„Der alten Heimat zum Gedenken, der neuen Heimat zum Dank“

Enthüllung der LDU-Gedenktafel am Donauschwabenufer in Ulm

Bei wunderbarem Spätsommerwetter versammelten sich etwa 60 geladene Ehrengäste am Donauschwabenufer in Ulm, um die Gedenktafel der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn feierlich zu enthüllen.

Hans Supritz, Bundesvorsitzender der Donauschwaben, erläuterte in seiner Anmoderation die Beweggründe und historischen Hintergründe für das Zustandekommen der zahlreichen Gedenktafeln am Donauschwabenufer, die nunmehr durch eine vierte Tafel der Bundeslandsmannschaften der Volksgruppe der Donauschwaben vervollständigt werden konnte.

Der Bundesvorsitzende der LDU, Joschi Ament, begrüßte anschließend alle besonderen Gäste und ging in seinem Grußwort auf die Symbolik der neu geschaffenen Tafel ein. Dabei verwies er, dass sich die Ungarndeutschen heute zwar eindeutig zur Volksgruppe der Donauschwaben bekennen, erläuterte in seinen Ausführungen aber auch, dass Geschichte der ungarländischen Deutschen weit länger und vielfältiger zurückreiche, als eben „nur“ 300 Jahre Siedlungsgeschichte seit den so genannten Schwabenzügen zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Ament spannte dabei den historischen Bogen vom Mittelalter über die Schwabenzüge bis zur Vertreibung aus Ungarn und schloss den symbolischen Kreis über die Integration der Ungarndeutschen in Deutschland bis hin zu den vielfältigen Kontakten der heute in Ungarn lebenden deutschen Minderheit.

Der Oberbürgermeister der Stadt Ulm Gunter Czisch verwies in seinem Grußwort auf den hohen Stellenwert und die Verbundenheit der Stadt Ulm zur donauschwäbischen Geschichte. Er sei stolz auf solche Einrichtungen wie das Donauschwäbische Zentralmuseum in Ulm oder solche Veranstaltungen wie das Donaufest in Ulm, zu dem Czisch bereits heute die Anwesenden einlud.

Dirk Oestringer, Bürgermeister von Gerlingen, ging bei seinem Worten auf die Verbindungen zwischen den Ungarndeutschen und seiner Stadt vor den Toren der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart ein. Gerlingen stehe als Patenstadt der LDU in Baden-Württemberg zwischenzeitlich seit über 50 Jahren an der Seite der Ungarndeutschen. Nicht umsonst werde Gelingen als die heimliche Hauptstadt der in Deutschland lebenden Ungarndeutschen bezeichnet, so Oestringer.

Nach der feierlichen Enthüllung der Gedenktafel durch die beiden Stadtoberhäupter Czisch und Oestringer zusammen mit den beiden Vorsitzenden der LDU in Deutschland, Joschi Ament, und der LdU in Ungarn, Ibolya Hock-Englender, legten Hock-Englender und Ament zusammen mit dem Generalkonsul von Ungarn in Stuttgart, Herrn Dr. András Izsák, am Denkmal für im 18. Jahrhundert ausgewanderten Donauschwaben einen Kranz nieder.

Ibolya Hock-Englender gab in ihrem folgenden Grußwort einen Einblick in ihre eigene Familiengeschichte. 1726 sei ihr Vorfahre nachweislich aus Hessen nach Ungarn ausgewandert, ob mit einer Ulmer Schachtel? – sie möge es gerne glauben, so Hock-Englender. Auch sie resümierte, dass es vielleicht wichtiger denn je sei, dass die beiden LDU´s eng zusammenarbeiten, um der ungarndeutschen Identität sowohl in Ungarn als auch in Deutschland einen zeitgemäßen Akzent zu verleihen. Sie dankte abschließend, dass ab heute diese Tafel dazu beitrage, sich mit der Herkunft und Zukunft aller Ungarndeutschen zu beschäftigen.

Generalkonsul Dr. András Izsák sprach mit Blick auf das Vertreibungsgeschehen von ein beschämenden Schandfleck in der Geschichte von Ungarn. Mit sehr persönlichen Worten berichtete er, dass er wohl heute nicht Generalkonsul wäre, wenn es nicht die Ungarndeutschen geben würde. Er sei ihnen zu unendlichem Dank verpflichtet, insofern hätten die heutigen Deutschen aus Ungarn und Ungarndeutschen immer einen Platz in seinem Herzen.

Den Schlusspunkt der herausragenden Gedenk-feier setzte das verlesene Grußwort der Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene, Frau Sylvia Stiersdorfer, MdL. Sie dankte im Namen der bayerischen Staatsregierung und bezeichnete die Ungarndeutschen als Europäer im allerbesten Sinne des Wortes. Sie seien Bindeglied zur alten Heimat, Brückenbauer in die Länder Mittel- und Südosteuropas und hätten letztendlich zum Zusammenwachsen der Völker nach dem Fall des Eisernen Vorhangs beigetragen. „Unsere Kinder und Enkel werden, da bin ich mir sicher, noch weiter auf dem Weg der Einigung Europas vorankommen“, so Stiersdorfer abschließend.

Erich Gscheidle, der durch das Programm führte, dankte mit seinen Schlussworten vor allem auch dem Duo Szandra Holczinger und Marianna Molnár, die die Gedenkfeier mit zahlreichen Musikdarbietungen exzellent umrahmten, und lud zum Gedankenaustausch in den naheliegenden Wengensaal der katholischen Kirche St. Michael ein.

Fotos: Alfred Freistädter

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