigung setzt sich für die wahrheitsgetreue Bearbeitung der Geschichte der Deutschen in und aus Ungarn ein.

Seit 1964 gibt die Suevia Pannonica das Jahrbuch „Archiv der Deutschen aus Ungarn“ heraus. Das Periodikum beinhaltet Beiträge aus der Geschichte, Volkskunde und Sprachwissenschaft über das Ungarndeutschtum und der Nachbarvölker. Es kommen namhafte Wissenschaftler aus Ungarn, Deutschland und Österreich zu Wort.

Der erste Schriftführer war der Neugründer der Suevia, Dr. Adam Schlitt. Ihm folgten Friedrich Spiegel-Schmidt, Dr. Josef Schwing und Rudolf Fath. Die Mitherausgeber waren das Sozial- und Kulturwerk der Deutschen aus Ungarn, Sitz München, und die Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn e.V., Landesverband Baden-Württemberg.

Das Periodikum weist gegenwärtig 38 Bände auf, die seit Neuestem im Internet unter dem Suchwort „Suevia Pannonica Archiv“ zu finden sind. Damit ist das umfangreiche Schrifttum über das Ungarndeutschtum weltweit erreichbar. Die Benutzung der Website ist für die breite Öffentlichkeit konzipiert. Der Interessent findet im gesuchten Jahrgang das Inhaltsverzeichnis und erhält mit einem Klick auf den gewünschten Titel den Text. Volltextsuche, Kopieren und Drucken gewährleisten ein schnelles Finden und Erfassen des Inhaltes.

Die Website enthält außerdem aktuelle Informationen über Personalien und weiterer Aktivitäten der Vereinigung, z. B. Unterstützung bedeutender Forschungsvorhaben und wissenschaftlicher Veröffentlichungen sowie Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

(Quelle: Katharina Eicher-Müller; Geschäftsführende Vorsitzende der Suevia Pannonica und Bundesvorstandsmitglied der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn)

„Es geht um die Zukunft unserer Vernetzung“

LDU-Spitze im Dialog mit den Verantwortlichen der „Unsere Post“

Teilnehmer des Treffens im Hause des Schwabenverlags:
Klaus J. Loderer (Chefredakteur der „Unsere Post“), Joschi Ament (LDU), Stefan Schweizer (Leiter Marketing des Schwabenverlags)

Sie gilt als eines der ersten Presseerzeugnisse Heimatvertriebener nach dem Zweiten Weltkrieg: die Rede ist von „Unsere Post“, der Heimatzeitung der Deutschen aus Ungarn, die bereits ab 1946 unter der Regie von Dr. Ludwig Leber, MdL – dem späteren Vorsitzenden der Ungarndeutschen Landsmannschaft – herausgegeben wurde.

Sechsmal pro Jahr versucht die Redaktion der „Unsere Post“ mit Berichten über das kulturelle Leben der Deutschen aus Ungarn, über Brauchtumspflege und traditionelle Veranstaltungen aber auch mit spannenden Reisereportagen und persönlichen Schicksalsberichten eine Verbindung in die so genannte „Alte Heimat“ bzw. in die Heimat unserer Großelterngeneration zu schaffen.

Doch die Zahl der Menschen, die diese Nachrichten und Geschichten mit großer Aufmerksamkeit verfolgen, hat zuletzt rapide abgenommen. Die Selbstverständlichkeit, die „Unsere Post“ von Generation an Generation weiterzugeben, gehört leider der Vergangenheit an.

Vor diesem Hintergrund haben sich Spitzenvertreter unserer Landsmannschaft mit den Verantwortlichen der „Unsere Post“ im Hause des Schwabenverlags in Ostfildern getroffen, um Möglichkeiten für ein zukunftsfähiges Konzept zum Fortbestand der Zeitschrift „Unsere Post“ und des Jahrbuches „Unser Hauskalender“ auszuloten.

In einem ersten Maßnahmenpaket verständigte man sich darauf, verstärkt auf deutsche Städte und Gemeinden zuzugehen, die eine aktive Partnerschaft mit ungarischen Kommunen pflegen. Flankierend hierzu sollen künftig Anzeigen zu den Berichterstattungen akquiriert werden. Ebenso ist beabsichtigt, über die Kreis- und Ortsverbände der LDU gezielt die jüngeren Generationen als Leser zu gewinnen. „Die „Unsere Post“ muss wieder zum „Muss“ für jeden ungarndeutschen Haushalt werden“, so der Bundesvorsitzende der LDU Joschi Ament, „denn es geht um die Zukunft unserer Vernetzung und damit um den Fortbestand unserer Landsmannschaft!“

„Die Deutschen in Ungarn 1950 bis 1970“

Ágnes Tóth beleuchtet bislang weitgehend unbekannte Zusammenhänge der Ungarndeutschen der Nachkriegszeit

Die Geschichte der Nationalitäten in Ungarn und ihre gesellschaftliche Situation in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg gehören zu jenen Kapiteln, über welche die durchschnittlichen Ungarn heute, wenn überhaupt, nur noch am Rande etwas wissen. Die Angehörigen dieser Minderheiten, darunter auch die Ungarndeutschen, haben diese Ereignisse bis zur Wende Ende der 1980er Jahre in ihrer kollektiven Erinnerung verdrängt; die Nationalitätenfrage war lange Zeit tabu.

Tatsache ist allerdings, dass Flucht und Vertreibung von rund 200.000 Ungarndeutschen und die Lebensbedingungen der Heimatverbliebenen bzw. das Verhältnis der Gesamtbevölkerung zu dieser Volksgruppe zur Geschichte von Ungarn gehören.

Die Verfasserin Ágnes Tóth hat mit der vorliegenden Arbeit den Versuch unternommen, eines der bisher erst mangelhaft ausgeleuchteten Themen zu erforschen: die gegen die Ungarndeutschen gerichteten Aktivitäten der von Anfang an kommunistisch beherrschten politischen Macht zwischen 1950 und 1970.

Die vorliegende Publikation, die u.a. auch von der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen unterstützt wurde, ist bisher leider nur in ungarischer Sprache erhältlich. Eine deutschsprachige Ausgabe hiervon gibt es noch nicht.

Das Buch kann über den Verlag www.argumentum.net bezogen werden.

„Europa in Baden-Württemberg“

LDU-Spitzenvertreter treffen auf neuen Generalkonsul in Stuttgart

Begegnung im Ungarischen Kulturinstitut in Stuttgart: Joschi Ament, Minister Guido Wolf und Generalkonsul Dr. András Izsák

Baden-Württemberg liegt nicht nur im Herzen von Europa, sondern ist für viele Bürgerinnen und Bürger aus Europa und der ganzen Welt Heimat. Viele Institutionen bauen von Stuttgart aus Brücken in die Welt. Um diese Vielfalt der Nationen erlebbar und sichtbar zu machen, öffneten Ende September zahlreiche mitten in Stuttgart ansässige Generalkonsulate ihre Türen.

Guido Wolf, Minister der Justiz und für Europa in Baden-Württemberg und Gisela Erler, Stadträtin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung in Stuttgart hatten zu dieser „langen Nacht der Konsulate“ aufgerufen, und zahlreiche Konsulate und Einrichtungen hatten für die Besucher ein buntes Programm mit interkulturellen Begegnungen bei Tanz- und Musikdarbietungen, spannenden Vorträgen über Land und Leute und landestypische Köstlichkeiten vorbereitet.

Joschi Ament und Erich Gscheidle nutzten dabei die Gelegenheit zu einem Besuch des Ungarischen Generalkonsulates. Dort fand in den Räumlichkeiten des Ungarischen Kulturinstituts eine erste Begegnung mit einen informativen Gesprächsaustausch mit Dr. András Izsák statt, der als neuer Generalkonsul von Ungarn erst wenige Tage zuvor in die Christophstraße in Stuttgart eingezogen war.

Dr. Izsák hatte bereits zuvor als Erster Gesandter von Ungarn in der ungarischen Botschaft in Berlin die Aktivitäten der LDU mitverfolgen können. Er freue sich auf die künftige noch engere Zusammenarbeit in Baden-Württemberg mit den Ungarndeutschen, wie Dr. Izsák betonte. „Ich habe den Ungarndeutschen in meinem Heimatland Ungarn sehr viel zu verdanken. Wo ich hier in Baden-Württemberg helfen kann, helfe ich gerne“, so der neue Generalkonsul.

Auch Minister Guido Wolf stattete dem Ungarischen Generalkonsulat einen Besuch ab und mischte sich dabei unter die Freunde und Gäste der Ungarn und der Ungarndeutschen.

„Wir haben allen Grund dankbar zu sein“

Tag der Heimat in Stuttgart

Staatssekretär Wilfried Klenk, MdL, bei seiner Festansprache

Angesichts der Corona-Pandemie konnte die ursprünglich für den 5. August 2020 vorgesehene Festveranstaltung „70 Jahre Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ nicht in geplantem Rahmen stattfinden. Dies betraf auch den zentralen Tag der Heimat, der in diesem Jahr in „abgespecktem“ Umfang Ende September stattfand.

Auf Einladung des Bundes der Vertriebenen trafen sich die vereinigten Landsmannschaften im Beethovensaal der Liederhalle in Stuttgart, um den Tag der Heimat zu begehen. Die LDU in Baden-Württemberg vertrat der Landesgeschäftsführer Erich Gscheidle.

Albert Reich, BdV-Kreisvorsitzender aus Stuttgart brachte seine Freude zum Ausdruck, dass die verschiedenen Landsmannschaften ebenso zahlreich erschienen waren wie auch die Vertreter der Politik und somit alle an diesem Tag auch die Begegnung in den Vordergrund stellten.

Wilfried Klenk MdL, Staatssekretär im Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration, richtete drei Jubiläen in den Fokus seiner Festansprache. Vor 70 Jahren, am 5. August 1950, hatten Sprecher der Vertriebenenverbände in Stuttgart die Charta der deutschen Heimatvertriebenen unterzeichnet und am Tag darauf in Bad Cannstatt offiziell verkündet. In seiner Würdigung der Charta setzte Klenk diese mit zwei weiteren Jubiläen in Beziehung, nämlich mit der 75. Wiederkehr des Kriegsendes in Deutschland und mit der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten, die sich in diesem Jahr zum 30. Mal jährt. Der Staatssekretär schloss seine Ansprache mit den Worten: „Wir haben allen Grund für die Charta der deutschen Heimatvertriebenen und für das, was daraus Fruchtbares für uns alle erwachsen ist, dankbar zu sein“.

Iris Ripsam, BdV-Landesvorsitzende, betonte in ihrer Ansprache u.a. die Bedeutung der Charta im Hinblick auf ein geeintes Europa. Dieses Ziel hätten die Heimatvertriebenen schon 1950 vor Augen gehabt – früher als viele andere, so Ripsam.

Traditionsgemäß erfolgte bereits am Vormittag eine Kranzniederlegung am Mahnmal für die Opfer von Flucht und Vertreibung in Bad Cannstatt beim Kursaal.

„Für den Erhalt unseres kulturellen Erbes“

BdV in Bayern zum Meinungsaustausch bei Sozialministerin Caroline Trautner

Vertreter des BdV in Bayern zu Gast bei Ministerin Caroline Trautner (in der Bildmitte)

Zu einem Meinungsaustausch kam es Mitte September 2020 zwischen dem Landesvorstand des BdV in Bayern und Ministerin Carolina Trautner im Bayerischen Sozialministerium.

Nach kurzer Vorstellung der einzelnen Landsmannschaften ging es gleich um Aktivitäten, die erreichten und noch offenen Ziele, auch in den Herkunftsstaaten der Landsmannschaften.

Unser LDU-Bayern Vorsitzender Georg Hodolitsch berichtete u.a. von der Ausstellung 2019 zum Thema „Heimat“ des Kloster Beuerbergs mit Fluchtgepäck von unseren dort nach ihrer Flucht angekommenen deutschen Landsleuten aus Pusztavám/Ungarn sowie der Gedenkveranstaltung „70 Jahre Charta der Deutschen Heimatvertriebenen“, die vor wenigen Wochen in Geretsried ausgerichtet wurde.

Im Folgenden wurden Themen wie die institutionellen Förderungen des Bundes für einzelne Kulturstiftungen erörtert. So steht u.a. auch das Donauschwäbische Museum in München-Haar auf der Liste der geförderten Einrichtungen im Land Bayern.

BdV-Landesvorsitzender Knauer zeigte dabei auf, wie wichtig diese Unterstützung sei, denn zunehmend werde es schwieriger die Betreuung von Heimatstuben durch ehrenamtliche Helfer sicherzustellen. Es sei in den vergangen 20 Jahren schon zu viel verloren gegangen, so Knauer. Es gehe damit um mehr als nur den Erhalt des kulturellen Erbes.

Es gehe unter anderem auch darum, durch digitale Angebote, speziell auch für Schulen, das Interesse der jungen Generationen für die Arbeit der Landsmannschaften und die Geschichte der Heimatvertriebenen und Spätaussiedler zu wecken.

Knauer sprach der Ministerin seinen Dank für den heutigen Meinungsaustausch und die sehr gute Unterstützung der Vertriebenen und Aussiedler aus. Umgekehrt bedankte sich Staatsministerin Carolina Trautner für die zahlreichen Anregungen und sicherte Ihre Unterstützung bei den aufgezeigten Problemen zu.