„Junge Stimmen für alte Wurzeln“

Nachfahren von Ungarndeutschen wollen Netzwerk im Rheingau-Taunus-Kreis aufbauen

Die 17-jährige Leana Becker aus Taunusstein beschäftigt sich seit Jahren mit der Geschichte ihrer Familie. Ihre Vorfahren gehörten zu den Ungarndeutschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Obwohl Leana selbst in Deutschland geboren wurde, fühlt sie sich bis heute eng mit Ungarn verbunden. Regelmäßige Besuche bei Verwandten und die Erinnerungen ihrer Familie haben ihr Bewusstsein für die eigenen Wurzeln geprägt.

Die Geschichte der Vertreibung wirkt in ihrer Familie bis heute nach. Viele Angehörige verloren ihre Heimat, wurden auseinandergerissen und mussten sich in Deutschland ein neues Leben aufbauen. Über lange Zeit wurde in vielen Familien nur wenig über diese Erfahrungen gesprochen. Erst die jüngeren Generationen beginnen zunehmend, sich intensiver mit diesem Teil ihrer Familiengeschichte auseinanderzusetzen.

Aus diesem Interesse heraus möchte Leana Becker gemeinsam mit ihrer Mutter Manuela Noll-Becker und ihrer Tante Christina Deuser ein Netzwerk für Ungarndeutsche und deren Nachfahren im Rheingau-Taunus-Kreis aufbauen. Ziel ist es, Menschen miteinander zu vernetzen, Erinnerungen auszutauschen und den oft verborgenen Geschichten der Familien eine Plattform zu geben.

Auf einen ersten Aufruf meldeten sich bereits mehrere Interessierte. Die Initiatorinnen berichten von bewegenden Gesprächen und großem Bedarf an Austausch. Anfang Juni fand ein erstes Treffen in Taunusstein statt, das Begegnung und Vernetzung ermöglichte.

Darüber hinaus denkt Leana Becker nach, Zeitzeugeninterviews zur Geschichte der Ungarndeutschen zu führen. Ihr Anliegen ist es, Erinnerungen zu bewahren und das kulturelle Erbe auch für kommende Generationen sichtbar zu machen.

Interessierte, die sich zur Geschichte der Ungarndeutschen austauschen oder eigene Erfahrungen teilen wollen, können sich mit den drei Initiatorinnen in Verbindung setzen, per Mail an ungarndeutsche_im_rtk@web.de oder telefonisch unter 06128-7485166
                                                                                                                                                               Quelle: Wiesbadener Kurier