„Gedemütigt, entwurzelt, vertrieben“

Heimatverein Budaörs gestaltet Gedenkmarsch anlässlich der Vertreibung

In Bretzfeld erinnerte der Heimatverein Budaörs an die Vertreibung der Ungarndeutschen vor 80 Jahren. Der Gedenkmarsch, organisiert vom Heimatverein Budaörs in Zusammenarbeit mit der Gemeinde, begann bewusst am Bahnhof – jenem Ort, der für viele Vertriebene Ankunft, Hoffnung und schmerzhafte Erinnerung zugleich symbolisiert.

Rund 150 Gäste nahmen an dieser Gedenkveranstaltung teil. Die Vereinsvorsitzende Theresia Mann fand eindringliche Worte für das Schicksal ihrer Vorfahren: Gedemütigt, enteignet und entwurzelt seien die Menschen gewesen, oft mit kaum mehr als einem Koffer, gewaltsam in Viehwaggons verfrachtet. Bürgermeister Martin Piott schlug den Bogen in die Gegenwart. Erinnerung müsse bewahrt werden, zugleich seien Toleranz und ein gutes Miteinander heute wichtiger denn je.

Besonders bewegend waren die persönlichen Berichte. Harald Milbich schilderte den Bahnhof als Ort der Sorge und Ungewissheit, wie ihn seine Eltern erlebt hatten. Historische Perspektiven ergänzten weitere Beiträge, darunter Irene Sadzio vom Budaörser Heimatverein in Bretzfeld sowie Kathi Gajdos-Frank vom Jakob-Bleyer-Museum in Budaörs.

Ein Gedenkmarsch führte die Teilnehmer zum ehemaligen Schulhaus, einst erste Notunterkunft einiger vertriebener Budaörser. Frauen und Männer in ungarndeutscher Tracht trugen alte Koffer – ein stilles, eindrucksvolles Bild für Verlust und Neubeginn.

Im Museum selbst sorgten kulturelle Beiträge für einen weiteren emotionalen Höhepunkt. Unter anderem präsentierte die Deutsche Bühne Ungarn aus Szekszárd das literarische Bühnenstück „Gegen das Vergessen“, Schüler der Nationalitätengrundschule Budaörs stellten eine Bilderpräsentation über ihr Schulprojekt „80 Jahre Vertreibung“ vor.

Tief berührte die Anwesenheit der Zeitzeugin Elisabeth Deininger. Sie berichtete von der sechstägigen Fahrt im Viehwaggon, der Ankunft in Öhringen und dem schwierigen Neubeginn in Bretzfeld. Trotz aller Härten fand sie hier eine neue Heimat – ein Zeugnis von Leid, aber auch von menschlicher Stärke und Versöhnung.