
Junge Taunussteinerin engagiert sich für ungarndeutsche Geschichte
Taunusstein: 80 Jahre nach der Vertreibung der Ungarndeutschen setzt sich eine junge Generation dafür ein, dass dieses Kapitel der Geschichte nicht in Vergessenheit gerät. Eine von ihnen ist die 17-jährige Leana Magdalena Becker aus Taunusstein. In einem kürzlich gehaltenen Vortrag beschäftigte sie sich intensiv mit der Geschichte der ungarndeutschen Heimatvertriebenen – und schlug dabei auch eine sehr persönliche Brücke in die eigene Familiengeschichte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden ab 1946 etwa 220.000 Deutsche aus Ungarn aus ihrer Heimat vertrieben. Viele verloren nicht nur Haus und Hof, sondern auch ihre soziale und kulturelle Verwurzelung. In oft überfüllten Zügen wurden sie nach Deutschland gebracht, wo sie sich unter schwierigen Bedingungen ein neues Leben aufbauen mussten. Auch der Rheingau-Taunus-Kreis wurde für zahlreiche Familien zur neuen Heimat.
Leana Becker kennt diese Geschichte nicht nur aus Büchern. Ihre Urgroßeltern, Paul und Maria Noll, wurden 1946 aus dem südungarischen Ort Bóly vertrieben. Ihr Großvater war damals noch ein Kind. Die Erinnerungen an Flucht, Verlust und Neuanfang sind in ihrer Familie bis heute präsent. „Meine Mama und meine Oma erzählen oft davon – meist mit Tränen in den Augen“, berichtet die Schülerin. Für sie ist klar: „Die Geschichte der Ungarndeutschen ist ein Teil von mir.“
Seit mehreren Jahren setzt sich Leana bereits aktiv mit diesem Thema auseinander. Sie liest, recherchiert und sucht das Gespräch mit ihrer Familie. Dabei wurde ihr zunehmend bewusst, dass die Erfahrungen der Vertriebenen zwar viele Menschen betreffen, aber oft nur im privaten Rahmen weitergegeben werden. Genau das möchte sie ändern.
Deshalb startet die 17-Jährige nun einen Aufruf in Taunusstein und der umliegenden Region: Gesucht werden Zeitzeugen sowie Nachfahren ungarndeutscher Vertriebener, die bereit sind, ihre Familiengeschichten zu teilen. Ziel ist es, miteinander ins Gespräch zu kommen, Erinnerungen zu bewahren und ein stärkeres Bewusstsein für dieses prägende historische Ereignis zu schaffen, in dem Vergangenheit lebendig bleibt – und in die Zukunft weitergetragen wird.
„Viele Geschichten sind noch da – aber sie werden zu selten erzählt“, sagt Leana. „Ich würde mich sehr freuen, wenn wir sie gemeinsam sichtbar machen.“
Interessierte können sich für einen Austausch über die E-Mail-Adresse kontakt@ldu-online.de an Leana Magdalena Becker wenden.













