„Geschichte bewegt – auch die nächste Generation“

18-jährige aus Taunusstein/Hessen berichtet über ihren Bezug zu den Ungarndeutschen

Im Stadtmuseum Gerlingen fand die Veranstaltung „Geschichte bewegt – auch uns“ im Rahmen der Ausstellung „Zwischen Verlust und Neubeginn – Briefe erzählen“ statt.

Im Mittelpunkt des Abends stand der Vortrag der 18-jährigen Leana Becker, die sich aus der Perspektive der vierten Generation mit der Vertreibung der Ungarndeutschen auseinandersetzte.

Anhand der Geschichte ihrer eigenen Familie schilderte die Referentin eindrucksvoll die Folgen von Enteignung, Vertreibung und jahrzehntelanger Trennung. Dabei machte sie deutlich, dass die Ereignisse der Jahre 1946 und danach nicht nur die unmittelbar Betroffenen geprägt haben, sondern bis heute das Selbstverständnis vieler Nachkommen beeinflussen. Die Sehnsucht nach der alten Heimat, das Bewahren familiärer Erinnerungen und der Wunsch nach einer angemessenen Anerkennung des erlittenen Unrechts ziehen sich bis heute durch viele ungarndeutsche Familien. Gleichzeitig unterstrich Leana Becker die Verantwortung der jungen Generation, Geschichte, Kultur und Traditionen der Ungarndeutschen lebendig zu halten.

Der sehr persönliche und zugleich historisch fundierte Vortrag stieß bei den Besucherinnen und Besuchern auf großes Interesse. Im Anschluss nutzten viele Gäste die Gelegenheit, im Höfle des Stadtmuseums mit der Referentin ins Gespräch zu kommen. In angenehmer Atmosphäre entwickelte sich ein intensiver Gedankenaustausch über persönliche Familiengeschichten, die Bedeutung der Erinnerungskultur und die Frage, wie das Schicksal der Ungarndeutschen auch für kommende Generationen lebendig vermittelt werden kann.

Die Veranstaltung zeigte, wie wichtig es ist, jungen Menschen eine Stimme zu geben. Ihr Blick auf die Geschichte verbindet persönliche Erfahrungen mit historischem Bewusstsein und leistet damit einen wertvollen Beitrag zur lebendigen Erinnerungskultur.

„Erinnerungen, die Deutschland und Ungarn verbinden“

Ein besonderer Abend im Haus der Donauschwaben

Am 24. Juni wurde das Haus der Donauschwaben zum Ort des Austauschs zwischen Wissenschaft, Geschichte und Erinnerungskultur. Zahlreiche Gäste kamen zusammen, um sich mit der Geschichte der Ungarndeutschen, mit Fragen der Identität und mit der Bedeutung grenzüberschreitender Erinnerungsarbeit auseinanderzusetzen.

Eröffnet wurde die Veranstaltung von der Leiterin des Hauses, Dr. Violeta Bakia, die daran erinnerte, dass Erinnerung nicht nur die Bewahrung vergangener Erfahrungen bedeutet, sondern auch eine Verantwortung für Verständigung, Frieden und ein gemeinsames Europa darstellt. Diese Haltung knüpft an die Werte der Charta der deutschen Heimatvertriebenen an.

Joschi Ament, Bundesvorsitzender der LDU, gab anschließend einen persönlichen Einblick in die Perspektive der dritten Generation der Ungarndeutschen. Er verband die Geschichte seiner eigenen Familie mit den Folgen von Vertreibung und Verlust und zeigte auf, wie stark diese Erfahrungen bis heute die Erinnerung und das Selbstverständnis nachfolgender Generationen prägen.

Ein besonderer Höhepunkt war der Vortrag von Dr. Melinda Marinka aus Ungarn. Sie stellte die sathmarschwäbischen Dörfer und deutsche Minderheitengebiete der nordöstlichen Kulturregion Ungarns vor und gab Einblicke in eine vielfach wenig bekannte Geschichte. Der Vortrag entstand im Rahmen der Zusammenarbeit mit der Universität Debrecen.

Im Anschluss führte Dr. Marinka durch die Sonderausstellung „Das Gedenken der Gerechten ist gesegnet“, die mit Dokumenten, Fotografien und persönlichen Schicksalen an die Deportation der Deutschen aus Balmazújváros erinnert. Die Ausstellung bleibt noch bis Ende Juli im Haus der Donauschwaben zu sehen.

Ein herzlicher Dank gilt allen Ehrengästen, Unterstützern und Mitwirkenden sowie der Stadt Sindelfingen für die Förderung dieser wertvollen Begegnung. Der Abend hat erneut gezeigt: Erinnerung verbindet Menschen über Grenzen hinweg und schafft Brücken zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. 

 

Quelle: Haus der Donauschwaben, Sindelfingen

„Erinnerung bewahren, Verantwortung übernehmen“

Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung

Am 22. Juni fand in Stuttgart-Bad Cannstatt die zentrale Gedenkveranstaltung zum Tag der Opfer von Flucht und Vertreibung statt. Am Mahnmal für die Charta der deutschen Heimatvertriebenen erinnerten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verbänden und Gesellschaft an das Schicksal von Millionen Menschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Heimat verloren haben.

Als Ehrengast sprach Marion Gentges, Ministerin für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat sowie Landesbeauftragte für Vertriebene und Spätaussiedler in Baden-Württemberg. Sie betonte, dass hinter historischen Zahlen immer persönliche Schicksale stehen. Flucht, Vertreibung und Zwangsumsiedlung bedeuteten für viele Menschen den Verlust ihrer Heimat und ihrer Lebensgrundlagen. Auch die Ungarndeutschen gehören zu den Volksgruppen, deren Geschichte untrennbar mit diesen Ereignissen verbunden ist.

Ministerin Gentges unterstrich die Bedeutung einer lebendigen Erinnerungskultur als Grundlage für Demokratie, Frieden und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gerade angesichts aktueller Krisen und neuer Fluchtbewegungen bleibe die Botschaft des Gedenktages hochaktuell: Vertreibung darf niemals ein Mittel der Politik sein.

Ein zentraler Bezugspunkt der Veranstaltung ist die 1950 in Stuttgart-Bad Cannstatt verabschiedete Charta der deutschen Heimatvertriebenen. Mit ihrem Bekenntnis zu Versöhnung, Verständigung und einem geeinten Europa setzte sie ein starkes Zeichen für einen friedlichen Neuanfang.

Für die Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn ist dieser Gedenktag ebenfalls ein wichtiger Bestandteil ihrer Erinnerungskultur. „Das Schicksal unserer Eltern- und Großelterngeneration verpflichtet uns, die Geschichte lebendig zu halten und die Werte von Frieden, Verständigung und einem geeinten Europa an die kommenden Generationen weiterzugeben“, so der Bundesvorsitzende Joschi Ament.

Die Veranstaltung in Bad Cannstatt setzte damit erneut ein starkes Zeichen der Verbundenheit mit allen Menschen, die Vertreibung erfahren mussten, und unterstrich die Bedeutung einer gemeinsamen europäischen Zukunft.

„Zwischen Verlust und Neubeginn“

Ausstellung im Stadtmuseum Gerlingen eröffnet

Mit einer eindrucksvollen Vernissage wurde am 21. Juni 2026 im Gerlinger Rathaus die neue Ausstellung „Zwischen Verlust und Neubeginn – Briefe erzählen“ eröffnet. Die Ausstellung des Stadtmuseums Gerlingen erinnert an 80 Jahre Vertreibung der Deutschen aus Ungarn und widmet sich den Schicksalen jener Menschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Heimat verloren und in Deutschland einen schwierigen Neuanfang wagen mussten.

Zahlreiche Gäste nahmen an der Eröffnung teil. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Dirk Oestringer, Museumsleiterin Dr. Birgit Knolmayer und dem Bundes- und Landesvorsitzenden der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn, Joschi Ament, führte Dr. Csilla Schell vom Institut für Kulturanalyse der Deutschen des östlichen Europa in Freiburg in die Ausstellung ein. Ihr Vortrag „Flucht, Vertreibung und Integration im Spiegel von Privatbriefen“ machte deutlich, welche Bedeutung persönliche Zeugnisse für die Erinnerungskultur besitzen.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die wertvolle Briefsammlung des Volkskundlers Eugen Bonomi. Die zwischen 1946 und 1979 entstandenen Briefe geben einen unmittelbaren Einblick in die Gedanken, Sorgen und Hoffnungen der Vertriebenen. Ergänzt werden diese persönlichen Dokumente durch Fotografien, Alltagsgegenstände, Dokumente und originale Tonaufnahmen. So entsteht ein lebendiges Bild der Lebenswege zwischen alter Heimat und neuem Zuhause.

Besonders hervorgehoben wird auch die Verbindung zur Stadt Gerlingen: Viele vertriebene Ungarndeutsche fanden hier nach dem Krieg eine neue Heimat und prägten das gesellschaftliche, kulturelle und wirtschaftliche Leben der Stadt nachhaltig. Ihre Geschichte ist damit nicht nur Teil der europäischen Nachkriegsgeschichte, sondern auch ein wichtiger Bestandteil der Gerlinger Stadtgeschichte.

Die Ausstellung lädt dazu ein, den Stimmen vergangener Generationen zuzuhören und über Heimat, Verlust, Integration und Neubeginn nachzudenken.

Die Ausstellung ist bis zum 31. Januar 2027 im Stadtmuseum Gerlingen zu sehen.

„Identität im Wandel“

Tagung des St. Gerhards-Werk in Sindelfingen

Die Kulturtagung „Religion und Kirche im Umbruch 1989–2000“ des St. Gerhards-Werks Mitte Juni im Haus der Donauschwaben in Sindelfingen widmete sich der Frage, welche Bedeutung Kirche, Religion und kulturelle Traditionen für die Donauschwaben nach dem Fall des Eisernen Vorhangs hatten.

Die politischen Veränderungen ab 1989 brachten den deutschen Minderheiten in Südosteuropa neue Freiheiten, aber auch tiefgreifende Veränderungen. Auswanderung, gesellschaftliche Neuorientierung und der Verlust gewachsener Gemeinschaftsstrukturen prägten diese Zeit. Zugleich wurden Kirche, Sprache, Kultur und Erinnerung zu wichtigen Säulen der Identitätsbewahrung.

Nach der Begrüßung durch Prof. Dr. Rainer Bendel und Robert Pech M.A. beleuchteten Referentinnen und Referenten aus Deutschland, Rumänien, Ungarn und Serbien die Entwicklungen in den Herkunftsgebieten der Donauschwaben. Dr. Raluca Nelepcu aus Temeswar zeigte die Entwicklung der deutschsprachigen Presse in Rumänien von der Zensur zur Pressefreiheit und deren Bedeutung für den Erhalt der deutschen Sprache. Dr. Franz Metz stellte die Veränderungen der katholischen Kirche im Banat nach 1989 dar und verdeutlichte die Auswirkungen der starken Auswanderung auf kirchliche Strukturen.

Ein weiterer Schwerpunkt war das Paneuropäische Picknick bei Sopron 1989. Dr. Kathi Gajdos-Frank und Dr. Bence Bauer erläuterten dessen historische Bedeutung als Symbol für die Überwindung der europäischen Teilung.

Auch die Erinnerungskultur spielte eine zentrale Rolle. Dr. Snežana Stanković sprach über den Umgang mit donauschwäbischen und jüdischen Friedhöfen in Serbien. Boris Mašić vom Donauschwäbischen Kirchenmuseum in Apatin berichtete über die Bewahrung des deutschen Kultur- und Kirchenerbes in der Vojvodina.

Die Tagung machte deutlich: Die Jahre 1989 bis 2000 waren für die Donauschwaben nicht nur eine politische Wendezeit, sondern eine Phase der Neuorientierung, in der das kulturelle Erbe neue Bedeutung erhielt.

 

(Quelle: Jürgen Harich in „Der Radasch“ Nr. 14)

„Junge Stimmen für alte Wurzeln“

Nachfahren von Ungarndeutschen wollen Netzwerk im Rheingau-Taunus-Kreis aufbauen

Die 17-jährige Leana Becker aus Taunusstein beschäftigt sich seit Jahren mit der Geschichte ihrer Familie. Ihre Vorfahren gehörten zu den Ungarndeutschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Obwohl Leana selbst in Deutschland geboren wurde, fühlt sie sich bis heute eng mit Ungarn verbunden. Regelmäßige Besuche bei Verwandten und die Erinnerungen ihrer Familie haben ihr Bewusstsein für die eigenen Wurzeln geprägt.

Die Geschichte der Vertreibung wirkt in ihrer Familie bis heute nach. Viele Angehörige verloren ihre Heimat, wurden auseinandergerissen und mussten sich in Deutschland ein neues Leben aufbauen. Über lange Zeit wurde in vielen Familien nur wenig über diese Erfahrungen gesprochen. Erst die jüngeren Generationen beginnen zunehmend, sich intensiver mit diesem Teil ihrer Familiengeschichte auseinanderzusetzen.

Aus diesem Interesse heraus möchte Leana Becker gemeinsam mit ihrer Mutter Manuela Noll-Becker und ihrer Tante Christina Deuser ein Netzwerk für Ungarndeutsche und deren Nachfahren im Rheingau-Taunus-Kreis aufbauen. Ziel ist es, Menschen miteinander zu vernetzen, Erinnerungen auszutauschen und den oft verborgenen Geschichten der Familien eine Plattform zu geben.

Auf einen ersten Aufruf meldeten sich bereits mehrere Interessierte. Die Initiatorinnen berichten von bewegenden Gesprächen und großem Bedarf an Austausch. Anfang Juni fand ein erstes Treffen in Taunusstein statt, das Begegnung und Vernetzung ermöglichte.

Darüber hinaus denkt Leana Becker nach, Zeitzeugeninterviews zur Geschichte der Ungarndeutschen zu führen. Ihr Anliegen ist es, Erinnerungen zu bewahren und das kulturelle Erbe auch für kommende Generationen sichtbar zu machen.

Interessierte, die sich zur Geschichte der Ungarndeutschen austauschen oder eigene Erfahrungen teilen wollen, können sich mit den drei Initiatorinnen in Verbindung setzen, per Mail an ungarndeutsche_im_rtk@web.de oder telefonisch unter 06128-7485166
                                                                                                                                                               Quelle: Wiesbadener Kurier

„Heimat im Herzen – Zukunft prägen“

Heimattag der Banater Schwaben 2026

Am Pfingstwochenende stand Ulm erneut ganz im Zeichen der banat-schwäbischen Gemeinschaft. Unter dem Leitwort „Heimat im Herzen – Zukunft prägen“ kamen zahlreiche Landsleute, Heimatortsgemeinschaften sowie Gäste aus Deutschland, Rumänien und weiteren Ländern zusammen, um ihre gemeinsame Herkunft, Kultur und Zukunftsperspektiven zu feiern.

Bereits am Pfingstsamstag gestalteten Trachtengruppen der Deutschen Banater Jugend und Gäste aus dem Banat ein farbenfrohes Kulturprogramm in der Ulmer Innenstadt. Der anschließende Trachtenumzug, der Empfang im Rathaus und die Gedenkfeier am Auswandererdenkmal erinnerten an die historischen Wurzeln der Banater Schwaben und an den Weg ihrer Vorfahren entlang der Donau in das Banat.

Der Pfingstsonntag führte die Teilnehmer auf das Ulmer Messegelände, wo der traditionelle Heimattag seinen Höhepunkt fand. Neben der feierlichen Pfingstmesse standen Begegnung, Austausch und kulturelle Verbundenheit im Mittelpunkt. Besondere Aufmerksamkeit fand die Ausstellung zum 75. Jahrestag der Deportation in die Bărăgan-Steppe, die an ein prägendes Kapitel der Geschichte der Banater Deutschen erinnerte.

Der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Banater Schwaben, Peter-Dietmar Leber, betonte, dass der Heimattag weit mehr sei als ein Wiedersehen ehemaliger Landsleute. Er sei ein Ort der Gemeinschaft, des Zusammenhalts und der Zukunftsgestaltung.

Ein besonderer Höhepunkt war das Grußwort des bayerischen Staatsministers für Europaangelegenheiten Eric Beißwenger MdL. Er würdigte die Banater Schwaben als Brückenbauer zwischen Herkunft und Zukunft und hob die Bedeutung der Vertriebenen- und Aussiedlerverbände für den Erhalt des kulturellen Erbes hervor.

Der Heimattag 2026 zeigte erneut, dass die banat-schwäbische Identität lebendig bleibt – getragen von Erinnerung, Gemeinschaft und dem Blick nach vorn. Zugleich machte die Veranstaltung deutlich, wie eng die donauschwäbischen Gemeinschaften miteinander verbunden sind und wie wichtig ihr gemeinsames kulturelles Erbe für die Zukunft bleibt.

„Verborgene Einblicke“

LDU-Landesvorstand Baden-Württemberg besucht IdGL in Tübingen

Mitte Mai begab sich der Landesvorstand der LDU Baden-Württemberg zu einer Exkursion nach Tübingen. Ziel des Besuches war das Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde (IdGL), das als zentrale wissenschaftliche Einrichtung zur Erforschung der Geschichte und Kultur der Donauschwaben weit über Baden-Württemberg hinaus Bedeutung besitzt.

Der gemeinsame Vormittag wurde im Vorfeld von Institutsleiter Prof. Dr. Reinhard Johler und dem Landesvorsitzenden Joschi Ament vorbereitet. Nach der offiziellen Begrüßung durch Prof. Dr. Johler folgte eine Vorstellungsrunde der Teilnehmerinnen und Teilnehmer seitens des Instituts sowie des Landesvorstandes der LDU.

Im Anschluss gaben die wissenschaftlichen Mitarbeitenden des IdGL einen umfassenden Einblick in die vielfältigen Forschungs- und Dokumentationsarbeiten des Instituts. Besonders interessiert verfolgten die Mitglieder des Landesvorstandes die Fachvorträge von PD Dr. Daniela Simon, Dr. Beáta Márkus, Dr. Cristian Cercel und Dr. Olivia Spiridon, die unterschiedliche Forschungsfelder zur Geschichte, Identität und Erinnerungskultur der Donauschwaben präsentierten.

Ein besonderer Höhepunkt des Besuches war die Besichtigung der umfangreichen Archivräume des Instituts. Dabei erhielten die Teilnehmer einen Überblick über die wertvollen Sammlungen, historischen Dokumente und wissenschaftlichen Arbeitsbereiche des IdGL. Die Archivbestände verdeutlichen eindrucksvoll die Bedeutung der Forschungsarbeit für die Bewahrung des kulturellen Erbes der Donauschwaben und der Ungarndeutschen.

In einer abschließenden Diskussionsrunde wurden gemeinsame Projekte, zukünftige Kooperationen sowie aktuelle Herausforderungen in der Erinnerungs- und Kulturarbeit besprochen. Der informative Austausch machte deutlich, wie wichtig die enge Zusammenarbeit zwischen wissenschaftlicher Forschung und landsmannschaftlicher Arbeit für die Bewahrung der Geschichte, Kultur und Identität der Ungarndeutschen bleibt.

„Erinnerung und Verantwortung“

80 Jahre Vertreibung und Ankunft in Neckarzimmern

Mit einer würdevollen und bewegenden Gedenkveranstaltung erinnerten die Gemeinde Neckarzimmern, die Landsmannschaft der Donauschwaben Mosbach sowie der Heimatverein Pesthidegkút an „80 Jahre Vertreibung aus Ungarn und Ankunft in Neckarzimmern“.

Neckarzimmern besitzt dabei eine besondere historische Bedeutung: Zwischen Februar und Mitte des Jahres 1946 erreichten in insgesamt 28 Viehwaggon-Transporten nahezu 30.000 Heimatvertriebene den Neckar-Odenwald-Kreis, darunter zahlreiche Ungarndeutsche. Für viele Familien war Neckarzimmern die erste Station nach Flucht, Entrechtung und Vertreibung aus ihrer jahrhundertealten Heimat. Von hier aus erfolgte die Weiterverteilung unter anderem nach Mosbach, Obrigheim und Aglasterhausen. Die Erinnerungen an Angst, Verlust und Unsicherheit prägen viele Familien bis heute.

Bürgermeister Christian Stuber begrüßte die zahlreichen Gäste und erinnerte an die Verantwortung, die Erinnerung an das Schicksal der Heimatvertriebenen wachzuhalten. Anton Kindtner, Vorsitzender der Donauschwaben Mosbach und des Heimatvereins Pesthidegkút, führte in die Gedenkveranstaltung ein und würdigte den Einsatz der Erlebnisgeneration, die trotz schwerster Verluste eine neue Existenz aufgebaut habe.

In seiner Gedenkrede sprach der Bundesvorsitzende der LDU, Joschi Ament, eindringlich über die Ursachen und Folgen der Vertreibung der Ungarndeutschen sowie über die Bedeutung von Erinnerung, Verantwortung und Versöhnung.

Weitere Beiträge von Isabell Mendel, Ursula Staudinger, Franz Brandhuber und Landrat Dr. Achim Brötel beleuchteten eindrucksvoll die Schicksale der Vertriebenen und deren schwierigen Neubeginn im Neckar-Odenwald-Kreis.

Besonders bewegend waren die Abschlussworte des ungarischen Generalkonsuls in Stuttgart, Dr. András Izsák. Mit versöhnlichen und verbindenden Worten erinnerte er daran, dass das gemeinsame Erinnern heute Brücken zwischen den Menschen und Nationen schlagen könne.

Die Gedenkveranstaltung machte deutlich: Erinnerung bewahrt Geschichte – und schafft Verantwortung für Frieden, Verständigung und Menschlichkeit.

„Gemeinsame Verantwortung für Geschichte und Zukunft“

Forum der Landsmannschaften tagte am IdGL in Tübingen

Das Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde (IdGL) ist ein außeruniversitäres Forschungsinstitut im Geschäftsbereich des Ministeriums des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen Baden-Württemberg. Vor dem Hintergrund der historischen Verantwortung des Landes Baden-Württemberg, das 1954 die Patenschaft über die Volksgruppe der Donauschwaben übernommen hat, wurde das Institut 1987 gegründet.

Ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit des IdGL ist das Forum der Landsmannschaften, das seit 2008 den regelmäßigen Austausch mit den Interessenvertretungen der deutschen Heimatvertriebenen und Spätaussiedler aus Osteuropa pflegt. Dem Forum gehören die Vorsitzenden der vier donauschwäbischen Landsmannschaften an: Peter-Dietmar Leber (Banater Schwaben), Jürgen Harich (Donauschwaben), Thomas Erös (Sathmarer Schwaben) sowie Joschi Ament (Ungarndeutsche).

Das diesjährige Forum fand Anfang Mai in bewährter Weise statt. Seitens des IdGL nahmen Institutsleiter Professor Dr. Reinhard Johler sowie die Geschäftsführerin PD Dr. Daniela Simon teil. In einem intensiven und konstruktiven Gedankenaustausch wurden sowohl der Tätigkeitsbericht des IDGL für das Jahr 2025 als auch die inhaltlichen Planungen und Projekte für das laufende Jahr 2026 vorgestellt und diskutiert.

Die wissenschaftlichen Mitarbeitenden des IdGL wirken seit Jahren mit Vorträgen, Forschungsbeiträgen und fachlicher Begleitung an Kulturtagen, Begegnungen und Gedenkveranstaltungen der Landsmannschaften mit. Besonders im Jubiläumsjahr rund um die Patenschaft Baden-Württembergs für die Donauschwaben zeigt sich erneut die große Bedeutung dieser Zusammenarbeit.

Das Forum der Landsmannschaften bleibt damit ein wichtiger Ort des Dialogs, der wissenschaftlichen Begleitung und der gemeinsamen Verantwortung für die Bewahrung des kulturellen Erbes der Donauschwaben.