Feierliche Unterzeichnung der Vereinbarung zwischen der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn und der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen
LdU-Vorsitzende Ibolya Hock-Englender und LDU-Vorsitzender Joschi Ament (Foto: Alfred Freistädter)
Am 28. Oktober 2000 unterzeichneten in Gerlingen die beiden Vorsitzenden der Volksgruppe der Ungarndeutschen – Dr. Friedrich A. Zimmermann für die LDU in Deutschland und Otto Heinek für die LdU in Ungarn – eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit der beiden Schwesternverbände in Deutschland und Ungarn. Sie wollten damit zum Ausdruck bringen, dass über 50 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der damit einhergehenden unterschiedlichen Entwicklung der Volksgruppe die beiden Teile der Ungarndeutschen immer noch zusammengehören.
Bereits im vergangenen Jahr hatten die beiden heutigen Bundesvorsitzenden der LDU in Deutschland und der LdU in Ungarn beschlossen, 20 Jahre nach der Unterzeichnung der ersten Vereinbarung ihre historische Verbundenheit für eine gemeinsame Zukunft erneut öffentlich zu verkünden. Die Urkunde wurde nun von der Vorsitzenden der LdU, Ibolya Hock-Englender und dem Vorsitzenden der LDU, Joschi Ament, unterzeichnet. Die historische Verbundenheit soll durch die Erneuerung der Vereinbarung weiterhin die gemeinsame Zusammenarbeit symbolisieren.
„Auch für uns Beide, die wir jetzt den Vorsitz innehaben, ist es nicht weniger wichtig, dieser Zusammengehörigkeit Ausdruck zu verleihen, indem wir die Urkunde feierlich unterzeichnen. Der Inhalt und die einzelnen Punkte der Urkunde von damals sind heute noch aktuell, und das heißt nicht, dass wir dort stehen geblieben sind – im Gegenteil, es heißt, dass wir noch immer die Chance haben, das Gleiche zu fördern, und deshalb die Chance haben, weil es uns noch immer gibt. Ein Teil von uns hier in Deutschland, der andere Teil in Ungarn: beide Hälften kämpfen um eine Zukunft, und keine gibt auf”, so die LdU-Vorsitzende Hock-Englender.
„Wir bekräftigen heute unsere Verbundenheit mit der feierlichen Unterzeichnung im Bewusstsein unserer historischen Verantwortung für die Zukunft aller Ungarndeutschen mit dem Ziel der Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls der beiden Teile unserer Volksgruppe – gewissermaßen die Charta der Ungarndeutschen“, wie der LDU-Vorsitzende Joschi Ament zu verstehen gab.
„Ich bin glücklich, dankbar und froh darüber, endlich mal wieder hier in Gerlingen vor Ihnen stehen zu können und Sie nicht virtuell begrüßen zu müssen“, so der Bundesvorsitzende der LDU bei der Eröffnung der Kulturtagung in der Gerlinger Stadthalle.
v.l.n.r.: Joschi Ament, Ibolya Hock-Englender, Dr. András Izsák (Konsul von Ungarn), Andreas Schütze (Innenministerium von Baden-Württemberg)
Begrüßt hatte zuvor bereits Gerlingens Bürgermeister Dirk Oestringer, für den es nach den Corona-bedingten Absagen der letzten beiden Schwabenbälle und der Kulturtagung im vergangenen Herbst die erste große Veranstaltung war, die er als Patenonkel der Landsmannschaft eröffnen konnte.
Bundesvorsitzender Joschi Ament
Im Zentrum des Vormittags stand die Erneuerung der Vereinbarung zwischen der LDU in Deutschland und der LdU in Ungarn, die im Jahre 2000 geschlossen wurde. „Damit werden wir ein neues Kapitel ungarndeutscher Geschichte schreiben“, so Ament.
Gerlingens Bürgermeister Dirk Oestringer
Neben den Festreden der beiden amtierenden Vorsitzenden der LDU und LdU gab Dr. Friederich Zimmermann, Bundesvorsitzender auf deutscher Seite von 1999 bis 2006 und damit Mitunterzeichner der ersten Vereinbarung, einen detaillierten Einblick in die damalige Situation, wie es um das Zusammenwirken zwischen den Deutschen aus Ungarn und den Ungarndeutschen um die Jahrtausendwende stand. Er würdigte dabei auch seinen viel zu früh verstorbenen Amtskollegen Otto Heinek († 2018).
Dr. Ágnes Tóth
Am Nachmittag referierten die beiden Wissenschaftlerinnen – Frau Dr. Ágnes Tóth aus Budapest und Frau Csilla Schell M.A. aus Freiburg – aus verschiedenen Blickrichtungen über die Vertreibung der Ungarndeutschen vor 75 Jahren. Während sich Dr. Tóth mit der Vertreibung und der Remigration der vertriebenen Ungarndeutschen bis in das Jahr 1950 beschäftigte, ging Csilla Schell auf die Frage ein, wann die vertriebenen Ungarndeutschen denn tatsächlich „angekommen“ seien. Ihr Vortrag basierte dabei auf umfangreichen Recherchen aus dem Nachlass des Volkskundlers Eugen Bonomi, der seinen Briefwechsel in der Zeit zwischen 1946 bis 1979 für wissenschaftliche Forschungen zur Verfügung stellte.
Teilnehmer des Treffens in Mosbach: Stefan Ihas, Joschi Ament, Josef Jerger, Anton Kindtner, László Kreisz (v.l.n.r.)
Das Haus der Donauschwaben in Mosbach wurde Mitte September zum Treffpunkt für einen kulturellen Gedankenaustausch verschiedener donauschwäbischer Organisationen. Hierzu begrüßte Stefan Ihas, Präsident des Weltdachverbandes der Donauschwaben, die Herren László Kreisz, Vorsitzender des Landesrates der ungarndeutschen Chöre, Kapellen und Tanzgruppen in Ungarn, Josef Jerger von der Donaudeutschen Landsmannschaft in Rheinland-Pfalz, Joschi Ament, Bundesvorsitzender der LDU in Deutschland sowie den Hausherren und Gastgeber Anton Kindtner, Vorsitzender der Donauschwaben in Mosbach.
Ziel dieses Treffens war, Ideen für eine neue Motivationsstruktur für ungarndeutsche und donauschwäbische Kulturgruppen zu sammeln, um den Austausch dieser Gruppen untereinander zu fördern und weiter zu entwickeln.
Während des zweistündigen Gespräch gaben die Teilnehmer dabei Einblicke in ihre jeweiligen Organisationsstrukturen. Sie diskutierten über Probleme, Herausforderungen aber auch über mögliche Chancen für eine bessere Vernetzung und Zusammenarbeit mit Blick auf die kulturellen Themen der jeweiligen Verbände.
Joschi Ament resümierte am Ende der Besprechung: „Ich halte es für wichtig, dass wir uns auch künftig regelmäßig treffen und austauschen. Nur so scheint es mir möglich, eine Vermittlerrolle auf Verbandsebene einzunehmen, um junge Ungarndeutsche in Ungarn und Deutschland zueinander zu bringen. Wir haben bereits die Kontakte und pflegen unsere Netzwerke. Es mag deshalb ein wichtiger Baustein für eine Intensivierung der Jugendarbeit zwischen unseren Ländern sein, wenn wir dieses Netzwerk in Zukunft noch besser einsetzen.“
Enthüllung der LDU-Gedenktafel am Donauschwabenufer in Ulm
Bei wunderbarem Spätsommerwetter versammelten sich etwa 60 geladene Ehrengäste am Donauschwabenufer in Ulm, um die Gedenktafel der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn feierlich zu enthüllen.
Hans Supritz, Bundesvorsitzender der Donauschwaben, erläuterte in seiner Anmoderation die Beweggründe und historischen Hintergründe für das Zustandekommen der zahlreichen Gedenktafeln am Donauschwabenufer, die nunmehr durch eine vierte Tafel der Bundeslandsmannschaften der Volksgruppe der Donauschwaben vervollständigt werden konnte.
Der Bundesvorsitzende der LDU, Joschi Ament, begrüßte anschließend alle besonderen Gäste und ging in seinem Grußwort auf die Symbolik der neu geschaffenen Tafel ein. Dabei verwies er, dass sich die Ungarndeutschen heute zwar eindeutig zur Volksgruppe der Donauschwaben bekennen, erläuterte in seinen Ausführungen aber auch, dass Geschichte der ungarländischen Deutschen weit länger und vielfältiger zurückreiche, als eben „nur“ 300 Jahre Siedlungsgeschichte seit den so genannten Schwabenzügen zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Ament spannte dabei den historischen Bogen vom Mittelalter über die Schwabenzüge bis zur Vertreibung aus Ungarn und schloss den symbolischen Kreis über die Integration der Ungarndeutschen in Deutschland bis hin zu den vielfältigen Kontakten der heute in Ungarn lebenden deutschen Minderheit.
Der Oberbürgermeister der Stadt Ulm Gunter Czisch verwies in seinem Grußwort auf den hohen Stellenwert und die Verbundenheit der Stadt Ulm zur donauschwäbischen Geschichte. Er sei stolz auf solche Einrichtungen wie das Donauschwäbische Zentralmuseum in Ulm oder solche Veranstaltungen wie das Donaufest in Ulm, zu dem Czisch bereits heute die Anwesenden einlud.
Dirk Oestringer, Bürgermeister von Gerlingen, ging bei seinem Worten auf die Verbindungen zwischen den Ungarndeutschen und seiner Stadt vor den Toren der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart ein. Gerlingen stehe als Patenstadt der LDU in Baden-Württemberg zwischenzeitlich seit über 50 Jahren an der Seite der Ungarndeutschen. Nicht umsonst werde Gelingen als die heimliche Hauptstadt der in Deutschland lebenden Ungarndeutschen bezeichnet, so Oestringer.
Die Ehrengäste des Tages: Joschi Ament, OB Gunther Czisch, Ibolya Hock-Englender, BGM Oestringer, Genaralkonsul Izsák, Ministerialdirigent Andreas Schütze (v.l.n.r.)
Nach der feierlichen Enthüllung der Gedenktafel durch die beiden Stadtoberhäupter Czisch und Oestringer zusammen mit den beiden Vorsitzenden der LDU in Deutschland, Joschi Ament, und der LdU in Ungarn, Ibolya Hock-Englender, legten Hock-Englender und Ament zusammen mit dem Generalkonsul von Ungarn in Stuttgart, Herrn Dr. András Izsák, am Denkmal für im 18. Jahrhundert ausgewanderten Donauschwaben einen Kranz nieder.
Ibolya Hock-Englender gab in ihrem folgenden Grußwort einen Einblick in ihre eigene Familiengeschichte. 1726 sei ihr Vorfahre nachweislich aus Hessen nach Ungarn ausgewandert, ob mit einer Ulmer Schachtel? – sie möge es gerne glauben, so Hock-Englender. Auch sie resümierte, dass es vielleicht wichtiger denn je sei, dass die beiden LDU´s eng zusammenarbeiten, um der ungarndeutschen Identität sowohl in Ungarn als auch in Deutschland einen zeitgemäßen Akzent zu verleihen. Sie dankte abschließend, dass ab heute diese Tafel dazu beitrage, sich mit der Herkunft und Zukunft aller Ungarndeutschen zu beschäftigen.
Generalkonsul Dr. András Izsák sprach mit Blick auf das Vertreibungsgeschehen von ein beschämenden Schandfleck in der Geschichte von Ungarn. Mit sehr persönlichen Worten berichtete er, dass er wohl heute nicht Generalkonsul wäre, wenn es nicht die Ungarndeutschen geben würde. Er sei ihnen zu unendlichem Dank verpflichtet, insofern hätten die heutigen Deutschen aus Ungarn und Ungarndeutschen immer einen Platz in seinem Herzen.
Den Schlusspunkt der herausragenden Gedenk-feier setzte das verlesene Grußwort der Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene, Frau Sylvia Stiersdorfer, MdL. Sie dankte im Namen der bayerischen Staatsregierung und bezeichnete die Ungarndeutschen als Europäer im allerbesten Sinne des Wortes. Sie seien Bindeglied zur alten Heimat, Brückenbauer in die Länder Mittel- und Südosteuropas und hätten letztendlich zum Zusammenwachsen der Völker nach dem Fall des Eisernen Vorhangs beigetragen. „Unsere Kinder und Enkel werden, da bin ich mir sicher, noch weiter auf dem Weg der Einigung Europas vorankommen“, so Stiersdorfer abschließend.
Erich Gscheidle, der durch das Programm führte, dankte mit seinen Schlussworten vor allem auch dem Duo Szandra Holczinger und Marianna Molnár, die die Gedenkfeier mit zahlreichen Musikdarbietungen exzellent umrahmten, und lud zum Gedankenaustausch in den naheliegenden Wengensaal der katholischen Kirche St. Michael ein.
Matthias Schmidt 7. Juli 1928 in Budaörs † 13. September 2021 in Heilbronn
Die Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn trauert um ihr Ehrenmitglied Matthias Schmidt.
Als End-1920er Jahrgang gehörte er zu den großen Gestaltern unserer LDU, der die 1980er bis in die 2000er hinein mit solchen Weggefährten wie Paul Strifler, Josef Brasch, Georg Tafferner oder Josef Schneider an vorderster Front mitprägte.
Er war der letzte Zeitzeuge dieses 1920er Jahrgangs. Mit seinem Tod verliert die Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn einen der letzten der ganz Großen der Erlebnisgeneration.
Sein Einsatz für Völkerverständigung zwischen den Menschen in seiner Heimat Deutschland und den Menschen seiner Herzensheimat Ungarn muss man deshalb als „vorbildlich“ bezeichnen.
Er war ein Brückenbauer zwischen den Menschen. Nicht umsonst wurde er unter anderem auch Ehrenbürger seiner Herzensheimat Budaörs.
Alles im Leben hat seine Zeit: Es gibt eine Zeit der Freude, eine Zeit der Stille, eine Zeit des Schmerzens und der Trauer – und eine Zeit der dankbaren Erinnerung.
Ausstellungseröffnung des Kreisverbandes der Donaudeutschen in Haßloch
v.r.n.l.: MdL Dirk Herber, Thomas Götz (Donaudeutsche), Tobias Meyer (Bürgermeister und Landesvorsitzender BdV), Landrat Hans Ulrich Ihlenfeld, Alexander Breinich (Vorsitzender der Donaudeutschen Haßloch), Nikolaus Poppitz (Landesverband BdV)
Bei herrlichem Sommerwetter eröffnete die Donaudeutsche Landsmannschaft Haßloch die Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Gründung mit einer Ausstellung zur Geschichte der Donaudeutschen im Haßlocher Rathaus. Bürgermeister Tobias Meyer, der zugleich auch Landesvorsitzender des Bundes der Vertriebenen in Rheinland-Pfalz ist, begrüßte die zahlreichen Besucher. In seiner Ansprache betonte Meyer die besondere Verantwortung der deutschen Heimatvertriebenen als Bindeglied zwischen den Völkern Europas und als Mahner vor den Folgen von Totalitarismus und Kommunismus.
Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld, Schirmherr der Feierlichkeiten, hob den Fleiß und das Engagement der Heimatvertriebenen in den Nachkriegsjahren hervor und dankte den Donaudeutschen auch für ihre gelungene Integration in der Pfalz.
Die Donaudeutschen sind ein nur in Rheinland-Pfalz existierender Zusammenschluss der Landsmannschaften der Deutschen aus Ungarn, der Donauschwaben sowie der Banater Schwaben. Alexander Breinich, selbst erst 40 Jahre alt, führt den Kreisverband Haßloch seit über zehn Jahren und freut sich für den Festabend am 9.Oktober 2021 auf viele Gäste aus dem In- und Ausland.
(Quelle: Tobias Meyer, Landesvorsitzender, Bund der Vertriebenen in Rheinland-Pfalz)
20 Jahre Vereinbarung zwischen der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU) und der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn (LDU)
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75 Jahre Vertreibung der Deutschen aus Ungarn
Die Stadt Gerlingen und die Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn, Landesverband Baden-Württemberg laden herzlich zur 41. Kulturtagung am 16. Oktober 2021 in die Stadthalle in Gerlingen ein. Sie wird unter Einhaltung der Hygiene- und Schutzbestimmungen stattfinden.
Im Zentrum der diesjährigen Kulturtagung stehen die Themenschwerpunkte „20 Jahre Vereinbarung zwischen der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU) und der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn (LDU)“ sowie „75 Jahre Vertreibung der Deutschen aus Ungarn“. Im Rahmen der Kulturtagung wird außerdem dem Bundes- und Landesvorsitzenden der LDU, Herrn Joschi Ament, das Ehrenzeichen der LDU Baden-Württemberg in Gold verliehen.
Die Kulturtagung beginnt am 16.10.2021 um 10.00 Uhr in der Stadthalle in Gerlingen, Hauptstraße 48, 70839 Gerlingen.
Es wird ein Mittagessen inkl. Getränke (Sprudel, Apfelsaft, Kaffee) für 10,00 € angeboten. Dieser Betrag ist am Tag der Kulturtagung im Eingangsbereich der Stadthalle zu bezahlen.
Die Teilnahme an der Kulturtagung ist kostenlos.
Es können nur schriftliche Anmeldungen bis 8. Oktober 2021 berücksichtigt werden. Wegen der Planung des Mittagsessens wird ausdrücklich um eine verbindliche Anmeldung gebeten.
Weitere Informationen gibt Ihnen gerne Frau Welfonder unter Tel. 07156/205-8103 oder per Mail unter a.welfonder@gerlingen.de.
Weitere Details zur Kulturtagung können Sie unter der Rubrik „Veranstaltungen 2021“ entnehmen.
Ungarndeutscher Parlamentsabgeordneter Emmerich Ritter zu Gast in Elek
v.l.n.r.: György Szelezsán (Bürgermeister von Elek),Emmerich Ritter mit Frau Vera, Joschi Ament, László Wittmann (Deutsche Selbstverwaltung in Elek), Gusztáv Fazakas (Pfarrer in Elek)
Elek ist eine Kleinstadt im Komitat Békés und liegt heute unmittelbar an der Grenze zu Rumänien. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges war Elek eine von mehrheitlich Ungarndeutschen bewohnte Großgemeinde, die weit außerhalb der ungarndeutschen Zentren im Großraum Budapest oder Fünfkirchen/Pécs liegt.
Dabei ist eher unbekannt, dass nach offiziellen Angaben des Ungarischen Zentralamtes für Statistik die Großgemeinde Elek durch die Vertreibung der Deutschen aus Ungarn nach Budaörs die zweitmeisten Vertreibungsopfer zu beklagen hatte. Nicht umsonst steht im Zentrum der Stadt heute eine Gedenkstätte mit landesweiter Bedeutung, die an alle ungarndeutschen Heimatvertriebenen erinnert.
„Ein Treffen – diesmal in meiner Herzensheimat“, so das kurze Statement von Joschi Ament, dessen Familie am Ende des Zweiten Weltkrieges aus Elek vertrieben wurde.
Dem vorausgegangen war die gemeinsame Einladung des Bundesvorsitzenden in Abstimmung mit der Deutschen Nationalitätenselbstverwaltung sowie dem Bürgermeister und dem Pfarrer von Elek. Die Herren konnten neben Emmerich Ritter auch Dr. József Kovács, Abgeordneter für das Komitat Békés im Ungarischen Parlament – und somit gleich zwei ranghohe parlamentarische Vertreter – in Elek begrüßen.
Anlässlich eines offiziellen Empfangs im Eleker Rathaus konnten sich die beiden Parlamentsabgeordneten einen aktuellen Überblick über die kommulen und kirchlichen Aktivitäten der Stadt verschaffen.
Den Nachmittag nutzte der Abgeordnete der Ungarndeutschen, um die neu konzipierte Dauerausstellung im Vereinhaus der Eleker Deutschen zu besichtigen und sich über das Vereinsleben der Eleker Deutschen zu informieren. Auch das stille Gedenken an der Landesgedenkstätte zur Erinnerung an die Vertreibung der Deutschen aus Ungarn stand im Mittelpunkt des Nachmittagsprogramms.
Emmerich Ritter trägt sich in das Gästebuch im Haus-Leimen ein
LdU-Vorsitzende Ibolya Hock-Englender empfängt LDU-Vorsitzenden Joschi Ament in Ungarn
„Die pandemische Lage ist zwar immer noch nicht ganz überwunden, es war aber jetzt an der Zeit, persönlich – und nicht nur über das Telefon und den Computerbildschirm – über die anstehenden Themen zwischen LdU in Ungarn und LDU in Deutschland zu reden“, so der bundesdeutsche Vorsitzende, der der Einladung seiner ungarndeutschen Kollegin erneut gefolgt war, um sich mit ihr zu einer Arbeitssitzung zu treffen.
„Trotz der strukturellen Unterschiede unserer Organisationen gibt es zahlreiche Programme und Ziele, die wir nur gemeinsam und in enger Abstimmung untereinander erreichen können“, fügt die Vorsitzende der in Ungarn tätigen LdU hinzu.
„Deshalb sind solche persönliche Treffen zum Austausch unserer Gedanken für unsere gemeinsamen Aktivitäten auch weiterhin unerlässlich“, rundet Ament ab.
Eine umfangreiche Agenda war zusammengestellt: von Gedenkfeierlichkeiten über gemeinsame Initiativen zur Stärkung der ungarndeutschen Identität bis hin zum Austausch von Jugendlichen mit ungarndeutschem Hintergrund standen auf der Tagesordnung.
Besondere Aufmerksamkeit schenkten die beiden Vorsitzenden der vorgesehenen Tagung der LDU am 16. Oktober 2021 in Gerlingen. „Wir wollen an diesem Tag die im Jahr 2000 geschlossene Vereinbarung zwischen unseren Organisationen erneuern, denn es geht um unsere Zukunft, die gemeinsame Zukunft der Ungarndeutschen und der Deutschen aus Ungarn. Das ist für uns beide ein wichtiges Anliegen“, so das gemeinsame Statement.
Tag der offenen Tür im Haus der Donauschwaben in Sindelfingen
Bereits am Vormittag legten Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl, Sindelfingens Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer und der Vorsitzende des Hauses der Donauschwaben Raimund Haser, MdL, im Ehrenhof zum Gedenken an die Opfer der Donauschwaben einen Kranz nieder.
„82 Millionen Menschen sind nach Daten der UNO aktuell weltweit auf der Flucht vor Hunger, Gewalt, religiöser Auseinandersetzung, Tod, Krieg und Heimatverlust“, so Haser. „Deshalb ist es wichtig, dass wir Orte schaffen und erhalten, an denen wir uns mit uns selber auseinandersetzen – mit dem Leid, das unser Volk über andere gebracht hat, aber auch mit dem Leid, das unser Volk erdulden musste. Das Haus der Donauschwaben ist ein solcher Ort.“
Es sei ein Ort zum Nachlesen, Nachforschen und Nachdenken über die Geschichte der Väter und Mütter, Großväter und Großmütter, die Geschichte der Republik und des wirtschaftlichen Aufstiegs Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg, der durch den Zuzug von 12 Millionen fleißiger und integrationswilliger Vertreibungsopfer möglich wurde. „Über eine Geschichte, die mehr und mehr verschwimmt, weil die Letzten, die davon am Küchentisch erzählen können, bald nicht mehr da sein werden“, beschrieb Haser die Aufgabe. Alleine in Sindelfingen seien nach dem Krieg etwa ein Drittel der Bewohner Flüchtlinge gewesen.
Am Nachmittag sprach Prof. Dr. Bernd Fabritius, Bundesbeauftragter für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten. Das Haus der Donauschwaben nehme eine Vielzahl wichtiger Aufgaben wahr als Kulturzentrum und Begegnungsort, als Bibliothek, Dokumentations- und Forschungszentrum. Die Kultur der Heimatvertriebenen sei als bedeutender Teil des gesamtdeutschen Erbes zu bewahren, zu entwickeln und weiterzugeben, so Fabritius.
Um diesen Aufgaben auch künftig gerecht zu werden, muss das Haus der Donauschwaben von Grund auf saniert werden. „Die Umbaupläne sind baureif. Wenn der Gemeinderat im Herbst zustimmt, können wir im nächsten Jahr umbauen“, erklärte Haser hoffnungsvoll.
(Quelle: Auszüge aus einem Bericht der Sindelfinger Zeitung / Renate Lück)