Dr. Birgit Knolmayer zusammen mit Dr. Dezső B. Szabó
Gelungene Finissage zur Sonderausstellung im Gerlinger Stadtmuseum
Die Verantwortlichen – die Leiterin des Gerlinger Stadtmuseums Dr. Birgit Knolmayer und Dr. Dezső B. Szabó, Direktor des Liszt-Instituts in Stuttgart, zeigten sich sehr zufrieden. Immerhin besuchten mehr als 1.000 Besucherinnen und Besucher die Ausstellung der Otto von Habsburg Stiftung in Budapest.
Zur Finissage kamen trotz hochsommerlicher Temperaturen nochmals zahlreiche Interessierte, die den Ausführungen von Dr. Dezső B. Szabó folgten, der Otto von Habsburg während seiner Studienzeit vor über 30 Jahren persönlich kennen lernen durfte.
Ein besonderer Erfolg der Ausstellung war, dass Frau Dr. Knolmayer mit Birgit Huber zur Finissage die 1.000ste Besucherin begrüßen konnte, die extra für diese Ausstellung aus Bad Rappenau angereist war. Sie überreichte ihr ein kleines Präsent und lud nach den Schlussworten von Dr. Szabó zu einem Umtrunk mit guten Gesprächen und dem geselligen Austausch ein.
Birgit Huber (links) – die 1.000ste Besucherin der Sonderausstellung (Foto: Stadtmuseum Gerlingen)
Mitglieder des Landesvorstandes der LDU Baden-Württemberg beim abschließenden Gruppenfoto
LDU in Baden-Württemberg tagte erneut in Bretzfeld
Der Vorstand der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn Landesverband in Baden-Württemberg traf sich bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr, um über die langfristigen Ziele und die Strategie 2030 zu beraten.
Dabei setzte das Gremium auf der anlässlich der ersten Klausurtagung im Januar dieses Jahres erarbeiteten Vision »Wir engagieren uns für die Geschichte und Kultur der heimatvertriebenen Ungarndeutschen.«, sowie der Mission: »Wir setzen uns für die Stärkung der Gemeinschaft der Ungarndeutschen ein, schaffen Plattform für Austausch, bewahren und fördern die kulturelle und historische Identität, um die Tradition und die Geschichte als lebendigen Teil der europäischen Vielfalt zu erhalten und weiterzugeben« auf.
In zwei großen Workshops erarbeiteten die Vorstandsmitglieder konkrete Handlungsempfehlungen zu den Themen „Ausbau der Medienpräsenz und der öffentlichen Wahrnehmung“ und „Stärkung der Gemeinschaft in Baden-Württemberg und Förderung einer europäischen Vielfalt“, die kurzfristig angegangen und umgesetzt werden sollen.
Die Moderatoren dieser zweiten Klausurtagung in Bretzfeld, Anna-Sophie Haas und Joschi Ament, konnten am Abend auf eine erneut sehr erfolgreiche Tagung zurückblicken, die „Lust auf mehr“ macht.
Umrahmt von wunderbaren Trachten aus dem Banat: HOG-Vorsitzende Theresia Reiter, Joschi Ament und Kulturreferentin Katharina Schmidt
22. Kultur- und Trachtenfest der Heimatortsgemeinschaft Sanktanna in Nürtingen
Sanktanna (rumänisch: Sântana) liegt im Banat, einer historischen Region in Rumänien, die am Südostrand der ungarischen Tiefebene gelegen ist. Sanktanna ist ein Banater Dorf mit einer reichen deutschen Geschichte, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht, als es im Rahmen der theresianischen Siedlungsperiode vom österreichischen Kaiserreich besiedelt wurde. Im Zuge der politischen Wende in Osteuropa übersiedelten viele Banater Schwaben, auch solche aus Sanktanna, vor allem in die südlichen Bundesländer der Bundesrepublik. Nach der Gründung der HOG Sanktanna im Februar 1981 in Augsburg treffen sich ehemalige und nachgeborene Sanktanner heute regelmäßig in Nürtingen in der Region Stuttgart.
Unter dem Motto „Heimat im Herzen – Zukunft im Blick“ fand nun das 22. Heimattreffen statt, zu der die HOG-Vorsitzende Theresia Reiter mit ihrer gesamten Vorstandschaft eingeladen hatte. Der Tag stand dabei ganz im Zeichen einer lebendigen Gemeinschaft und eines reichenhaltigen Kulturlebens der Sanktannaer. Bereits am Vormittag führte ein feierlicher Gottesdienst die Gäste zusammen und erinnerte daran, wie wichtig Zusammenhalt und Glaube für ein Miteinander ist.
Paare in Sanktanner Tracht, einige sogar aus Sanktanna angereist, sowie Tanz- und Trachtengruppen aus Nürnberg und Ingolstadt, sorgten für einen wunderbaren Rahmen eines bunten und reichhaltigen Kulturprogramms mit Tänzen, Gedichten und Wortbeiträgen. Unter den besonderen Gästen war auch der Bundesvorsitzende der Ungarndeutschen, Joschi Ament, der in seinem Grußwort auf seine eigenen familiären Wurzeln einging, die ihn persönlich eng mit Sanktanna und dem Banat verbinden.
Bei schwungvoller Tanzmusik mit der Band IMPULS feierten die Sanktannaer bis spät in die Nacht und teilten Erinnerungen und schauten gemeinsam – von Jung bis Alt – nach vorne.
Gründungsmitglieder und Ehrengäste des Heimatvereins Pesthidegkút
Heimatverein Pesthidegkút feiert Vereinsjubiläum
Pesthidegkút ist eine ehemals selbständige ungarndeutsche Gemeinde im Ofner Bergland, dem Umland von Budapest. Heute ist Pesthidegkút der ungarischen Hauptstadt eingemeindet. Vor fast 80 Jahren wurden etwa 2.000 Ungarndeutsche aus Pesthidegkút vertrieben; etwa die Hälfte kam am 13. Mai 1946 nach Neckarzimmern in den heutigen Neckar-Odenwald-Kreis.
Mosbach mit seiner malerischen Lage an den südlichen Ausläufern des Odenwaldes im romantischen Neckartal wurde für viele ehemaligen Hidegkúter zur neuen Heimat. 1980 gründeten sie einen Heimatverein; 1998 wurde sogar eine offizielle Städtepartnerschaft zwischen Mosbach und dem 2. Bezirk Budapests – dem Stadtteil Pesthidegkút – unterzeichnet.
Anlässlich des 45-jährigen Vereinsjubiläums hatte der Heimatverein in die gute Stube der Stadt – ins Haus der Donauschwaben – nach Mosbach eingeladen. Zahlreiche langjährige Wegbegleiter, Freunde und Gönner des Vereins füllten den Saal bis auf den letzten Platz.
Vorsitzender Anton Kindtner ging in seiner Begrüßung auf die Erfolgsstory der Hidegkúter in Mosbach ein. Er berichtete u.a. von zahlreichen nationalen und internationalen Treffen und Begegnungen mit donauschwäbischen Freunden aus aller Welt.
Nach den Grußworten des Oberbürgermeisters Julian Stipp erinnerte Joschi Ament in seiner Festrede an die seit Anfang der 1960er Jahren einsetzenden Reisen in die alte Heimat und die eifrig gepflegten Kontakte dorthin. Die zahlreichen Patenschaften hätten gewiss das ihre zur Aufweichung des kommunistischen Systems beigetragen. Dass der so genannte Eiserne Vorhang gerade an der ungarischen Grenze fiel, dürfe zweifelsohne als Frucht dieser Jahre hindurch gepflegten Freundschaft betrachtet werden, so Ament.
Bundesvorsitzender Joschi Ament bei seiner Festrede
Der Festakt wurde durch den Chor der Donauschwaben Mosbach feierlich umrahmt. Für den kulinarischen Teil des Abends sorgte in bewährter Manier Ilona Kindtner mit ihrem Team.
Bundesvorsitzender Joschi Ament (links) und Landesvorsitzender in Bayern Gerog Hodolitsch (rechts)
75 Jahre Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn in Bayern
Als eine ihrer Kernaufgaben sieht die Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn in Bayern (LDU) den Ausbau einer Erinnerungskultur und die Schärfung des Geschichtsbewusstseins.
Sie feierte kürzlich in Geretsried ihr 75-jähriges Bestehen. Der Landesvorsitzende Georg Hodolitsch begrüßte hierzu zahlreiche prominente Vertreter und Ehrengäste, allen voran Schirmherr Landrat Josef Niedermaier, Bürgermeister Michael Müller, BdV Landesvorsitzender Dr. Christian Knauer und den LDU Bundesvorsitzenden Joschi Ament.
Am 5. November 1949 sei die Landsmannschaft in München gegründet worden. Die LDU sei von Anfang an ein gemeinnütziger Verein gewesen, der es sich zum Ziel gesetzt hatte, den Heimatvertriebenen und Flüchtlingen der Nachkriegszeit bei Eingliederungsmaßnahmen sozialer und wirtschaftlicher Art zur Seite zu stehen. Aber auch die Geselligkeit und alte Traditionen halte die LDU seit Beginn hoch. Ein Jahr nach der Gründung hätte die Ungarndeutschen in München ihren ersten traditionellen „Schwabenball“ veranstaltet, so Landesvorsitzender Georg Hodolitsch.
Joschi Ament sagte, den Deutschen aus Ungarn sei die Integration nach Flucht und Vertreibung im Zweiten Weltkrieg vorbildlich gelungen. Sie hätten ihren Fleiß und ihre Kultur eingebracht. „Sie waren und sind ganz große Brückenbauer zwischen Ost und West“, so Ament. Der rege Austausch und die zahlreichen Städtefreundschaften – wie sie auch Geretsried und Pusztavám pflegen – hätten mit zum Ende des Kommunismus in Ungarn 1989 beigetragen. Dort sei noch im selben Jahr als Erstes der Eiserne Vorhang gefallen.
Das von Anfang an gute Verhältnis zwischen den in Ungarn lebenden Deutschen und den Ungarn selbst hob auch Festredner Dr. Christian Knauer, Vorsitzender des Bundes der Vertriebenen in Bayern, als etwas Besonderes hervor. Die Deutschen in Ungarn hätten sich stets als Ungarn deutscher Volkszugehörigkeit gefühlt. Er bezeichnete sie ebenfalls als „Brückenbauer zwischen den Ländern“. Knauer rief die etwa 70 Gäste im Saal dazu auf, mit ihren Kindern und Enkelkindern in die ehemalige Heimat zu fahren. „Zeigt ihnen Eure Herkunft und Eure Gräber. So können sich auch nachfolgende Generationen mit Ungarn identifizieren“, sagte er.
Glückwünsche und Grußworte überbrachten neben Landrat Josef Niedermaier und Bürgermeister Michael Müller auch die Landtagsabgeordnete Dr. Petra Loibl, Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Vertriebene und Aussiedler, sowie Dr. Zoltán Nánási, Konsul des ungarischen Generalkonsulats in Bayern.
Renate Bayer (LDU) und Museumsdirektor Tamás Szalay
Ausstellung im Donauschwäbischen Zentralmuseum in Ulm eröffnet
Das Ende des Zweiten Weltkrieges hat nicht nur Frieden und Befreiung gebracht, sondern für Viele auch weiteres Leid. Flucht, Vertreibung, Deportation waren an der Tagesordnung. Dieses Schicksal traf auch die Vorfahren des Künstlers Dieter Mammel.
Die Familie stammt aus dem Banat: Seine Großmutter aus Temeswar/Timişoara, sein Großvater aus Franzfeld/Kačarevo bei Belgrad. Sie mussten die alte Heimat verlassen, und fanden ein neues Zuhause in Baden-Württemberg.
Die Requisiten ihres Lebens ließen sie zurück. Es blieben aber die Geschichten. Dieter Mammel hat es als seine Aufgabe gesehen, diesen Abschnitt der Familiengeschichte in Gemälde zu übersetzen.
Seine großformatigen, monochromen Bilder, die durch die spezielle Maltechnik mit Tusche auf nasser Leinwand – wie auch die Erinnerungen – keine klaren Konturen haben, erzählen von erlebter Idylle, drohendem Krieg, Flucht, Trauma und Neubeginn.
Sie sind nicht nur private Geschichten, sondern stehen für die Erfahrungen zahlreicher Familien, die das gleiche Schicksal erlebt haben und erleben: Gewalt, Flucht und Neubeginn sind allgegenwärtige Erfahrungen unserer Zeit.
Die stellvertretende Landesvorsitzende der LDU in Baden-Württemberg, Renate Bayer, zeigte sich tief beeindruckt anlässlich der Vernissage zu Mammels Werken. Voll besetzt waren die Räumlichkeiten im DZM, in denen Direktor Tamás Szalay weit über 100 Gäste begrüßen konnte. Die Einführung in die Ausstellung gab Kuratorin Astrid Beyer, die im Anschluss an die Grußworte von Ulms Bürgermeisterin Iris Mann, die Gäste durch die Ausstellung begleitete.
Dieter Mammel ergänzte das Erzählte mit Erlebtem über die aktuelle Flucht aus Syrien und der Ukraine und gab dem Projekt damit eine allgemeine und aktuelle Bedeutung und Gültigkeit.
Eine Besonderheit des LIFELINE Projektes ist, dass die Ausstellung dem Fluchtweg der Familie folgt. Die erste Station war das Nationale Kunstmuseum in Temeswar/Timişoara vom 10. Mai bis 26. August 2024, Danach wurde sie im Nationalmuseum Pantschowa/Pančevo vom 30. August bis 29. September 2024 gezeigt. Die Reise der Ausstellung endet in Ulm: LIFELINE ist vom 16. Mai 2025 bis 18. Januar 2026 im Donauschwäbischen Zentralmuseum zu sehen.
v.l.n.r.: Peter-Dietmar Leber, Dr. Bernd Vöhringer, Joschi Ament, Jürgen Harich, Dr. Herta Schwarz, Thomas Erös, Thomas Strobl, Hans Supritz (Landesvorsitzender Donauschwaben), Raimund Haser, Richard Jäger (Landesvorsitzender Banater Schwaben) Foto: Giuseppe Santagati
Festakt „70 Jahre Patenschaft des Landes Baden-Württemberg über die Volksgruppe der Donauschwaben“
„In Anbetracht der engen stammesmäßigen Verbundenheit der Bevölkerung des Landes Baden-Württemberg mit der Volksgruppe der Donauschwaben hat die Landesregierung beschlossen, die Patenschaft über die Volksgruppe der Donauschwaben zu übernehmen“, so der Text der Urkunde, die am 11. September 1954 von Ministerpräsident Dr. Gebhard Müller unterzeichnet wurde.
Sieben Jahrzehnte später existiert diese Patenschaft immer noch. Diese wurde anlässlich eines großen Festaktes im Haus der Donauschwaben in Sindelfingen feierlich gewürdigt.
v.l.n.r.: Richard Jäger, Joschi Ament, Alfred Freistädter
Raimund Haser,MdL, konnte als Vorsitzender des Hauses hierzu mehr als 100 geladene Gäste aus Politik, Kultur und Gesellschaft begrüßen. Hierzu zählten u.a. auch die Bundesvorsitzenden der vier donauschwäbischen Landsmannschaften – Jürgen Harich (Donauschwaben), Peter-Dietmar Leber (Banater Schwaben), Thomas Erös (Sathmarer Schwaben) und Joschi Ament (Ungarndeutschen).
Sindelfingens Oberbürgermeister, Dr. Bernd Vöhringer unterstrich in seiner Festrede die Verbundenheit der Stadt zu den Donauschwaben, besonders zur Landsmannschaft der Donauschwaben aus dem ehemaligen Jugoslawien, über die die Stadt Sindelfingen vor 60 Jahren eine zusätzliche Patenschaft übernommen hatte. Er freue sich ganz besonders auf künftige Begegnungen im neu renovierten Haus.
Als Ehrengast richtete der stellvertretende Ministerpräsident und Innenminister der Landes Baden-Württemberg, Thomas Strobl, Worte der Dankbarkeit an die Zuhörer. Er griff die gemeinsame Geschichte des Landes Baden-Württemberg mit den Donauschwaben auf und verwies dabei auf die vielfältigen Unterstützungen duch das Land. Dies solle auch in Zukunft so fortgeführt werden, so Thomas Strobl.
Die vierteljährlich in Deutschland erscheinende Zeitschrift „Unsere Post“ greift aktuelle gesellschaftliche und kulturelle Themen der nach Deutschland vertriebenen Ungarndeutschen und ihrer Nachkommen sowie der deutschen Gemeinschaft in Ungarn auf. Sie schlägt eine Brücke zwischen Generationen, Ländern, Vergangenheit und Gegenwart.
Die neueste Ausgabe berichtet unter anderem vom 68. Bundesschwabenball in Gerlingen, bei dem Ungarndeutsche aus Ungarn und aus Deutschland gemeinsam gefeiert haben – ein Beweis dafür, dass die Ungarndeutschen trotz der Zerstreuung eine lebendige, auf persönlichen Beziehungen beruhende Gemeinschaft bilden. Die Zeitung widmet sich regelmäßig dem Schicksal und der derzeitigen Aktivitäten der Vertriebenen und ihrer Nachkommen, der Bedeutung der Bewahrung ihrer Geschichten und trägt zur Pflege des kollektiven Gedächtnisses bei.
Werden auch Sie Teil dieses besonderen Dialogs!
Bestellen Sie die Printausgabe der „Unsere Post“ und unterstützen Sie damit den Erhalt unserer gemeinsamen Identität sowie die Pflege der Kontakte mit Ungarndeutschen in aller Welt!
Schülerinnen und Schüler der Jahrgangstufe 10 des Beruflichen Schulzentrum Bietigheim rechts im Bild: Joschi Ament, Lena Ambrus (Klassenlehrerin und Leiterin des Projektes), Hartmut Göggerle (Klassenlehrer) Corinna Dalferth (BdV-Ba.-Wü.)
Schüler der 10. Klasse beschäftigen sich mit den Folgen der Vertreibung im Jahr 1947 in Bietigheim
Siebenbürger, Ungarndeutsche, Schlesier, Banater Schwaben – um nur ein paar zu nennen, singen am 15.09.2024 in der Liederhalle in Stuttgart, am „Tag der Heimat“ das Lied „Kein schöner Land in dieser Zeit“. Nachdem jede Landsmannschaft ihre Traditionen in Form von Tänzen, Liedgut und Trachten vorgeführt hat, signalisiert das Lied zum Schluss Einheit in der Vielfalt – Grenzen spielen hier keine Rolle, sie werden überwunden.
Junge Menschen – Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 10 des Beruflichen Schulzentrums Bietigheim – stellen sich zusammen mit ihrer Geschichtslehrerin Lena Ambrus die Frage, was hier besungen wird: die Sehnsucht nach einem harmonischen, friedlichen Zusammenleben, Solidaritätsgefühl, Vaterlandsliebe und Brüderlichkeit? Sie fragen sich: „Wie war das damals, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, als die Heimatvertriebenen und Flüchtlinge nach Bietigheim kamen?“
Die Schülerinnen und Schüler schauen sich gemeinsam den Film „Der Kreis Ludwigsburg baut auf“ an, der in den Jahren 1946 und 1947 entstand. Sie befragen Zeitzeugen und erfahren Widersprüchliches. Sie werden neugierg und wollen erfahren, wie es zu den Bildern des Filmes kam und wie nahe die Darstellung an der Realität war, um die Frage zu beantworten: „Ist der Film grenzwertig?“
Es ensteht ein einzigartiges Schulprojekt, das die Schülerinnen und Schüler erfahren lässt, was in der Zeit nach 1945 in Bietigheim alles geleistet wurde. Und dennoch: trotz Zerstörung, Versorgungskrise und der größten je gekannten Wohnungsnot sind Flüchtlinge, Vertriebene und Altbürger zusammengewachsen und haben ein demokratisches Zeitalter eingeleitet.
Das Schulprojekt »„Der Kreis Ludwigsburg baut auf“ – grenzwertig?« verdient allerhöchsten Respekt und Anerkennung.
Neues Werk in der Reihe der Schriften des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa
Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die im Land verbliebenen Ungarndeutschen zahlreichen Repressionen unterworfen. Ab 1950 konsolidierte sich deren Lage allmählich.
Ágnes Tóth analysiert anhand zahlreicher Archivbestände die von vielen Widersprüchen gekennzeichnete Politik der ungarischen Staats- und Parteiführung gegenüber den Ungarndeutschen sowie die Bemühungen der deutschen Minderheit, als Teil der ungarischen Gesellschaft anerkannt zu werden. Dabei mussten sich die Ungarndeutschen nicht nur gegen die Assimilierungspolitik der Staatsmacht behaupten, sondern auch an unterschiedlichste Ausprägungen der kommunistischen Diktatur anpassen.
Diese Monografie bietet einen detaillierten Überblick über alle zentralen Aspekte der Lage der deutschen Minderheit in Ungarn, z. B. der Verbandsstrukturen oder des Bildungs- und Pressewesens, wodurch die Autorin die erste Gesamtdarstellung zur Geschichte der Ungarndeutschen während der ersten Hälfte der kommunistischen Herrschaft vorlegt.
Das Fachbuch wurde veröffentlich bei De Gruyter Oldenbourg (ISBN 978-3-11-220641-6) und ist im Buchhandel erhältlich.