„Nie wieder“

Dr. Katalin Szili über Erinnerung, Verantwortung und Versöhnung

Beim 69. Bundesschwabenball in Gerlingen sprach mit Dr. Katalin Szili eine prägende Persönlichkeit der ungarischen Politik. Als Präsidentin des ungarischen Parlaments von 2002 bis 2009 setzte sie wichtige Impulse in der historischen Aufarbeitung der Vertreibung der Ungarndeutschen.

Besonders hervorzuheben ist das Jahr 2007, als sie im ungarischen Parlament im Namen des ungarischen Volkes um Entschuldigung für die Vertreibung von etwa 220.000 Ungarndeutschen bat. In ihrer Rede erklärte sie damals: „Wir Politiker sind verpflichtet, für die schandhaften politischen Entscheidungen unserer verantwortlichen Vorgänger um Entschuldigung zu bitten. Dieser Satz soll uns zugleich Kompass sein: Nie wieder.“ Ihre damaligen Worte galten als wegweisend und gleichzeitig als Grundlage für den nationalen Gedenktag in Ungarn, der 2012 vom Parlament einstimmig beschlossen wurde.

In ihrer Festrede in Gerlingen erinnerte Dr. Szili eindringlich an die Ereignisse der Jahre 1945 bis 1948 und stellte die menschlichen Schicksale in den Mittelpunkt. Besonders bewegend waren ihre persönlichen Ausführungen über ihre Mutter, die als Kind ebenfalls auf einer Vertreibungsliste gestanden habe. Sie machte deutlich, dass hinter allen Zahlen konkrete Lebensgeschichten stehen – Familien, die oft nur mit einem Koffer ihre Heimat verlassen mussten und dennoch ihre Würde, ihren Glauben und ihre kulturelle Identität bewahrten.

Zugleich würdigte Dr. Szili die Leistung der Heimatvertriebenen, die trotz aller Verluste neue Existenzen aufbauten. Städte wie Gerlingen hätten dabei eine besondere Rolle gespielt. Sie betonte zudem, dass sowohl die Vertriebenen in Deutschland als auch die in Ungarn verbliebenen Deutschen großen Mut und Standhaftigkeit bewiesen hätten und bis heute Brücken zwischen den Menschen beider Länder bilden.

Ihre Rede unterstrich, dass Erinnern Verantwortung bedeutet – für ein friedliches Miteinander in Gegenwart und Zukunft.

(Fotos: Stadt Gerlingen)