„Ein verlässlicher Ansprechpartner für die Heimatvertriebenen“

BdV in Bayern dankt dem früheren Ministerpräsidenten Horst Seehofer

Die erfolgreiche Zusammenarbeit des Bundes der Vertriebenen in Bayern (BdV) und der Landsmannschaften mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten und Bundesinnenminister Horst Seehofer wurde im März bei einem Empfang im Haus des Deutschen Ostens (HDO) in München in Erinnerung gerufen. Bei dem Treffen, zu dem auch die Landesvorsitzenden der Landsmannschaften geladen waren, bedankte sich Christian Knauer im Namen des Bundes der Vertriebenen bei Horst Seehofer für dessen langjähriges Engagement für die Belange der deutschen Heimatvertriebenen.

In seiner Festrede blickte Knauer zurück auf die jahrelange, enge Zusammenarbeit mit Seehofer. Wegweisend sei ein Treffen des damaligen Ministerpräsidenten mit dem Landesverband im Jahr 2010 im Prinz-Carl-Palais in München gewesen. Seehofer hätte hierzu den Landesausschuss des BdV eingeladen und bei dem Austausch zugesagt, die Konzeption und den Bau des Sudetendeutschen Museums in München zügig voranzubringen. Zudem hätte er angekündigt, bauliche Verbesserungen im Haus des Deutschen Ostens durchführen zu wollen. All diese Versprechen, so die Feststellung Knauers, seien zeitnah und zuverlässig umgesetzt worden. Zudem habe sich Seehofer kontinuierlich als Kenner und Unterstützer der Vertriebenenverbände erwiesen und immer wieder die Funktion der Vertriebenenverbände als Brückenbauer in Europa gewürdigt. Vielmals sei er Gastredner beim „Tag der Heimat“ und bei vielen anderen Veranstaltungen der Verbände gewesen, so Knauer.

Horst Seehofer dankte für die anerkennenden Worte und betonte, dass es für ihn immer wichtig gewesen sei, die Aktivitäten der Landsmannschaften und der Vertriebenenverbände zu unterstützen. Seehofer würdigte sowohl die Aufbauleistung der Heimatvertriebenen als auch deren Beitrag zur Versöhnung in Europa.

Auch für die Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn in Bayern und für die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen sei Horst Seehofer stets ein verlässlicher Partner gewesen, so der Landesvorsitzende der LDU in Bayern, Georg Hodolitsch. Mit einigen persönlichen Worten dankte der LDU-Landesvorsitzende Hodolitsch dem ehemaligen Ministerpräsidenten für seine tatkräftige Unterstützung der landsmannschaftlichen Arbeit.

„Kunst zum Sehen, Anfassen und Hören – Josef de Ponte begreifen“

Vernissage von Schülerarbeiten zum Mosaik von Josef de Ponte in der Leintalschule in Schwaigern

„Kunst ist die Schnittstelle, an der sich Vergangenheit und Zukunft begegnen und neue Wege entdecken.“ Das Zitat der Kunsttherapeutin Marion Douret war das Motto der Vernissage von Schülerarbeiten an der Leintalschule in Schwaigern im Landkreis Heilbronn, die sich mit dem Naturstein-Mosaik des ungarndeutschen Malers Josef de Ponte (1922-2006) befassten, der ab 1965 in Schwaigern eine neue Heimat gefunden hatte.

„Das Zitat passt bestens zu unserem Projekt in Kooperation mit der Stadt, durch das Interpretationen der Schülerinnen und Schüler entstanden sind, die sich über drei Stockwerke ziehen,“ sagte Rektor Andreas Allmang.

„Auch das ist eine Ausstellung, die de Ponte in die Gegenwart zurückholt, verbunden mit der Wertschätzung für die Schülerinnen und Schüler. So etwas braucht aber auch einen guten Input,“ sagte Bürgermeisterin Sabine Rotermund, die zu Angelika Braig überleitete, Fachschaftsleiterin Bildende Kunst, die die treibende Kraft hinter der von Johannes Hauser, Bürgermeister im Ruhestand, initiierten Aktion war.

In den Klassenstufen fünf bis zehn entstanden so ganz unterschiedliche Arbeiten. Das Sehen stand insgesamt im Vordergrund der Auseinandersetzung mit dem fast 100 Quadratmeter großen Wandmosaik, das 1971 erschaffen wurde und sich über alle drei Stockwerke der Aula zieht.

„Die Schülerinnen und Schüler gestalteten Mosaike – de Pontes Technik nachempfunden – Relief-Modellierung, Tupf- und Reißtechnik, Werke aus Tonpapier, Wasserfarbbilder und die Objekte aus dem 3-D-Drucker. Aber auch das Hören ist ein Teil davon,“ erklärte Angelika Braig.

Beim anschließenden Rundgang konnten sich auch die Vertreter unserer LDU einen Eindruck von den gelungenen Werken der Jugendlichen überzeugen.

„Auf zum Schwabenball nach Gerlingen“

Die Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn und die Patenstadt Gerlingen laden Sie recht herzlich ein am

Samstag, 13. Mai 2023 um 17.oo Uhr in die Stadthalle Gerlingen

(Hallenöffnung: 15.3o Uhr; Sektempfang ab 16.oo Uhr) zum

66. Bundesschwabenball mit Trachtenschau

Ehrengast des diesjährigen Bundesschwabenballs ist

Natalie Pawlik, MdB

Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten

 

Die Leőwey-Tanzgruppe aus Fünfkirchen/Pécs sowie das Ungarndeutsche Folklore Ensemble aus Wernau und die Tanzgruppe der Donauschwaben aus Mosbach sorgen für ein kurzweiliges Rahmenprogramm rund um den Bundesschwabenball.

Die uns bestens bekannte Kapelle UnterRock aus Fünfkirchen/Pécs spielt nach dem offiziellen Programm zum Tanz und zur Unterhaltung auf.

Seien Sie am 13. Mai zusammen mit uns „Ungarndeutsch – und stehen Sie dazu!“

„Heimat-Haben in Europa – Vergangenheit oder Zukunft?“

Jahresempfang des BdV Baden-Württemberg in Stuttgart

Nachdem im vergangenen Jahr eine neue Landesspitze des BdV in Baden-Württemberg gewählt wurde, lud der neue Landesvorstand erstmals zu einem Jahresempfang nach Stuttgart ein.

Landesvorsitzender Hartmut Liebscher war sichtlich erfreut über den großen Zuspruch und die vielen Begegnungen mit zahlreichen Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft sowie den Vertretern der Kreis- und Regionalverbände des BdV und der Repräsentanten der Landsmannschaften.

Liebscher ging in seinem Grußwort unter anderem auf die aktuelle Lage der Verbandsarbeit ein und betonte dabei, wie wichtig es sei, nach den Pandemiejahren den Zusammenhalt unter Kreisverbänden und den Landsmannschaften mit neuem Schwung zu gestalten.

Landtagsvizepräsident Prof. Dr. Wolfgang Reinhart überbrachte die Grüße des baden-württembergischen Landtages. Reinhart zog in seinem Grußwort Parallelen der Heimatvertriebenen vor über 70 Jahren und dem Schicksal der heute aus der Ukraine geflohenen Menschen. Dass man in Mittel- und Westeuropa aus den Trümmern der schlimmen Kriege heraus nun die längste Friedenszeit erleben dürfe, müsse dankbar machen, so der Vizepräsident. Reinhart betonte in seiner Rede aber auch die Wichtigkeit der Arbeit der Heimatvertriebenen: „Der BdV gehört zu den Architekten dieses Friedenszeitalters.“ Der BdV könne stolz auf das Erreichte sein und dennoch gelte auch für die Zukunft: „Sie werden weiterhin gebraucht!“, so Reinhart.

Prof. Dr. Reinhard Johler, Leiter des Instituts für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde in Tübingen beschäftigte sich bei seinem anschließenden Impulsvortrag mit dem Begriff „Heimat“ und beleuchtete diesen aus unterschiedlichen Perspektiven. Johler suchte dabei Antworten auf die Fragen, wieviel Heimat der Mensch eigentlich brauche und ob der Begriff „Heimat“ überhaupt eine Zukunft habe. Am Ende zeigte sich Prof. Johler fest davon überzeugt, dass „Heimat“ nicht nur eine Vergangenheit habe, sondern auch eine Zukunft.

Die musikalische Umrahmung des Jahresempfangs erfolgte durch das Streicherensemble Violini Allegri vom Jugend- und Studentenring der Deutschen aus Russland e.V. unter der Leitung von Natalia Kopp.

„Stabwechsel im DZM“

Christian Glass übergibt das Ruder an Tamás Szalay

28 Jahre lang stand Christian Glass an der Spitze der Donauschwäbischen Zentralmuseums (DZM) in Ulm. Als er anfing, gab es nur eine Idee und ein großes Gebäude in schlechtem Zustand. Glass baute das DZM auf und in den vergangenen Jahren auch wieder um. Das Wort „Lebenswerk“ scheint da ausnahmsweise nicht zu hoch gegriffen. Nun wurde der Museumsdirektor des DZM im Rahmen eines Festaktes offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Was Glass seinem Nachfolger Tamás Szalay übergibt, ist ein modernes Museum und ein Ort, der für die Bewahrung des donauschwäbischen Erbes immer wichtiger wird.

Julian Würtenberger, Staatssekretär a.D. im baden-württembergischen Innenministerium, begrüßte in den Räumlichkeiten des DZM als Vorsitzender des DZM-Stiftungsrates hochrangige Vertreter der vier donauschwäbischen Landsmannschaften und zahlreiche Gäste aus Kultur- und Gesellschaft. Würtenberger dankte dem scheidenden Direktor im Namen des Stiftungsrates für nahezu drei Jahrzehnte engagierten und hochmotivierten Einsatz zum Wohle der Geschichte der Donauschwaben.

Prof. Dr. Reinhard Johler, Direktor des Instituts für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde in Tübingen und gleichzeitig Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats im DZM, würdigte in seiner Festrede seinen langjährigen Weggefährten Chris Glass, der es geschafft hätte, das DZM zu einer international anerkannten Marke zu entwickeln.

Die Vorsitzende des Stiftungsvorstandes, Ulms Kulturbürgermeisterin Iris Mann, dankte mit wohltuenden Worten für die professionelle Zusammenarbeit zwischen dem DZM sowie der Stadt Ulm, dem Land Baden-Württemberg, der Bundesrepublik Deutschland und den vier donauschwäbischen Landsmannschaften als Träger des Museums.

Auch Christian Glass selbst kam nochmals zu Wort. Er dankte allen Rednern, Gästen und Wegbegleitern und übergab symbolisch ein Ruder einer Ulmer Schachtel an seinen Nachfolger Tamás Szalay.

Musikalisch wurde der Festakt umrahmt von Tamás Füzesi und Giovanni Piana vom Philharmonischen Orchester Ulm mit Werken von Béla Bartók, Franz von Vecsey und Jenő Hubay.

„Schwabenball in Pußtawam“

LDU-Landesspitze aus Bayern zu Gast bei Freunden in der Partnerstadt von Geretsried

Der Schwabenball 2022 in Gerlingen unter Mitwirkung des ungarndeutschen Chors und der Tanzgruppe aus Pußtawam/Pusztavám war ein voller Erfolg. Gerne erinnern sich sowohl die LdU´ler aus Pußtawam als auch die LDU´ler aus Bayern an dieses tolle Fest.

LDU-Vorstandsmitglied Gerhard Aumüller hatte die Begegnungen und den Festabend in der Gerlinger Stadthalle im Film festgehalten, und nachdem der Schwabenball in Geretsried heuer leider ausgefallen war, war das für den LDU-Landes-Chef in Bayern, Georg Hodolitsch und seinen Vorstandskollegen Aumüller Grund genug, um eine Filmvorführung in Pußtawam mit der Teilnahme am dortigen Schwabenball zu verbinden.

Nach der Begrüßung durch Elisabeth Möllmann vom Pußtawamer Chor wurde am Freitagabend der gut eineinhalbstündige Film dem Chor, der Tanzgruppe und interessierten Pußtawamern gezeigt. Hodolitsch hatte diesen Abend mit Gemeinderatsmitglied Marika Pusztavami vorbereitet. Der kleine Saal im Kulturhaus war voll besetzt und die Besucher freuten sich über die Vorführung. Im Vorspann zeigte Aumüller noch Filme über den Traubenball 2015 und vom ungarndeutschen Maibaumaufstellen in Geretsried.

Nach offiziellen Gesprächen und freundschaftlichen Besuchen am Samstagvormittag spielten am Abend zum Pußtawamer Schwabenball zunächst die Blaskapelle aus Szomód und anschließend die Blaskapelle aus Pußtawam auf. Es folgten das Grußwort des Vizebürgermeisters Stefan Pintér und die Begrüßung der Ehrengäste aus Geretsried sowie schwungvolle Tanzvorführungen der Pußtawamer Trachtengruppe unter der Leitung von Franz Varga und gekonnt vorgetragenen ungarndeutschen Liedern durch den Chor mit ihrem Dirigenten Stefan Staudt.

Zum allgemeinen Tanz des Schwabenballs spielten die Tarianer Spitzbuben auf, die mit flotten Polka- und Walzermelodien das Publikum bis spät in die Nacht zu begeistern wussten.

Hodolitsch resümierte wie folgt: „Einmal mehr ungarndeutsche Freundschaft und Zusammenhalt über Grenzen hinweg. Rundum ein gelungener ungarndeutscher Schwabenball in Pußtawam!“

„Sprache des Herzens 2.0“

300 Jahre Ansiedlungsgeschichte mit den Augen der Jugend

Die deutsche Sprache ist für das Ungarndeutschtum sehr wichtig. Zu den Grundprinzipien der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU) gehören an erster Stelle die Bereiche „Sprache-Identität-Zusammengehörigkeit”.

Sie startet jetzt eine landesweite Gedenkaktion und möchte 2023 an die Ansiedlung der Deutschen in Ungarn vor 300 Jahren erinnern.

Unter diesem Motto „Sprache des Herzens 2.0“ laden die LdU und das Heimatmuseum, Kinder und Jugendliche zu einem Wettbewerb ein, ebenfalls zum Thema Ansiedlung.

Dabei sollen Kinder und Jugendliche über die Motivation der Vorfahren der Ungarndeutschen, sich in unserem Land niederzulassen, nachdenken; die Wechselwirkungen zwischen der deutschen und der ungarischen Sprache untersuchen; darüber nachdenken, wie es ist, 300 Jahre hindurch Mitglied einer nationalen Minderheitengemeinschaft zu sein; oder welche kulturellen Werte eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart bilden.

Einzelheiten des Wettbewerbs erfahren Sie unter info@heimatmuseum.hu oder direkt über die Webseite des Heimatmuseums www.heimatmuseum.hu.

Die Zielgruppe des Wettbewerbes ist die ungarndeutsche Jugend, die sehr gerne ihre frische Perspektive auf die Welt zeigen möchte, aufgeteilt altersgerecht in zwei Gruppen: Grundschulkinder, Schülerinnen, Schüler (von 6 bis 13 Jahren) und Gymnasialschülerinnen und -schüler, junge Erwachsene, Studentinnen, Studenten (von 14 bis 30 Jahren).

Über dem Gesamtprojekt, das in sechs unterschiedliche Themengebiete unterteilt ist, steht die Ansiedlung der Deutschen in Ungarn vor 300 Jahren“.

Die besten Arbeiten werden in der „Neuen Zeitung“ vorgestellt und an der Tagung am 8. Juni 2023 können sie und alle Teilnehmer über ihre Arbeiten in Jugend-Workshops erzählen. Die Gewinner werden im Herbst 2023 in einem Tagungsband veröffentlicht.

 

 

Quellen: LdU Ungarn und Jakob-Bleyer-Museum/Budaörs

„Warum vertrieb man die Ungarndeutschen?“

Schüler aus der Oberlausitz/Sachsen im Zeitzeugengespräch in Bretzfeld

Es war sehr beeindruckend für den Vorstand des Budaörser Heimatvereins, dass der Schüler Gregor Lehmann aus der Nähe von Bautzen den Kontakt nach Bretzfeld suchte. Die umfangreiche Erarbeitung des selbstgewählten Themas für ein Schulprojekt der gymnasialen Oberstufe – „Die Vertriebenen aus Ungarn nach dem Zweiten Weltkrieg“ – führte den jungen Mann zu Joschi Ament. Dieser brachte den Heimatverein Budaörs ins Spiel, und so wurde das Heimatmuseum in Bretzfeld Treffpunkt für einen intensiven Informationsaustausch zwischen dem 16-jährigen Schüler und Zeitzeugen, die die Vertreibung aus Ungarn selbst als Kinder erlebt hatten.

Gregor Lehmann hatte das Thema seiner Projektarbeit aus familiären Gründen gewählt. Seine Großmutter wurde 1948 als Kind selbst Opfer der Vertreibung. Das kleine Dorf Ganna mit rund 250 Einwohnern, ca. 60 km nördlich des Plattensees gelegen, war die alte Heimat von Gregors Großmutter und deren Vorfahren.

Die ausgiebige Besichtigung des Museums am Vormittag gab viele Informationen. Zusätzlich gelang es, einen kleinen Kreis von Zeitzeugen zu versammeln. Hierzu standen dem jungen Mann aus Sachsen das Ehepaar Josef und Elisabeth Deininger sowie Andreas Ritter gerne in einer gemütlichen Kaffeerunde zur Verfügung. Als Vertreter des Vereins nahmen Theresia Mann und Stefan Vachaja teil. Den Gesamtüberblick über die damaligen Flucht- und Vertreibungsgeschehnisse in Mittel- und Osteuropa und deren Folgen stellte Joschi Ament im Gespräch dar. Aus den Fragen von Gregor Lehmann entwickelte sich ein sehr ergiebiger Austausch, der durch viele Erlebnisberichte und Hintergrundkenntnisse ergänzt werden konnte.

Die Zeitzeugen machten dabei deutlich, in welcher erbarmungslosen Art und Weise die Vertreibung ablief. Der erste dieser Güterzüge – sie waren jeweils mit rund eintausend Personen vollgepackt – fuhr am 19. Januar 1946 aus Budaörs ab. Es war landesweit der erste Vertreibungstransport. Ihm sollten innerhalb weniger Tage sechs weitere Transporte folgen. Am 2. Februar 1946 verließ der 7. Transport die bisherige Heimat Budaörs. Damit waren innerhalb von nur zwei Wochen rund 7.000 Menschen aus dieser einen Gemeinde auf dem Weg in eine ungewisse Zukunft. Mehr als ein Jahr später wurde nochmals ein Zug voller Ungarndeutscher aus Budaörs in die damalige sowjetische Besatzungszone verfrachtet. Den verlassenen Wohnraum übergab man Menschen, die ihrerseits aus den Nachbarstaaten ausgewiesen wurden.

Gerade in den gegenwärtigen Tagen wurde es für die Gesprächspartner einmal mehr deutlich, welch unmenschliche und verheerende Folgen kriegerische Auseinandersetzungen für alle Betroffenen nach sich ziehen.

„Das Land Baden-Württemberg gäbe es ohne die Heimatvertriebenen nicht“

BdV Landesverband und Vertreter der Landsmannschaften im Gespräch mit Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl

Ende Januar empfing Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl, gleichzeitig Landesbeauftragter für Vertriebene und Spätaussiedler in Baden-Württemberg, die Spitze des BdV-Landesverbandes um Vorsitzenden Hartmut Liebscher und Geschäftsführer Richard Jäger sowie zahlreiche Vertreter der angeschlossenen Landsmannschaften. Für die LDU Baden-Württemberg nahm Landesvorsitzender Joschi Ament an der Gesprächsrunde im Innenministerium teil.

Der BdV-Landesvorsitzende und die landsmannschaftlichen Vertreter nutzten die Gelegenheit, um dem Landesbeauftragten über die aktuellen und heimatpolitischen Themen des Vertriebenenverbandes zu berichten.

Unter anderem ging es um den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und die Unterstützung der Flüchtlinge, die Lage der deutschen Minderheiten in Polen, Beratungsangebote für Spätaussiedler sowie die Themen Digitalisierung und Jugendarbeit. Diskutiert wurde auch über die Auswirkungen der Coronapandemie auf die Verbände und die drohenden Kürzungen der staatlichen Fördermittel gemäß § 96 des Bundesvertriebenengesetzes (BVFG).

Die Vertreter und Vertreterinnen appellierten eindringlich für eine Fortsetzung der Unterstützungsleistungen. Innenminister Strobl versicherte, dass es auch nach der Neustrukturierung des Innenministeriums für die Jahre 2023 und 2024 keine Kürzungen der Fördermittel geben werde.

Beide Seiten waren sich über die Wichtigkeit des Austausches und die lohnenswerte Kulturarbeit zur Erhaltung des Kulturerbes der Vertriebenen einig, denn „ohne die Vertriebenen“, so Thomas Strobl, „gäbe es unser Land nicht, so wie es heute ist.“    

 

(Quelle: BdV-Baden-Württemberg)

„Vertreibung und Verschleppung – zwei Wörter, die man in Ungarn mittlerweile kennt“

Gedenken zur Verschleppung und Vertreibung der Ungarndeutschen in München

Auch in Bayern beging Ungarn den nationalen Gedenktag zur Verschleppung und Vertreibung der Ungarndeutschen am Ende des Zweiten Weltkrieges. Hierzu hatte das Ungarische Generalkonsulat in München, vertreten durch den Generalkonsul Gábor Tordai-Lejkó, zur Gedenkveranstaltung, zusammen mit Prof. Dr. Andreas Otto Weber, Direktor des Hauses des Deutschen Ostens, ins Sudetendeutsche Haus in München eingeladen.

Der Einladung waren auch der stellvertretende Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn, und zugleich Landesvorsitzender der LDU in Bayern, Georg Hodolitsch, sowie der Ehrenvorsitzende der LDU, Hans Schmuck und das Vorstandsmitglied Katharina Erl gefolgt.

Als Gastredner war der Parlamentsabgeordnete der Ungarndeutschen, Imre Ritter, aus Budapest angereist. Er eröffnete seine Ansprache mit den Worten: „Vertreibung und Verschleppung – Zwei Wörter, die in Ungarn mittlerweile fast jeder kennt, weil am 19. Januar 2016 zum 70. Jahrestag der Verschleppung und Vertreibung der Ungarndeutschen Ministerpräsident Viktor Orbán höchstpersönlich die Gedenkrede auf dem alten Friedhof in Budaörs hielt“, so Ritter.

In seiner damaligen Ansprache hätte Orbán betont, dass den ungarischen Schwaben Unrecht widerfahren sei, als sie ihrer Häuser und ihrer Heimat beraubt wurden. Ritter skizzierte im Weiteren den Wandel in der ungarischen Minderheitenpolitik. Neben den regelmäßig stattfindenden Wahlen zu lokalen Nationalitätenselbstverwaltungen seien die Ungarndeutschen zwischenzeitlich durch einen eigenen vollwertigen Abgeordneten in ungarischen Parlament vertreten, wie Ritter ausführte.

Heute sei es wieder möglich, dass die deutsche Minderheit in Ungarn die deutsche Sprache als Muttersprache erlerne, die Kinder deutsche Kindergärten und deutsche Schulen besuchen, wie Frau Dr. habil. Márta Müller, Dozentin einer ungarndeutschen Universität in ihrem Vortrag mit dem Titel „Von der Wiege bis zur Hochschule“ herausarbeitete und dabei die aktuellen Tendenzen des ungarndeutschen Schulwesens beschrieb.

Frau Sylvia Stierstorfer MdL, Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene hob in ihrer Ansprache die Integration der vertriebenen Deutschen aus Ungarn hervor und betonte, dass heute wieder gute Kontakte zu den gebliebenen Deutschen in Ungarn bestehen und beide Seiten als Brückenbauer Europas betrachtet werden.

Beim anschließenden Empfang konnten viele gute Gespräche geführt werden.