„Neue Wege für ungarndeutsche Tanzgruppen“

Treffen zwischen dem Landesrat und Donauschwaben

Das Haus der Donauschwaben in Mosbach wurde Mitte September zum Treffpunkt für einen kulturellen Gedankenaustausch verschiedener donauschwäbischer Organisationen. Hierzu begrüßte Stefan Ihas, Präsident des Weltdachverbandes der Donauschwaben, die Herren László Kreisz, Vorsitzender des Landesrates der ungarndeutschen Chöre, Kapellen und Tanzgruppen in Ungarn, Josef Jerger von der Donaudeutschen Landsmannschaft in Rheinland-Pfalz, Joschi Ament, Bundesvorsitzender der LDU in Deutschland sowie den Hausherren und Gastgeber Anton Kindtner, Vorsitzender der Donauschwaben in Mosbach.

Ziel dieses Treffens war, Ideen für eine neue Motivationsstruktur für ungarndeutsche und donauschwäbische Kulturgruppen zu sammeln, um den Austausch dieser Gruppen untereinander zu fördern und weiter zu entwickeln.

Während des zweistündigen Gespräch gaben die Teilnehmer dabei Einblicke in ihre jeweiligen Organisationsstrukturen. Sie diskutierten über Probleme, Herausforderungen aber auch über mögliche Chancen für eine bessere Vernetzung und Zusammenarbeit mit Blick auf die kulturellen Themen der jeweiligen Verbände.

Joschi Ament resümierte am Ende der Besprechung: „Ich halte es für wichtig, dass wir uns auch künftig regelmäßig treffen und austauschen. Nur so scheint es mir möglich, eine Vermittlerrolle auf Verbandsebene einzunehmen, um junge Ungarndeutsche in Ungarn und Deutschland zueinander zu bringen. Wir haben bereits die Kontakte und pflegen unsere Netzwerke. Es mag deshalb ein wichtiger Baustein für eine Intensivierung der Jugendarbeit zwischen unseren Ländern sein, wenn wir dieses Netzwerk in Zukunft noch besser einsetzen.“

„Der alten Heimat zum Gedenken, der neuen Heimat zum Dank“

Enthüllung der LDU-Gedenktafel am Donauschwabenufer in Ulm

Bei wunderbarem Spätsommerwetter versammelten sich etwa 60 geladene Ehrengäste am Donauschwabenufer in Ulm, um die Gedenktafel der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn feierlich zu enthüllen.

Hans Supritz, Bundesvorsitzender der Donauschwaben, erläuterte in seiner Anmoderation die Beweggründe und historischen Hintergründe für das Zustandekommen der zahlreichen Gedenktafeln am Donauschwabenufer, die nunmehr durch eine vierte Tafel der Bundeslandsmannschaften der Volksgruppe der Donauschwaben vervollständigt werden konnte.

Der Bundesvorsitzende der LDU, Joschi Ament, begrüßte anschließend alle besonderen Gäste und ging in seinem Grußwort auf die Symbolik der neu geschaffenen Tafel ein. Dabei verwies er, dass sich die Ungarndeutschen heute zwar eindeutig zur Volksgruppe der Donauschwaben bekennen, erläuterte in seinen Ausführungen aber auch, dass Geschichte der ungarländischen Deutschen weit länger und vielfältiger zurückreiche, als eben „nur“ 300 Jahre Siedlungsgeschichte seit den so genannten Schwabenzügen zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Ament spannte dabei den historischen Bogen vom Mittelalter über die Schwabenzüge bis zur Vertreibung aus Ungarn und schloss den symbolischen Kreis über die Integration der Ungarndeutschen in Deutschland bis hin zu den vielfältigen Kontakten der heute in Ungarn lebenden deutschen Minderheit.

Der Oberbürgermeister der Stadt Ulm Gunter Czisch verwies in seinem Grußwort auf den hohen Stellenwert und die Verbundenheit der Stadt Ulm zur donauschwäbischen Geschichte. Er sei stolz auf solche Einrichtungen wie das Donauschwäbische Zentralmuseum in Ulm oder solche Veranstaltungen wie das Donaufest in Ulm, zu dem Czisch bereits heute die Anwesenden einlud.

Dirk Oestringer, Bürgermeister von Gerlingen, ging bei seinem Worten auf die Verbindungen zwischen den Ungarndeutschen und seiner Stadt vor den Toren der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart ein. Gerlingen stehe als Patenstadt der LDU in Baden-Württemberg zwischenzeitlich seit über 50 Jahren an der Seite der Ungarndeutschen. Nicht umsonst werde Gelingen als die heimliche Hauptstadt der in Deutschland lebenden Ungarndeutschen bezeichnet, so Oestringer.

Nach der feierlichen Enthüllung der Gedenktafel durch die beiden Stadtoberhäupter Czisch und Oestringer zusammen mit den beiden Vorsitzenden der LDU in Deutschland, Joschi Ament, und der LdU in Ungarn, Ibolya Hock-Englender, legten Hock-Englender und Ament zusammen mit dem Generalkonsul von Ungarn in Stuttgart, Herrn Dr. András Izsák, am Denkmal für im 18. Jahrhundert ausgewanderten Donauschwaben einen Kranz nieder.

Ibolya Hock-Englender gab in ihrem folgenden Grußwort einen Einblick in ihre eigene Familiengeschichte. 1726 sei ihr Vorfahre nachweislich aus Hessen nach Ungarn ausgewandert, ob mit einer Ulmer Schachtel? – sie möge es gerne glauben, so Hock-Englender. Auch sie resümierte, dass es vielleicht wichtiger denn je sei, dass die beiden LDU´s eng zusammenarbeiten, um der ungarndeutschen Identität sowohl in Ungarn als auch in Deutschland einen zeitgemäßen Akzent zu verleihen. Sie dankte abschließend, dass ab heute diese Tafel dazu beitrage, sich mit der Herkunft und Zukunft aller Ungarndeutschen zu beschäftigen.

Generalkonsul Dr. András Izsák sprach mit Blick auf das Vertreibungsgeschehen von ein beschämenden Schandfleck in der Geschichte von Ungarn. Mit sehr persönlichen Worten berichtete er, dass er wohl heute nicht Generalkonsul wäre, wenn es nicht die Ungarndeutschen geben würde. Er sei ihnen zu unendlichem Dank verpflichtet, insofern hätten die heutigen Deutschen aus Ungarn und Ungarndeutschen immer einen Platz in seinem Herzen.

Den Schlusspunkt der herausragenden Gedenk-feier setzte das verlesene Grußwort der Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene, Frau Sylvia Stiersdorfer, MdL. Sie dankte im Namen der bayerischen Staatsregierung und bezeichnete die Ungarndeutschen als Europäer im allerbesten Sinne des Wortes. Sie seien Bindeglied zur alten Heimat, Brückenbauer in die Länder Mittel- und Südosteuropas und hätten letztendlich zum Zusammenwachsen der Völker nach dem Fall des Eisernen Vorhangs beigetragen. „Unsere Kinder und Enkel werden, da bin ich mir sicher, noch weiter auf dem Weg der Einigung Europas vorankommen“, so Stiersdorfer abschließend.

Erich Gscheidle, der durch das Programm führte, dankte mit seinen Schlussworten vor allem auch dem Duo Szandra Holczinger und Marianna Molnár, die die Gedenkfeier mit zahlreichen Musikdarbietungen exzellent umrahmten, und lud zum Gedankenaustausch in den naheliegenden Wengensaal der katholischen Kirche St. Michael ein.

Fotos: Alfred Freistädter

„Er baute eine Brücke“

Matthias Schmidt  

Die Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn trauert um ihr Ehrenmitglied Matthias Schmidt.

Als End-1920er Jahrgang gehörte er zu den großen Gestaltern unserer LDU, der die 1980er bis in die 2000er hinein mit solchen Weggefährten wie Paul Strifler, Josef Brasch, Georg Tafferner oder Josef Schneider an vorderster Front mitprägte.

Er war der letzte Zeitzeuge dieses 1920er Jahrgangs. Mit seinem Tod verliert die Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn einen der letzten der ganz Großen der Erlebnisgeneration.

Sein Einsatz für Völkerverständigung zwischen den Menschen in seiner Heimat Deutschland und den Menschen seiner Herzensheimat Ungarn muss man deshalb als „vorbildlich“ bezeichnen.

Er war ein Brückenbauer zwischen den Menschen. Nicht umsonst wurde er unter anderem auch Ehrenbürger seiner Herzensheimat Budaörs.

Alles im Leben hat seine Zeit: Es gibt eine Zeit der Freude, eine Zeit der Stille, eine Zeit des Schmerzens und der Trauer – und eine Zeit der dankbaren Erinnerung.

Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Bundespräsidium und Bundesvorstand

der

Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn

„70 Jahre Donaudeutsche in Haßloch in der Pfalz“

Ausstellungseröffnung des Kreisverbandes der Donaudeutschen in Haßloch

v.r.n.l.: MdL Dirk Herber, Thomas Götz (Donaudeutsche), Tobias Meyer (Bürgermeister und Landesvorsitzender BdV), Landrat Hans Ulrich Ihlenfeld, Alexander Breinich (Vorsitzender der Donaudeutschen Haßloch), Nikolaus Poppitz (Landesverband BdV)

Bei herrlichem Sommerwetter eröffnete die Donaudeutsche Landsmannschaft Haßloch die Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Gründung mit einer Ausstellung zur Geschichte der Donaudeutschen im Haßlocher Rathaus. Bürgermeister Tobias Meyer, der zugleich auch Landesvorsitzender des Bundes der Vertriebenen in Rheinland-Pfalz ist, begrüßte die zahlreichen Besucher. In seiner Ansprache betonte Meyer die besondere Verantwortung der deutschen Heimatvertriebenen als Bindeglied zwischen den Völkern Europas und als Mahner vor den Folgen von Totalitarismus und Kommunismus.

Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld, Schirmherr der Feierlichkeiten, hob den Fleiß und das Engagement der Heimatvertriebenen in den Nachkriegsjahren hervor und dankte den Donaudeutschen auch für ihre gelungene Integration in der Pfalz.

Die Donaudeutschen sind ein nur in Rheinland-Pfalz existierender Zusammenschluss der Landsmannschaften der Deutschen aus Ungarn, der Donauschwaben sowie der Banater Schwaben. Alexander Breinich, selbst erst 40 Jahre alt, führt den Kreisverband Haßloch seit über zehn Jahren und freut sich für den Festabend am 9.Oktober 2021 auf viele Gäste aus dem In- und Ausland.

 

(Quelle: Tobias Meyer, Landesvorsitzender, Bund der Vertriebenen in Rheinland-Pfalz)

Einladung zur 41. Kulturtagung in Gerlingen

20 Jahre Vereinbarung zwischen der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU)
und der
Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn (LDU)

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75 Jahre Vertreibung der Deutschen aus Ungarn

Die Stadt Gerlingen und die Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn, Landesverband Baden-Württemberg laden herzlich zur 41. Kulturtagung am 16. Oktober 2021 in die Stadthalle in Gerlingen ein. Sie wird unter Einhaltung der Hygiene- und Schutzbestimmungen stattfinden.

Im Zentrum der diesjährigen Kulturtagung stehen die Themenschwerpunkte „20 Jahre Vereinbarung zwischen der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU) und der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn (LDU)“ sowie „75 Jahre Vertreibung der Deutschen aus Ungarn“. Im Rahmen der Kulturtagung wird außerdem dem Bundes- und Landesvorsitzenden der LDU, Herrn Joschi Ament, das Ehrenzeichen der LDU Baden-Württemberg in Gold verliehen.

Die Kulturtagung beginnt am 16.10.2021 um 10.00 Uhr in der Stadthalle in Gerlingen, Hauptstraße 48, 70839 Gerlingen.

Es wird ein Mittagessen inkl. Getränke (Sprudel, Apfelsaft, Kaffee) für 10,00 € angeboten. Dieser Betrag ist am Tag der Kulturtagung im Eingangsbereich der Stadthalle zu bezahlen.

Die Teilnahme an der Kulturtagung ist kostenlos.

Es können nur schriftliche Anmeldungen bis 8. Oktober 2021 berücksichtigt werden. Wegen der Planung des Mittagsessens wird ausdrücklich um eine verbindliche Anmeldung gebeten.

Weitere Informationen gibt Ihnen gerne Frau Welfonder unter Tel. 07156/205-8103 oder per Mail unter a.welfonder@gerlingen.de.

Weitere Details zur Kulturtagung können Sie unter der Rubrik „Veranstaltungen 2021“ entnehmen.

„Hochrangiges Treffen in Elek“

Ungarndeutscher Parlamentsabgeordneter Emmerich Ritter zu Gast in Elek

Elek ist eine Kleinstadt im Komitat Békés und liegt heute unmittelbar an der Grenze zu Rumänien. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges war Elek eine von mehrheitlich Ungarndeutschen bewohnte Großgemeinde, die weit außerhalb der ungarndeutschen Zentren im Großraum Budapest oder Fünfkirchen/Pécs liegt.

Dabei ist eher unbekannt, dass nach offiziellen Angaben des Ungarischen Zentralamtes für Statistik die Großgemeinde Elek durch die Vertreibung der Deutschen aus Ungarn nach Budaörs die zweitmeisten Vertreibungsopfer zu beklagen hatte. Nicht umsonst steht im Zentrum der Stadt heute eine Gedenkstätte mit landesweiter Bedeutung, die an alle ungarndeutschen Heimatvertriebenen erinnert.

„Ein Treffen – diesmal in meiner Herzensheimat“, so das kurze Statement von Joschi Ament, dessen Familie am Ende des Zweiten Weltkrieges aus Elek vertrieben wurde.

Dem vorausgegangen war die gemeinsame Einladung des Bundesvorsitzenden in Abstimmung mit der Deutschen Nationalitätenselbstverwaltung sowie dem Bürgermeister und dem Pfarrer von Elek. Die Herren konnten neben Emmerich Ritter auch Dr. József Kovács, Abgeordneter für das Komitat Békés im Ungarischen Parlament – und somit gleich zwei ranghohe parlamentarische Vertreter – in Elek begrüßen.

Anlässlich eines offiziellen Empfangs im Eleker Rathaus konnten sich die beiden Parlamentsabgeordneten einen aktuellen Überblick über die kommulen und kirchlichen Aktivitäten der Stadt verschaffen.

Den Nachmittag nutzte der Abgeordnete der Ungarndeutschen, um die neu konzipierte Dauerausstellung im Vereinhaus der Eleker Deutschen zu besichtigen und sich über das Vereinsleben der Eleker Deutschen zu informieren. Auch das stille Gedenken an der Landesgedenkstätte zur Erinnerung an die Vertreibung der Deutschen aus Ungarn stand im Mittelpunkt des Nachmittagsprogramms.

„Für die Zukunft der Ungarndeutschen und der Deutschen aus Ungarn“

LdU-Vorsitzende Ibolya Hock-Englender empfängt LDU-Vorsitzenden Joschi Ament in Ungarn

„Die pandemische Lage ist zwar immer noch nicht ganz überwunden, es war aber jetzt an der Zeit, persönlich – und nicht nur über das Telefon und den Computerbildschirm – über die anstehenden Themen zwischen LdU in Ungarn und LDU in Deutschland zu reden“, so der bundesdeutsche Vorsitzende, der der Einladung seiner ungarndeutschen Kollegin erneut gefolgt war, um sich mit ihr zu einer Arbeitssitzung zu treffen.

„Trotz der strukturellen Unterschiede unserer Organisationen gibt es zahlreiche Programme und Ziele, die wir nur gemeinsam und in enger Abstimmung untereinander erreichen können“, fügt die Vorsitzende der in Ungarn tätigen LdU hinzu.

„Deshalb sind solche persönliche Treffen zum Austausch unserer Gedanken für unsere gemeinsamen Aktivitäten auch weiterhin unerlässlich“, rundet Ament ab.

Eine umfangreiche Agenda war zusammengestellt: von Gedenkfeierlichkeiten über gemeinsame Initiativen zur Stärkung der ungarndeutschen Identität bis hin zum Austausch von Jugendlichen mit ungarndeutschem Hintergrund standen auf der Tagesordnung.

Besondere Aufmerksamkeit schenkten die beiden Vorsitzenden der vorgesehenen Tagung der LDU am 16. Oktober 2021 in Gerlingen. „Wir wollen an diesem Tag die im Jahr 2000 geschlossene Vereinbarung zwischen unseren Organisationen erneuern, denn es geht um unsere Zukunft, die gemeinsame Zukunft der Ungarndeutschen und der Deutschen aus Ungarn. Das ist für uns beide ein wichtiges Anliegen“, so das gemeinsame Statement.

„Nachlesen, nachforschen und nachdenken“

Tag der offenen Tür im Haus der Donauschwaben in Sindelfingen

Bereits am Vormittag legten Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl, Sindelfingens Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer und der Vorsitzende des Hauses der Donauschwaben Raimund Haser, MdL, im Ehrenhof zum Gedenken an die Opfer der Donauschwaben einen Kranz nieder.

„82 Millionen Menschen sind nach Daten der UNO aktuell weltweit auf der Flucht vor Hunger, Gewalt, religiöser Auseinandersetzung, Tod, Krieg und Heimatverlust“, so Haser. „Deshalb ist es wichtig, dass wir Orte schaffen und erhalten, an denen wir uns mit uns selber auseinandersetzen – mit dem Leid, das unser Volk über andere gebracht hat, aber auch mit dem Leid, das unser Volk erdulden musste. Das Haus der Donauschwaben ist ein solcher Ort.“

Es sei ein Ort zum Nachlesen, Nachforschen und Nachdenken über die Geschichte der Väter und Mütter, Großväter und Großmütter, die Geschichte der Republik und des wirtschaftlichen Aufstiegs Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg, der durch den Zuzug von 12 Millionen fleißiger und integrationswilliger Vertreibungsopfer möglich wurde. „Über eine Geschichte, die mehr und mehr verschwimmt, weil die Letzten, die davon am Küchentisch erzählen können, bald nicht mehr da sein werden“, beschrieb Haser die Aufgabe. Alleine in Sindelfingen seien nach dem Krieg etwa ein Drittel der Bewohner Flüchtlinge gewesen.

Am Nachmittag sprach Prof. Dr. Bernd Fabritius, Bundesbeauftragter für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten. Das Haus der Donauschwaben nehme eine Vielzahl wichtiger Aufgaben wahr als Kulturzentrum und Begegnungsort, als Bibliothek, Dokumentations- und Forschungszentrum. Die Kultur der Heimatvertriebenen sei als bedeutender Teil des gesamtdeutschen Erbes zu bewahren, zu entwickeln und weiterzugeben, so Fabritius.

Um diesen Aufgaben auch künftig gerecht zu werden, muss das Haus der Donauschwaben von Grund auf saniert werden. „Die Umbaupläne sind baureif. Wenn der Gemeinderat im Herbst zustimmt, können wir im nächsten Jahr umbauen“, erklärte Haser hoffnungsvoll.

(Quelle: Auszüge aus einem Bericht der Sindelfinger Zeitung / Renate Lück)

„Ein bisschen Heimweh nach meiner alten Heimat habe ich eigentlich immer“

Goldenes Verdienstkreuz von Ungarn für Hans Schmuck

v.l.n.r.: Generalkonsul Gábor Tordai-Lejkó, Hans Schmuck, Georg Hodolitsch (Landesvorsitzender der LDU in Bayern)

Der große Saal im ungarischen Generalkonsulat in München war festlich dekoriert – aus gegebenem Anlass, denn Hans Schmuck wurde mit dem Goldenen Verdienstkreuz von Ungarn ausgezeichnet. Die von Staatspräsident János Áder verliehene Auszeichnung überreichte Generalkonsul Gábor Tordai-Lejkó.

Der Generalkonsul ging in seiner Laudatio auf den Werdegang von Hans Schmuck ein. Schmuck wurde in einem kleinen Dorf in Transdanubien in Ungarn geboren. Die Familie wurde am 22. Mai 1946 aus dem Dorf Vértesacsa vertrieben und kam mit den wenigen verbliebenen Habseligkeiten nach Notzingen in Baden-Württemberg. Dort baute seine Mutter – der Vater war noch in Ungarn verstorben – später ein Haus für die Familie.

Beruflich hat Hans Schmuck einen beachtlichen Werdegang vorzuweisen, der ihn über Neumünster und Kiel – dort lernte er seine Ehefrau Karin kennen – bis zurück in den Süden nach Wolfratshausen bei München brachte. Zwei Töchter und zwei Enkelkinder gehören heute zur glücklichen Familie.

Hans Schmuck setzte sich ein Leben lang für andere ein. In seiner neuen Heimat engagierte er sich vor allem für die Angelegenheit der Deutschen aus Ungarn. 22 Jahre lang war er Landesvorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn in Bayern, elf Jahre lang war er als Vorsitzender der Bundesdelegiertenversammlung der LDU tätig. Auch politisch war Hans Schmuck aktiv: 18 Jahre lang war er Stadtrat in Geretsried für die CSU.

Als Landesvorsitzender der LDU stärkte und pflegte er den Austausch mit dem Generalkonsulat von Ungarn in München sowie mit anderen Einrichtungen. Er organisierte regional und überregional Kulturveranstaltungen, Vorträge, Ausstellungen und Reisen nach Ungarn. Schmuck pflegt bis heute intensive Beziehungen mit seiner alten Heimat.

In seinen Dankesworten brachte der Geehrte zum Ausdruck, dass ihm die Völkerverständigung zwischen Ungarn und Deutschland ein wichtiges Anliegen sei. Dabei sei es ihm stets eine Herzensangelegenheit gewesen, die deutsch-ungarische Geschichte lebendig zu vermitteln, Kontakte zueinander und das Verständnis füreinander zu fördern. Hans Schmuck ließ dabei erkennen, dass sein Herz auch 75 Jahren nach der Vertreibung immer noch für zwei Heimaten schlägt und verriet zum Schluss: „Ein bisschen Heimweh nach meiner alten Heimat Ungarn habe ich eigentlich immer.“          

 

 

„Die Situation der katholischen Kirche in Ungarn, Jugoslawien und Rumänien 1944/45 bis ca. 1950“

Historikertagung im Haus der Donauschwaben in Sindelfingen

Mit der Fragen zur Geschichte der (katholischen) Kirche unter den kommunistischen Diktaturen in Ungarn, Jugoslawien und Rumänien an der Zeitenwende am Ende des Zweiten Weltkrieges beschäftigten sich gleich mehrere namhafte Historiker anlässlich einer Tagung, zu der das St. Gerhardswerk nach Sindelfingen eingeladen hatte.

Nach der Begrüßung durch Prof. Dr. Dr. Brendel folgten mehrere Vorträge, die in unter-schiedlichen Ausrichtungen immer wieder das Spannungsfeld zwischen Staat bzw. Staatspartei und der Kirche als Institution in den Fokus rückte.

Prof. Dr. Aleksandar Jakir, der aus Kroatien angereist war, berichtete in seinem Vortrag u.a. über das brutale Vorgehen gegen die Kirche im jugoslawischen Sozialismus.

Robert Pech M.A. beleuchtete in seinem Referat die Situation der Donauschwaben in Jugoslawien und ging dabei u.a. auf das Wirken von Pater Wendelin Gruber ein, der 1945 von den kommunistischen Machthabern zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, weil er seelsorgerischen Dienst an seinen Landsleuten in den jugoslawischen Lagern verrichtete.

Dr. Gábor Bánkuti war per Liveübertragung zugeschaltet und ging in seinem Vortrag auf die kommunistische Kirchenpolitik in den ungarisch-rumänischen Grenzregionen nach Trianon ein, die die Kirchen vor eine besondere Aufgabe stellten.

Auch Dr. Andor Lénár war über eine Videokonferenz zugeschaltet und referierte am Beispiel von József Pétery, Bischof von Vác/Waitzen über dessen Tätigkeiten im Schatten der kommunistischen Diktatur in Ungarn.

Dr. Katalin Gajos-Frank aus Budaörs schloss die Historikerkonferenz mit einem packenden Vortrag über die Rolle der katholischen Kirche speziell bei den nicht vertriebenen Ungarndeutschen nach 1946 und gab dabei auch Einblicke in die eigene Familiengeschichte.

Georg Köber, als Vertreter unserer Landsmannschaft, hatte im Anschluss an die Konferenz die Gelegenheit, das Gespräch mit Frau Dr. Gajdos-Frank weiter zu vertiefen.