„Ungarndeutsche – ein Teil der Gerlinger Stadtgeschichte“

65 Jahre Stadtmuseum Gerlingen

Vor 65 Jahren begann in Gerlingen die Sammlung heimatkundlicher Gegenstände an unterschiedlichen Ausstellungsorten. Seit 1982 ist das Stadtmuseum gemeinsam mit dem Ungarndeutschen Heimatmuseum im Alten Schulhaus in der Weilimdorfer Straße 9–11 beheimatet. Dieses war bereits 1971 entstanden, nachdem der Gemeinderat der Stadt Gerlingen beschlossen hatte, die Patenschaft über die Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn (LDU) für Baden-Württemberg zu übernehmen.

Der Museumsgeburtstag stand unter dem Motto „Vergangenheit hat Zukunft“. In einer Gesprächsreihe erinnerten sich Weggefährten an die bewegte Geschichte des Museums, das sich zu einem lebendigen Ort für Kultur, Bildung und Begegnung entwickelt hat. Im Rahmen dieses Rückblicks wurde auch das Kapitel „Ungarndeutsche in Gerlingen“ aufgegriffen. Hierzu hielt der Landesgeschäftsführer der LDU, Erich Gscheidle, einen Vortrag.

Erich Gscheidle, der über 40 Jahre im Dienst der Stadt Gerlingen stand und als ehemaliger Hauptamtsleiter auch für das Stadtmuseum verantwortlich war, schilderte, wie nach dem Zweiten Weltkrieg zahlreiche Vertriebene in Gerlingen eine neue Heimat fanden. Seine Ausführungen stützten sich dabei auf Zeitzeugenberichte sowie persönliche Erinnerungen.

So seien am 29. April 1946 die ersten 201 Ungarndeutsche aus Zsámbék (Schambek) der Gemeinde Gerlingen aus dem Lager Malmsheim zugewiesen worden. „Gerlingen hatte damals rund 3.500 Einwohner“, wie Gscheidle zu berichten wusste. Die Vertriebenen seien zunächst im Rohbau der Pestalozzi-Schule und im Kindergarten Hasenberg untergebracht worden, bevor sie in Gerlinger Familien Aufnahme fanden, so Gscheidle weiter. Weitere Ungarndeutsche, vor allem aus Dunabogdány (Bogdan) und Egyházaskozár (Kosart), sowie Vertriebene überwiegend aus dem Sudetenland und Schlesien wären damals gefolgt. Als Gerlingen 1958 zur Stadt erhoben wurde, lebten dort 10.000 Menschen, darunter 3.600 Vertriebene.

Trotz anfänglicher Schwierigkeiten gelang die Integration sehr erfolgreich. Die Vertriebenen engagierten sich im Vereinsleben, übernahmen politische Verantwortung und prägten die Stadt nachhaltig.

Warum die Stadt Gerlingen die Patenschaft über die Landsmannschaft übernommen hat und weshalb Gerlingen immer wieder als „inoffizielle Hauptstadt der Ungarndeutschen in Deutschland“ bezeichnet wird, fand ebenso Aufklärung wie das Zustandekommen der Städtepartnerschaft zwischen Gerlingen und der ungarischen Stadt Tata.