„Geschichte im kollektiven Gedächtnis“

Wissenschaftlicher Abend im Liszt-Institut Stuttgart

Ende März fand im Liszt-Institut in Stuttgart eine wissenschaftliche Vortrags- und Diskussionsveranstaltung unter dem Titel „Geschichte im kollektiven Gedächtnis“ statt. Die Veranstaltung war Teil des Gedenkjahres „80 Jahre Vertreibung der Ungarndeutschen“ und wurde in Kooperation mit dem Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde (IdGL) in Tübingen durchgeführt.

Im Mittelpunkt standen die Zwangsmigrationsprozesse in Ungarn nach dem Zweiten Weltkrieg. Zwischen 1946 und 1948 wurden rund 220.000 Ungarndeutsche aus ihrer Heimat vertrieben – ein einschneidendes historisches Ereignis, dessen Folgen bis heute nachwirken.

Die Historikerin Prof. Dr. Ágnes Tóth (ELTE-HTK) beleuchtete in ihrem Vortrag die Zusammenhänge von Zwangsmigration und politischer Neuordnung in Ungarn zwischen 1945 und 1948. Dr. Péter Schweininger (ELTE-BTK) widmete sich der Frage, wie die Vertreibung der Ungarndeutschen in heutigen ungarischen Geschichtsnarrativen und im Schulunterricht dargestellt wird. Die Moderation übernahm Dr. Beáta Márkus (IdGL Tübingen).

Die Veranstaltung bot nicht nur einen Einblick in aktuelle Forschungsansätze, sondern regte auch zur Diskussion über Erinnerungskultur und kollektives Gedächtnis an. Deutlich wurde, dass die Geschichte der Vertreibung weiterhin ein sensibles und zugleich zentrales Thema im historischen Bewusstsein Ungarns und Deutschlands darstellt.

Im Anschluss wurde die Ausstellung „Das Gedenken der Gerechten sei gesegnet – Deportationen aus Balmazújváros“ eröffnet, die die wissenschaftlichen Perspektiven um eine visuelle und erinnerungskulturelle Dimension ergänzte.