„Ich bewundere, wie kreativ die Vertriebenen und Spätaussiedler in dieser schwierigen Zeit ihre Gemeinschaft gelebt haben“

Jahresbilanz 2020 des Landesbeauftragten für Vertriebene und Spätaussiedler Thomas Strobl

„2020 war ein merkwürdiges Jahr, ein Jahr, das ganz anders verlief als erwartet und das uns in vielen Bereichen vor neue Herausforderungen gestellt hat. Geplant war ein Jahr mit vielen geselligen Treffen und Veranstaltungen zur Pflege und Weitergabe der kulturellen Traditionen – wie in den Vorjahren auch. Wir mussten stattdessen Verzicht üben und konnten Vertrautes nicht wie gewohnt leben. Großartig finde ich, wie die Verbände angesichts der Pandemie neue Formate der Begegnung kennengelernt und eingesetzt haben“, sagte Baden-Württembergs stellvertretende Ministerpräsident, Minister für Inneres, Digitalisierung und Migration und Landesbeauftragte für Vertriebene und Spätaussiedler Thomas Strobl im Rückblick auf das Jahr 2020.

„Für die Vertriebenen und Spätaussiedler und uns alle war 2020 ein ganz besonderes Jahr mit einem ganz besonderen Höhepunkt – die 70. Wiederkehr des Tages, an dem in Bad Cannstatt die Charta der deutschen Heimatvertriebenen beschlossen wurde. Glücklicherweise konnten wir das 70-jährige Jubiläum nachträglich im September in einem festlichen Rahmen bei der Veranstaltung zum Tag der Heimat in der Liederhalle in Stuttgart würdigen. Seinerzeit hatten die Heimatvertriebenen ihre berechtigten Wünsche nach einer besseren Eingliederung in die deutsche Gesellschaft und gerechteren Lastenverteilung mit der Zusage verknüpften, sich beim Wiederaufbau in Frieden und Freiheit voll und ganz einzubringen. Diese Zusage haben die Heimatvertriebenen wahrhaft vorbildlich erfüllt. Mit dem expliziten Verzicht auf Rache und Vergeltung gehören die Heimatvertriebenen auch zu den Vorreitern der europäischen Einigung, insbesondere mit Blick auf unsere mittel- und osteuropäischen Nachbarn“, so der Innenminister Thomas Strobl.

„Für das Jahr 2021 können mit zusätzlichen Landesmitteln auch einige größere Investitionsmaßnahmen durchgeführt werden: die Aktualisierung der Dauerausstellung im Donauschwäbischen Zentralmuseum in Ulm, die voraussichtlich im kommenden November neu eröffnet werden kann, die derzeit bereits laufende Sanierung des Hauses der Russlanddeutschen in Stuttgart und die Sanierung des Hauses der Donauschwaben in Sindelfingen, für die ab dem kommenden Jahr Mittel zur Verfügung stehen. Ich freue mich, dass wir zum Erhalt und zur Pflege der Kultur der Vertriebenen und Spätaussiedler einen guten Beitrag leisten konnten und können“, betonte der stellvertretende Ministerpräsident, Minister für Inneres, Digitalisierung und Migration und Landesbeauftragte für Vertriebene und Spätaussiedler Thomas Strobl.

(Quelle: Pressestelle des Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration Baden-Württemberg / Bild: Laurence Chaperon)

„Ein Akt des Bekennens der historischen Schuld“

Gedenken in Deutschland und Ungarn an den 19. Januar 1946

Ministerpräsident Viktor Orbán zusammen mit Imre Ritter in Budaörs am 19. Januar 2021

In Zeiten, in denen es die Corona-Pandemie weder in Deutschland noch in Ungarn erlaubt, sich in großen Gruppen zum Gedenktag zur Erinnerung an die Verschleppung und Vertreibung der Ungarndeutschen zu treffen, fanden sich am 19. Januar in den Ungarischen Generalkonsulaten in Stuttgart und München viele Menschen zu virtuellen Gedenkstunden ein.

In Ungarn selbst legte Ministerpräsident Viktor Orbán zusammen mit dem Abgeordneten der Ungarndeutschen in der Ungarischen Nationalversammlung Imre Ritter einen Kranz an der Gedenktafel der Vertriebenen Ungarndeutschen am Bahnhof von Wudersch (Budaörs) nieder, da auch dort die große offizielle Gedenkveranstaltung – die in diesem Jahr in Bonnhard/Bonyhád vorgesehen war – aufgrund der COVID-Beschränkungen nicht stattfinden konnte.

Über die Kranzniederlegung am Dienstagmorgen erinnerte sich Viktor Orbán auch im sozialen Netzwerk und schrieb zu seinem Post: „Der 75. Jahrestag der Vertreibung der Ungarndeutschen. Grausam für die Opfer. Würdevolle Erinnerung an diejenigen, die gelitten haben. Der 75. Jahrestag der Vertreibung der Ungarndeutschen. Ehrfurcht den Opfern. Gebührende Erinnerung an die Leidenden.“

Neben zahlreichen weiteren hochrangigen Rednern aus Deutschland und Ungarn hielten die beiden ranghöchsten Vertreter der Ungarndeutschen – Ibolya Hock-Englender, stellvertretend für die in Ungarn verbliebenen Ungarndeutschen, und Joschi Ament, stellvertretend für die nach Deutschland vertriebenen Ungarndeutschen – sehr persönliche und emotionale Gedenkansprachen.

Sämtliche virtuell gehaltenen Reden sind über die entsprechenden Internetseiten der Ungarischen Generalkonsulate in Stuttgart und München abrufbar.

„Bürgermeister mit Ungarndeutschen Wurzeln“

Tobias Meyer gewinnt Bürgermeisterwahl in Haßloch

Der neue Bürgermeister von Haßloch heißt Tobias Meyer. Der 41-jährige setzte sich im entscheidenden zweiten Wahlgang um das Amt des Gemeindeoberhauptes durch und wird nun für die kommenden acht Jahre die Geschicke der rheindland-pfälzischen Ge-meinde lenken.

Tobias Meyer leitete bereits seit Ende 2019 kommissarisch die Haßlocher Verwaltung aufgrund des krankheitsbedingten Ausscheidens des bisherigen Bürgermeisters.

Der aus Hessen stammende Studienrat war 2014 zum Ersten Beigeordneten gewählt worden und war in der Kommune mit rund 20.000 Einwohnern fast fünf Jahre lang unter anderem für Ordnungsamt, Grundschulen und Tourismus zuständig.

Tobias Meyer ist verheiratet und hat vier Söhne. Seine Vorfahren stammen aus der ungarndeutschen Gemeinde Cikó im Komitat Tolna. In diese Region pflegt Meyer seit vielen Jahren gute Kontakte. Er ist sowohl Mitglied der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn als auch der Donaudeutschen Landsmannschaft. Seit 2018 ist Tobias Meyer zudem Vorsitzender des Landesverbandes des Bundes der Vertriebenen in Rheinland Pfalz.

Bundesvorsitzender Joschi Ament überbrachte die Glückwünsche der LDU und zeigte sich erfreut, dass sich ein Landsmann mit ungarndeutschen Wurzeln künftig als Bürgermeister für die Menschen seiner Gemeinde einsetze. Hierzu wünschte Ament viel Glück und Erfolg zum Wohle der Gemeinde und den Bürgerinnen und Bürgern von Haßloch.

„Die Vertreibung der Ungarndeutschen“

Virtuelle Gedenkveranstaltung am 19. Januar 2021 zur ungarndeutschen Geschichte in Stuttgart

Das Ungarische Kulturinstitut in Stuttgart hat 2018 mit dieser Veranstaltungsreihe eine neue Tradition ins Leben gerufen und erinnert auch dieses Jahr an die Vertreibung der Ungarndeutschen aus Ungarn. Mehr als 200.000 Deutsche sind nach dem Zweiten Weltkrieg aus Ungarn vertrieben worden, wodurch Ungarn ein Stück seiner ungarndeutschen Identität verlor.

Die Einführung eines offiziellen Gedenktags am 19. Januar für die vertriebenen Ungarndeutschen, die vom ungarischen Parlament initiiert wurde, ist eine wohlwollende Geste der Versöhnung in Europa. Im Jahr 2021 kann unsere Gedenkveranstaltung coronabedingt leider nicht als Präsenzveranstaltung durchgeführt werden, doch wollen wir mit dieser schönen Tradition nicht brechen und bieten Ihnen das Programm daher im virtuellen Raum an.

 

Eröffnung

Dr. Dezső B. Szabó, Leiter des Ungarischen Kulturinstituts in Stuttgart

Grußworte

Dr. András Izsák, Generalkonsul von Ungarn in Stuttgart

Joschi Ament, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn

Ibolya Hock-Englender, Vorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen

Rede

Miklós Soltész, Staatssekretär für Kirchen, Minderheiten und zivile Angelegenheiten

Im Anschluss: Kulturprogramm

Wir präsentieren den Film des ungarischen Regisseurs Tamás Gábeli mit dem Titel „Endgültig ausgewiesen” (Végleg kitiltva) ca. 60 Minuten

Die Veranstaltung ist auf unseren digitalen Kanälen sowie über den am Vortag zugesendeten Link zu erreichen.

Anmeldung über: uki-s@uki-s.de

 

Virtuelle Gedenkveranstaltung am 19. Januar 2021 für die vertriebenen Ungarndeutschen in München

Das Generalkonsulat von Ungarn in Bayern und das Haus des Deutschen Ostens möchten auch unter den gegenwärtigen besonderen Umständen den Gedenktag für die vertriebenen Ungarndeutschen begehen.

Aus diesem Anlass wird der Film „Ewiger Winter” online präsentiert.

Am Gedenktag werden wir Videobotschaften von den folgenden Persönlichkeiten auf unserer Facebook-Seite teilen:

 

Gábor Tordai-Lejkó, Generalkonsul von Ungarn in Bayern

Prof. Dr. Andreas Otto Weber, Direktor des Hauses des Deutschen Ostens

Dr. Dr. h.c. Bernd Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten

Sylvia Stiertorfer, Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene

 

Der Film in Originalsprache mit deutschem Untertitel wird vom 19. Januar, 12:00 Uhr bis 24. Januar, 24:00 zugänglich sein. Dafür ist eine vorherige Anmeldung per E-Mail unter einladung-muenchen@mfa.gov.hu bis zum 18. Januar 2021 nötig. Danach bekommen Sie einen Link und einen Kode von uns zugeschickt, die Ihnen den Zugang zum Film ermöglichen werden.

„Wir wollen dem Andenken von Otto Heinek eine ständige Präsenz verleihen“

Gedenkstätte zu Ehren des verstorbenen Vorsitzenden der LdU in Ungarn eingeweiht

Eine Installation – bestehend aus einer dreiteiligen Statue, einer Bank und einem Rosmarinstrauch – verschönert zukünftig den Hof der Geschäftsstelle der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen in Budapest. Am 6. September wurde die zu Ehren des 2018 verstorbenen Vorsitzenden der LdU, Otto Heinek angelegte Gedenkstätte im Rahmen einer bescheidenen Gedenkfeier, nur in Anwesenheit der Mitglieder der Familie Heinek und der LdU-Vollversammlung, sowie im Beisein von Mitarbeitern und Freunden des gewesenen LdU-Chefs eingeweiht. Gedenkansprache hielt die derzeitige Vorsitzende der Landesselbstverwaltung.

In der Mitte eine ecce-homo-artige Männergestalt, links davon ein Schutzengel, und auf der rechten Seite eine Pflanze der Pietät: Das Standbild gestaltete der in Nadasch lebende und schaffende ungarndeutsche Bildhauer Anton Dechandt aus Weingartenpfähle, die er vor einigen Jahren von Otto Heinek persönlich für seine künstlerischen Zwecke geschenkt erhalten hatte.

„Das Kunstwerk soll uns sagen, dass er – die Männergestalt in der Mitte der Skulptur – durch sein geistiges Erbe uns immer wie ein Schutzengel beisteht und uns dazu verpflichtet, die Pflanze – das Ungarndeutschtum -, die er sorgenvoll gepflegt hat, immer wieder neu sprießen zu lassen“, betonte in ihrer Gedenkansprache Ibolya Hock-Englender, Vorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen.

„Mit ungeheurer Energie, mit Pflichtbewusstsein, Können, Weisheit und Ausgeglichenheit bahnte er den Weg der in Ungarn lebenden deutschen Gemeinschaft“, zitierte LdU-Chefin Hock-Englender Gedanken der damaligen Abschiedszeremonie. „Unter seiner Leitung erstarkten die deutschen Selbstverwaltungen und Zivilorganisationen landesweit, gewannen die Bildungseinrichtungen an Eigenverantwortung, während seiner Amtszeit verankerte die Landesselbstverwaltung ihre Ziele in einer Strategie, und auch die Kontakte mit anderen Nationalitäten, sowie mit den deutschen Minderheiten der anderen Länder wurden intensiviert. Für seinen mühevollen Einsatz für die Nationalitäten Ungarns durfte er 1999 das Offizierskreuz des Verdienstordens der Republik Ungarn, 2004 das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland entgegennehmen. In seiner Person vereinten sich Nationalitätenpolitiker, Fachmann und Mensch, der für uns immer da war. Begeisterter, tatkräftiger, aber auch nüchterner, strenger und kritischer Leiter – so kannten Otto alle, die im Kontakt mit ihm standen. Sein Wort zählte überall – so im Inland wie im Ausland. Inspirierende Gespräche, Weisheiten, die sich ein Leben lang einprägten, ganz viel Empathie und noch mehr Humor – wir alle, die wir Otto Heinek persönlich kannten, werden ihn so in Erinnerung behalten.“

Quelle: www.ldu.hu

„Niemand hat das Recht von uns zu verlangen, dass wir vergessen“

Vor 75 Jahren wird die Vertreibung der Ungarndeutschen beschlossen

Landesgedenkstätte zur Erinnerung an die Vertreibung der Ungarndeutschen in Elek

Was sich über Monate hinweg angekündigt hatte, wurde anlässlich der Sitzung der Ungarischen Übergangsregierung vom 22. Dezember 1945 in Debrecen beschlossen und mit der Regierungsverordnung Nr. 12.330/1945 M.E. vom 29. Dezember 1945 im ungarischen Staatsanzeiger unter Nr. 211 veröffentlicht. Die Rede ist von der Vertreibung der Ungarndeutschen.

Drei Wochen später – am 19. Januar 1946 – begann dann in der Budapest nächst gelegenen 10.000 Einwohner zählenden Gemeinde Budaörs offiziell das wohl einschneidendste Ereignis in der Geschichte der Ungarndeutschen.

Die Ereignisse in Budaörs verdienen in jeder Beziehung die Bezeichnung „Vertreibung“, denn die zuerst ins Auge gefassten Familien wurden in einer Nacht- und Nebelaktion durch Klopfen und Poltern der Polizei an den Fenstern und Türen buchstäblich aus ihren Betten geholt.

Mit dem Allernötigsten in Bündeln wurden sie dann zum Gemeindehaus gejagt und von dort bei Tagesanbruch zum Bahnhof getrieben und in die bereitstehenden Viehwaggons gepfercht. Noch am gleichen Tag rollte der erste Transport in Richtung Westen ab.

In der Zeit vom 19. Januar 1946 bis Dezember 1946 wurden etwa 170.000 Ungarndeutsche nach Deutschland in die amerikanische Besatzungszone vertrieben. Im Zeitraum vom August 1947 bis Juni 1948 sollten nochmals knapp 50.000 Ungarndeutsche folgen, die in die sowjetische Besatzungszone abgeschoben wurden.

Etwa 200.000 Ungarndeutsche, von denen etwa 60.000 für Jahre zur Zwangsarbeit nach Russland deportiert worden waren, blieben zurück in Ungarn.

Die veröffentlichte Vertreibungsverordnung vom 29.12.1945

Dabei geben diese Zahlen nur ein gefühlloses statistisches Bild der Tragödie wider. Sie sagen nichts über das Leid, die Verzweiflung, die Not der Unglücklichen, aus ihren Häusern gejagt, ihrer Habe beraubt und erniedrigt.

Die Entrechtung und Vertreibung traf diese Menschen bis an die Wurzel ihrer Existenz. Ihre Familien, ihre Gemeinden, ihre Siedlungsgebiete und ihre Organisationen wurden aufgelöst, ihr Vermögen geraubt, ihre Einrichtungen zerschlagen. Rechtlos und diskriminiert blickten sie in eine ungewisse Zukunft.

Zu all diesen Entbehrungen und Schikanen kam noch die Wochen und Monate währende Ungewissheit über den Umfang der Vertreibung: wer muss gehen, wer darf bleiben?

Wer zählt die Tränen, wer misst den Kummer, wer vermag das Leid, den Gram und den Schmerz mit gebührenden Worten zu schildern, der die Herzen jener Frauen und Männern erfüllte, als sie sich von dem loslösen mussten, was sie sich Jahre, vielleicht Jahrzehnte lang durch viel Mühe und harte Arbeit erwirtschaftet hatten, und das nicht zuletzt deshalb ihre Heimat war.

Als Enkel nach Baden-Württemberg vertriebener Ungarndeutschen weiß ich nur aus Erzählungen, wie mühevoll und entbehrungsreich der Neubeginn meiner Familie und meiner Landsleute in der Fremde, in einem zerstörten Deutschland war.

Umso wichtiger ist es für mich, dass wir die Erinnerung wachhalten und vor dem Vergessen bewahren – und auch künftig von unserem Schicksal erzählen werden.

Dass die Aussiedlung der Schwaben – so der beschönigende amtliche Sprachgebrauch – nicht – wie in Ungarn jahrzehntelang offiziell dargestellt – eine Folge der Beschlüsse der Potsdamer Konferenz war, belegen die heute zugänglichen Quellen in den ehemaligen Geheimarchiven.

Abgesehen davon: in Ziffer XII des geschlossenen Potsdamer Abkommens stand, dass „die Überführung der deutschen Bevölkerungselemente geordnet und human“ gehen soll.

Ich frage mich dabei: wie können eigentlich Haus und Hof, das Dorf, ja die Heimat, in humaner Weise weggenommen werden?

Prof. Dr. Hans-Gert Pöttering, damals Präsident des Europäischen Parlaments, zitierte anlässlich seiner Rede zum Tag der Heimat 2007 in Berlin den Brückenbauer und Erzbischof von Oppeln Alfons Nossol, der einmal sagte: „Niemand hat das Recht von uns zu verlangen, dass wir vergessen. Der Wille zu vergeben und der Wille zu vergessen, sind nicht das Gleiche.“ Erinnerung, Vergebung und Versöhnung gehören zusammen.

Und Frau Dr. Katalin Szili, damalige ungarische Parlamentspräsidentin, sprach anlässlich der Gedenkkonferenz zum 60. Jahrestag der Vertreibung im Ungarischen Parlament: „Deshalb können die Wunden erst geheilt werden, wenn die Schrecken ausgesprochen, die Verantwortlichen namhaft gemacht, und die Opfer um Verzeihung gebeten werden.“

Der 75. Jahrestag der Vertreibung gibt uns einen besonderen Anlass, an diese schändlichen Ereignisse zu erinnern, die unseren Eltern und Großeltern widerfahren sind.

Der 75. Jahrestag gibt uns aber auch die Möglichkeit, uns für Verständigung, gegenseitige Akzeptanz und Toleranz der Menschen untereinander einzusetzen – über Grenzen hinweg, in einem vereinten Europa – vom Kleinen bis zum Großen – damit unseren Kindern und Enkelkindern das Leid der Vertreibung erspart bleibt.

Joschi Ament, Bundesvorsitzender

Weihnachtsansprache des Bundesvorsitzenden

Liebe Freunde,

wer hätte beim letzten Jahreswechsel daran gedacht, dass das Jahr 2020 im Zeichen einer weltweiten Pandemie stehen würde. Noch im Sommer hatten wir daran geglaubt, dass wir diese Pandemie in den Griff bekommen. Zwischenzeitlich wissen wir, dass dies leider nicht der Fall ist. Die in den Herbst hinein gestiegenen Fallzahlen der COVID-19-Infizierten zeigen uns sehr deutlich, dass dieser Ausnahmezustand noch lange nicht beherrschbar ist.

Uns – als LDU – haben diese Einschnitte in unsere landsmannschaftliche Arbeit ebenfalls sehr deutlich getroffen. Keine unserer sonst üblichen kulturellen oder geselligen Veranstaltungen konnten wir im Jahr 2020 ausrichten. Wir sind mit unserem ehrenamtlichen Engagement in den so genannten „Lockdown“ versetzt worden und leiden allesamt sehr darunter.

Die Aussichten für 2021 sind alles andere als rosig, denn eines scheint klar zu sein: wir werden uns auf ein Leben mit dem Virus einstellen müssen.

Ich möchte uns alle in dieser weihnachtlichen Zeit aber auch dazu ermutigen, sich daheim mit unserem kulturellen Erbe zu beschäftigen. Nutzen wir zum Beispiel die Zeit zum Lesen unserer Heimatbücher oder unserer sonstigen zahlreichen Publikationen. Nutzen wir die Zeit zur Recherche im Internet, denn das weltweite Netz eröffnet uns unzählige Möglichkeiten, uns über die Ungarndeutschen zu informieren. Nutzen wir die Zeit zum Beschriften alter Familienfotos und zum Aufschreiben von Geschichten und Erlebnissen aus unserer Kindheit und Jugend. Vielleicht wird damit eine lang vor uns hergeschobene Absicht endlich verwirklicht. Greifen wir zum Telefon, um uns gegenseitig Mut zuzusprechen, dass wir gemeinsam diese Krise überwinden wollen. Auch wenn wir uns bis auf weiteres nicht persönlich treffen können, können wir so unsere Gemeinschaft pflegen, erhalten und gestalten.

Seien Sie sich sicher: sobald wir – seitens des Vorstandes der LDU – Möglichkeiten sehen, uns wieder treffen zu können, werden wir alles dafür tun, diese umzusetzen.

Liebe Landsleute,

Präsidium und Vorstand unserer LDU wünschen Ihnen und Ihren Familien eine besinnliche Adventszeit, ein gesegnetes Weihnachtsfest und für das Jahr 2021 viel Glück und Gottes reichhaltigen Segen. Bleiben Sie gesund!

Joschi Ament, Bundesvorsitzender

„Wir stellen uns den Herausforderungen von morgen“

Sitzung des Patenschaftsrates tagt im Corona-Modus

„Die bundes- und landesweiten Einschränkungen der Corona-Pandemie haben auch uns veranlasst, die jährliche Sitzung des Patenschaftsrates der Stadt Gerlingen und der LDU abzusagen“, verkündete Gerlingens Bürgermeister Dirk Oestringer. Gleichzeitig teilte er mit, dass sich zumindest die Verwaltungsspitze des Rathauses mit Mitgliedern des Landespräsidiums der LDU Anfang November 2020 coronagerecht im kleinen Kreis treffen wolle, um neben dem üblichen Rückblick auch über Veranstaltungen und Termine für das kommende Jahr zu sprechen.

In seinem Review auf das Jahr 2020 konnte der Bundes- und Landesvorsitzende Joschi Ament dabei trotz Pandemie über zahlreiche Programme und Veranstaltungen berichten, die für die Landsmannschaft von großer Bedeutung waren. „Unsere Aktivitäten haben sich dabei größtenteils auf Gedenkveranstaltungen konzentriert. Die üblichen geselligen Begegnungen fielen leider der Pandemie zum Opfer“, wie Ament informierte. Besonders hob Ament die Verbindungen zur LdU nach Ungarn hervor, die weiter intensiviert werden konnten.

Mit Blick auf 2021 waren sich Verwaltung und LDU darüber einig, dass die entsprechenden Vorplanungen zu den vorgesehenen Hauptevents in Gerlingen – wie Schwabenball und Kulturtagung – beginnen sollen, man aber die Entwicklung der Corona-Pandemie – vor allem im ersten Halbjahr 2021 – immer im Blick behalten müsse, bevor man verbindliche Verträge eingehe.

Bundes- und Landesgeschäftsführer Erich Gscheidle stellte deshalb mögliche Alternativen vor, die man in einem verkleinerten Rahmen organisieren möchte. Konkret könne sich die LDU vorstellen, das Thema „Malenki Robot“ unter Einbeziehung der örtlichen Schulen und des Stadtmuseums ebenso nochmals aufzugreifen, wie eine lokale Veranstaltung zu „75 Jahre Vertriebene in Gerlingen“.

Weitere Themen der Agenda waren die Partnerschaftsaktivitäten mit Tata, Finanzfragen sowie ein erster Ausblick auf die Ausrichtung der LDU in der kommenden Dekade der 2020er Jahre.

Fazit der beiden LDU-Vertreter Ament und Gscheidle: „Auch künftig wollen wir uns zusammen mit der Stadt Gerlingen an unserer Seite den Herausforderungen von morgen stellen und schauen deshalb zuversichtlich in die Zukunft.“

„Schwäbische Augenblicke“

Ungarndeutsches Museum in Tata mit Sonderpreis ausgezeichnet

Als erstes Museumsprojekt außerhalb von Budapest erhielt die Online-Programmreihe des Ungarndeutschen Museums im Domokos-Kuny-Museum in Tata / Totis einen museumspädagogischen Sonderpreis des Verbandes Ungarischer Museen (MVMSZ). Mit ihrem Projekt „Schwäbische Augenblicke“ hat das Ungarndeutsche Museum eine hervorragende Leistung in den Bereichen Kulturpflege und Traditionsvermittlung erbracht. Durch seine Initiative hat das Domokos-Kuny-Museum eine besonders fortschrittliche Betrachtungsweise unserer Arbeit ermöglicht und zugleich eine zukunftsweisende Vision verwirklicht – steht in der Begründung des preisverleihenden Verbandes.

Das Ungarndeutsche Museum hat eine, explizit auf den ungarndeutschen Alltag von früher bezogene, Videoreihe gestartet, an dem ein Expertenteam des Kuny-Museums gearbeitet hat – bestehend aus Folkloristin Monika Schmidtmayer-Busa, Museumspädagoginnen, Szénia Balássy-Berezva und Dorina Nagy, sowie Kommunikationsmitarbeiter Zsolt János Csicsay.

In den Kurzfilmen werden Augenblicke aus dem ungarndeutschen Alltag gezeigt und unter-schiedliche Gebrauchsgegenstände vorgestellt, die zu früheren Zeiten tagtäglich verwendet wurden. Neben den hauseigenen Exponaten des Museums wird die Aufmerksamkeit der Zuschauer auch auf einige Volksbräuche und traditionelle ungarndeutsche Speisen gelenkt.

Stellvertretend für die bundesdeutsche Landsmannschaft überbrachte unser Bundesgeschäfts-führer Erich Gscheidle Frau Monika Schmidtmayer-Busa zu dieser besonderen Auszeichnung die besten Glückwünsche aus Deutschland. Gscheidle sagte: „Die Kontakte zum Ungarndeutschen Museum in Tata sind für uns ganz besondere Verbindungen, ist doch Tata die Partnerstadt von Gerlingen; Gerlingen wiederum unsere Patenstadt. Insofern ist es für uns eine ganz besondere Freude, dass ein so toller Sonderpreis zu unseren Freunden nach Tata geht.“

Die Kurzfilme sind übrigens auf dem YouTube-Kanal des Domokos-Kuny-Museums Tata / Totis zu finden.

(Quelle:www.ldu.hu)

„Archiv der Deutschen aus Ungarn im Internet“

Suevia Pannonica Archiv jetzt online abrufbar

Die Suevia Pannonica pflegt als akademische Organisation das historische und kulturelle Erbe des Ungarndeutschtums. Die Vereinigung Ungarndeutscher Akademiker hat das Ziel, den deutschen Intelligenznachwuchs in Ungarn zu fördern, vor allem Studenten, die sich für die deutsche Sprache und für die Traditionspflege engagieren. Die Vereinigung setzt sich für die wahrheitsgetreue Bearbeitung der Geschichte der Deutschen in und aus Ungarn ein.

Seit 1964 gibt die Suevia Pannonica das Jahrbuch „Archiv der Deutschen aus Ungarn“ heraus. Das Periodikum beinhaltet Beiträge aus der Geschichte, Volkskunde und Sprachwissenschaft über das Ungarndeutschtum und der Nachbarvölker. Es kommen namhafte Wissenschaftler aus Ungarn, Deutschland und Österreich zu Wort.

Der erste Schriftführer war der Neugründer der Suevia, Dr. Adam Schlitt. Ihm folgten Friedrich Spiegel-Schmidt, Dr. Josef Schwing und Rudolf Fath. Die Mitherausgeber waren das Sozial- und Kulturwerk der Deutschen aus Ungarn, Sitz München, und die Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn e.V., Landesverband Baden-Württemberg.

Das Periodikum weist gegenwärtig 38 Bände auf, die seit Neuestem im Internet unter dem Suchwort „Suevia Pannonica Archiv“ zu finden sind. Damit ist das umfangreiche Schrifttum über das Ungarndeutschtum weltweit erreichbar. Die Benutzung der Website ist für die breite Öffentlichkeit konzipiert. Der Interessent findet im gesuchten Jahrgang das Inhaltsverzeichnis und erhält mit einem Klick auf den gewünschten Titel den Text. Volltextsuche, Kopieren und Drucken gewährleisten ein schnelles Finden und Erfassen des Inhaltes.

Die Website enthält außerdem aktuelle Informationen über Personalien und weiterer Aktivitäten der Vereinigung, z. B. Unterstützung bedeutender Forschungsvorhaben und wissenschaftlicher Veröffentlichungen sowie Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

(Quelle: Katharina Eicher-Müller; Geschäftsführende Vorsitzende der Suevia Pannonica und Bundesvorstandsmitglied der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn)