Johann Schuth stammt aus Villány/Südungarn (Foto: LdU)
Johann Schuth wird mit der Ehrengabe des Donauschwäbischen Kulturpreises des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet
Erfreut geben wir hiermit bekannt, dass der Chefredakteur der „Neuen Zeitung” und Mitglied der Vollversammlung der LdU, Johann Schuth, mit der Ehrengabe des Donauschwäbischen Kulturpreises des Landes Baden-Württemberg 2025 ausgezeichnet wird.
Seit über 55 Jahren prägt Johann Schuth die ungarndeutsche Kulturszene – als Journalist, Herausgeber, Organisator von Lesungen und Ausstellungen sowie als Motor zahlreicher Initiativen. Mit seinem unermüdlichen Engagement gehört er zu den wichtigsten Persönlichkeiten unserer Volksgruppe.
Neben Johann Schuth werden Professor Dr. Anton Sterbling (Hauptpreis) und Denise Schillinger (Förderpreis) geehrt, die sich ebenfalls in herausragender Weise um die donauschwäbische Kultur und Geschichte verdient gemacht haben.
Die feierliche Preisverleihung findet am 7. November 2025 im Haus der Donauschwaben in Sindelfingen statt.
Auftaktveranstaltung zum Gedenkjahr der Vertreibung der Ungarndeutschen mit fachlichem Austausch
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann eine der dunkelsten Epochen in der Geschichte der Ungarndeutschen. Ab 1946 wurden über 200.000 Ungarndeutsche gezwungen, ihre Heimat für immer zu verlassen. In der neuen Umgebung angekommen, versuchten viele, den Kontakt zu den Zurückgebliebenen aufrechtzuerhalten – ohne soziale Medien, Mobiltelefone oder E-Mails, in einer Zeit, in der Zensur den Alltag prägte.
Was berichteten die Menschen aus ihrem neuen Alltag? Wie wurde in der Nachkriegszeit und während des Kalten Krieges kommuniziert, als jede Zeile potenziell mitgelesen wurde? Und wie gelang es dem Adressaten Eugen Bonomi, über drei Jahrzehnte hinweg eine konstante Briefkorrespondenz mit seinen „Bauersleuten“ zu führen?
Dr. Csilla Schell bei ihrem Vortrag
Diese und weitere spannende Fragen standen im Zentrum eines Dokumentationsprojekts des IKDE, in dessen Frau Dr. Csilla Schell über 500 Briefe aus dem Zeitraum von 1946 bis 1979 untersucht hat. Im Mittelpunkt ihres Vortrags standen Selbstzeugnisse von vertriebenen Familien aus deutschen Dörfern rund um Budapest, die in Nordwürttemberg eine neue Heimat fanden.
Die Veranstaltung bildete gleichzeitig den Auftakt zum Gedenkjahr 2026, in dem sich die Vertreibung der Deutschen aus Ungarn zum 80. Mal jährt.
Text und Bilder: Liszt-Institut, Ungarisches Kulturzentrum Stuttgart
Der Landesbeauftragte für Vertriebene und Spätaussiedler, Innenminister Thomas Strobl, gab heute die Preisträgerinnen und Preisträger des Donauschwäbischen Kulturpreises des Landes Baden-Württemberg 2025 bekannt. Ausgezeichnet werden drei herausragende Persönlichkeiten, die sich gleich in mehrfacher Hinsicht für die donauschwäbische Kultur und Geschichte verdient gemacht haben: Professor Dr. Anton Sterbling erhält den Hauptpreis, der Förderpreis geht an Denise Schillinger und mit der Ehrengabe wird Johann Schuth ausgezeichnet.
„Die Auswahl zu treffen, war auch in diesem Jahr eine schwere Aufgabe für die Jury. Denn es waren wieder einmal mehr Bewerbungen in der engeren Wahl, als ausgezeichnet werden konnten. Das spricht für die lebendige, reichhaltige und vielfältige donauschwäbische Kultur. Der Jury ist es gelungen, eine fundierte und ausgewogene Auswahl zu treffen“, zeigte sich der Stv. Ministerpräsident, Innenminister und Landesbeauftragte für Vertriebene und Spätaussiedler Thomas Strobl anlässlich der Bekanntgabe des Votums der Jury für den Donauschwäbischen Kulturpreis des Landes Baden-Württemberg 2025 sehr erfreut.
Für den Hauptpreis hat die Jury Professor Dr. Anton Sterbling ausgewählt, der von allen Einsenderinnen und Einsendern das umfangreichste und vielseitigste Werk, sowohl literarisch als auch wissenschaftlich, vorgelegt hat. Neben seiner Tätigkeit als Hochschullehrer ist er Autor und Herausgeber von Sammelbänden zu Flucht und Zwangsarbeit. In ihnen kommen Donauschwaben selbst zu Wort. Die Sammelbände wurden von der Landsmannschaft und vom Demokratischen Forum der Deutschen in Rumänien verlegt. Ebenso sorgte Anton Sterbling für Übersetzungen ins Rumänische und veröffentlichte Prosa und Lyrik. In seinem Werk verarbeitete er immer wieder Themen der donauschwäbischen Lebenswelt. Er war Mitbegründer der literarischen Gruppe „Aktionsgruppe Banat“, aus der später so erfolgreiche Schriftsteller wie Herta Müller hervorgegangen sind. Auch in der Kulturvermittlung hat sich Anton Sterbling hervorgetan, sei es durch Vorträge zur Geschichte der Donauschwaben oder die Teilnahme an Podiumsdiskussionen.
Der Förderpreis geht an Denise Schillinger, die unter dem Pseudonym Pia Varjas publiziert. In ihrem 2024 veröffentlichten Erstlingswerk „Wer braucht schon Ribisel?“ zeichnet Denise Schillinger ein beeindruckendes Bild donauschwäbischer Geschichte und der Beziehungen der Donauschwaben mit ihren Nachbarinnen und Nachbarn. Es ist ihr ein besonderes Anliegen, jüngere Menschen auch über soziale Medien zu erreichen, um damit das Bewusstsein für die Geschichte und Kultur der Donauschwaben lebendig zu halten.
Mit der Ehrengabe wird der ungarndeutsche Journalist Johann Schuth ausgezeichnet. Er engagiert sich seit mehr als 55 Jahren in vielfältiger Art und Weise in der ungarndeutschen Kulturszene. Johann Schuth war unter anderem Gründungsvorsitzender des Klubs der Deutschschreibenden (1972), Gründungsmitglied der Gemeinschaft junger Ungarndeutscher (1989) und Gründer des Verbandes Ungarndeutscher Autoren und Künstler (1990), dessen Vorsitzender er bis heute ist. Als Organisator von Lesungen und Ausstellungen im In- und Ausland und als Herausgeber zahlreicher ungarndeutscher Publikationen in den Bereichen Literatur, Bildende Kunst, Kulturgeschichte und Wissenschaft gehört Johann Schuth zu den bekanntesten und angesehensten Journalisten seiner Volksgruppe.
Der Hauptpreis des Donauschwäbischen Kulturpreises des Landes Baden-Württemberg ist mit 5.000 Euro dotiert, der Förderpreis und die Ehrengabe mit jeweils 2.500 Euro. Die feierliche Preisverleihung wird am 7. November 2025 im Haus der Donauschwaben in Sindelfingen stattfinden.
Pressemitteilung des Ministeriums des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen Baden-Württemberg.
„Was bleibt von einer Geschichte, die von Ansiedlung, Vertreibung, Neuanfang und der unterschiedlichen Entwicklung der Ungarndeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg erzählt?“ Mit diesen Worten eröffnete der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn, Joschi Ament, seinen Vortrag im Haus der Heimat in Stuttgart. Eingeladen hierzu hatte der baden-württembergische Landesverband des Bundes der Vertriebenen.
Ament gab in seinem Vortrag einen Überblick über die Geschichte der Ungarndeutschen vom Mittelalter über die Ansiedlung der Donauschwaben im 18. Jahrhundert bis zur Vertreibung und dem Verlust der Heimat am Ende des Zweiten Weltkrieges. Er erläuterte dabei u.a., dass aufgrund dieser langen Geschichte nicht jeder Donauschwabe ein Ungarndeutscher und nicht jeder Ungarndeutscher ein Donauschwabe sei.
Einen Schwerpunkt seines Referates bildete die unterschiedliche Entwicklung der Ungarndeutschen nach dem einschneidenden Ereignis der Vertreibung, das die ungarndeutsche Gemeinschaft in zwei Teile auseinanderriss – in Heimatvertriebene und Heimatverbliebene.
Ament erläuterte anhand zahlreicher Beispiele das brückenbauende und verständigungspolitische Engagement der Ungarndeutschen der Nachkriegszeit, das nicht nur zu zahlreichen Patenschaften und Städtepartnerschaften führte, sondern auch ein Garant für Frieden und Freiheit in Europa sei.
„Heute arbeiten die beiden Spitzenverbände der Ungarndeutschen in Ungarn und Deutschland enger zusammen denn je“, wie Ament betonte. „Gleiche Hymne, gleiches Wappen, gleiches Kürzel – zwei Seiten der ein und derselben Medaille.“
Zwischen Donau, Erinnerung und Zukunft – der Titel brachte es auf den Punkt. Es ging um mehr als nur Herkunft, Geschichte oder den Verlust von Heimat. Es ging um Zusammenhalt und vor allem um die Frage: „Was nehmen wir mit in die Zukunft?“
Ein gelungener Abend zwischen Geschichte, Identität und gelebter Kultur.
Ehrengäste und Gastgeber beim Erinnerungsfoto vor dem Haus der Donauschwaben (Foto: Rudolf Landauer)
40 Jahre Haus der Donauschwaben in Mosbach
Im Frühjahr 1985 wurde das Haus der Donauschwaben in Mosbach, ein beeindruckendes Bauwerk, in Eigenleistungen hergestellt, eingeweiht. Mit der damaligen Eröffnung begann auch schon die Erfolgsgeschichte dieses Dreh- und Angelpunktes für Donauschwaben aus Nah und Fern. Selbst aus den USA und Brasilien werden Gäste bewirtet und betreut, die vielfach als Fremde kommen und als Freunde gehen. Dazu bietet das Haus u.a. auch 26 Übernachtungsmöglichkeiten. Ein Haus also, das ideal ist für Kulturveranstaltungen, Heimatabende oder Ausstellungen. Kurzum: ein Haus, um Freunde zu treffen.
Die Landsmannschaft der Donauschwaben in Mosbach lud zur Jubiläumsfeier „40 Jahre Haus der Donauschwaben in Mosbach“ ein. Vorsitzender Anton Kindtner freute sich über ein bis auf den letzten Platz besetztes Vereinsheim.
Wie sehr die Aktivitäten der Mosbacher Donauschwaben geschätzt werden, verdeutlichte auch die Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste, u.a. Peter Hauk, MdL, Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Baden-Württemberg, Dr. Achim Brötel, Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises und Präsident des Deutschen Landkreistages, sowie Manfred Beuchert, stellvertretender Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Mosbach.
Sie alle überbrachten in ihren Grußworten nicht nur die Glückwünsche zum Jubiläum des Hauses, sondern sprachen Dank, Respekt und Anerkennung aus. So werden in diesem Haus das Erbe und die Traditionen der Donauschwaben bewahrt, und es ist zudem ein zentraler Ort der Begegnung, eine Stätte für ein gutes Miteinander und für Menschen verbindende Freundschaften.
Zu den Gästen zählte auch Landesgeschäftsführer der LDU Erich Gscheidle in Begleitung seiner Ehefrau Maria.
Eine musikalische Umrahmung dieses runden Geburtstages durfte ebenso wenig fehlen wie der Segen für das Haus, den die Diakone der katholischen Seelsorgeeinheit und der evangelischen Christusgemeinde spendeten.
Der perfekte Abschluss dieser schönen Jubiläumsfeier bildete dann wieder einmal das reichhaltige und hervorragende Buffet mit der Ilona Kindtner und ihr Team die Gäste verwöhnte. Anton Kindtner dankte allen Gratulanten für ihr Kommen und die guten Wünsche.
Mitglieder der Landesdelegiertenversammlung des BdV in Baden-Württemberg (Quelle: BdV-BW)
Landesverbandstag des Bundes der Vertriebenen in Baden-Württemberg
Turnusgemäß trafen sich die Delegierten der BdV-Kreisverbände sowie der angeschlossenen Landsmannschaften Mitte Juli im Haus der Heimat in Stuttgart zum 73. Landesverbandstag des BdV Baden-Württemberg.
Seitens der LDU nahm Stefan Vachaja, stellvertretender Landesvorsitzender die Delegiertenstimme für die Ungarndeutschen wahr.
BdV-Landesvorsitzender Hartmut Liebscher begrüßte die Anwesenden und moderierte den Verbandstag.
Die Delegiertenversammlung nahm zahlreiche Berichte zur Kenntnis, diskutierte über zahlreiche Anliegen der Landsmannschaften, fasste notwendige Beschlüsse und verabschiedete am Ende den vorliegenden Haushaltsplan.
Im Anschluss an den offiziellen Teil hielt Markus Patzke, Chefredakteur des Deutschen Ostdienstes (DOD) einen Vortrag über die Medien- und Öffentlichkeitsarbeit der Vertriebenenverbände.
30 Jahre Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen
Es war eine gute Idee, zur aktuellen Sitzung der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen die früheren Abgeordneten einzuladen und so in einer Feierstunde das 30-jährige Gründungsjubiläum der LdU zu begehen.
LdU-Vorsitzende Ibolya Hock Englender zeichnete anhand der präzisen Berichterstattung in der Neuen Zeitung und der damaligen Protokolle die Geschichte der Gründung der Landesselbstverwaltung nach.
589 von 751 demokratisch gewählte deutsche Elektoren kamen am 11. März 1995 im Budapester MOM-Kulturzentrum zusammen, um das neue 53-köpfige „Parlament der Ungarndeutschen“ zu wählen. Am Vortag lösten 131 Delegierte den Verband der Ungarndeutschen auf, damit ging die 40-jährige Geschichte des 1955 gegründeten „Kulturverbandes der deutschen Werktätigen in Ungarn“ zu Ende.
Am 8. April 1995 überreichte Parlamentspräsident Zoltán Gál im Parlament die Mandate an die Mitglieder, und am selben Tag wählte die LdU Dr. Jenő Kaltenbach zum Vorsitzenden, dessen Motto war: „Alle Interessen kanalisieren, um der gemeinsamen Sache zu dienen“.
Leider nahm Dr. Kaltenbach an der Jubiläumssitzung nicht teil. Dafür aber Lorenz Kerner, der noch 1995 – nachdem Kaltenbach zum Minderheiten-Ombudsmann gewählt wurde – den ehrenamtlichen LdU-Vorsitz übernehmen konnte. Er erinnerte sich an die Aufbruchsstimmung der Anfangszeit, wie ein funktionstüchtiges Gerüst aufgebaut wurde und wie die LdU ihre Aufgaben als gleichrangiger Partner für Parlament und Regierung in Ungarn und in Deutschland wahrnahm.
Nachdem die Teilnehmenden in einer Schweigeminute der verstorbenen Mitglieder der LdU gedachten, konnten sie in einer Fotoausstellung im Sekretariat schöne Momente der vergangenen 30 Jahre wieder erleben und bei Speis und Trank die Wiedersehensfreude voll auskosten.
Das DZM öffnete am 8. Juli 2000 erstmals seine Türen. Es feierte nun seinen 25. Geburtstag. (Foto: Alexander Kaya)
25 Jahre Donauschwäbisches Zentralmuseum in Ulm
„Migration, Flucht, interkulturelle Gesellschaften: Das sind Begriffe, die in den Debatten unserer Zeit allgegenwärtig sind. Es sind aber auch Themen, die sich quer durch die Menschheitsgeschichte ziehen“, sagte Tamás Szalay, Direktor des DZM.
Seit seiner Eröffnung habe sich das DZM als wichtiger Kulturträger in der Donauregion etabliert und fördere damit den europäischen Gedanken. Das Museum sei ein Ort der Begegnung und fester Bestandteil der Ulmer Kulturszene, wie es der Pressemitteilung des Donauschwäbischen Zentralmuseums zu entnehmen war.
Am Stand der LDU: Michael Fritton, Joschi Ament, Erich Gscheidle, Alfred Freistädter, Ibolya Hock-Englender, Feri Huber (v.l.n.r.)
Ein buntes Programm mit Kunst, Kultur und Begegnungen erwartete die Besucher, die aus ganz Baden-Württemberg zum Museumsfest nach Ulm gekommen waren. Neben Führungen, Mitmachaktionen und Infoständen der donauschwäbischen Landsmannschaften stand der offizielle Festakt im Mittelpunkt des Nachmittags.
Ulms Bürgermeisterin Iris Mann (Vorstandsvorsitzende DZM) begrüßte. Es folgten Grußworte von Ministerialdirektor Reiner Moser (Innenministerium Baden-Württemberg) und Oberbürgermeister Martin Ansbacher; es gab u.a. eine Videobotschaft von Christian Glass (Gründungsdirektor des DZMs) sowie ein Podiumsgespräch „Blick zurück“ mit Joschi Ament (Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn), Jürgen Harich (Landsmannschaft der Donauschwaben), Peter-Dietmar Leber (Landsmannschaft der Banater Schwaben) und ein Podiumsgespräch „Blick nach vorne“ mit Sarah Belgomri (Internationales Forum „Migration verbindet“), Prof. Dr. Reinhard Johler (Universität Tübingen), Iris Mann (Vorstandsvorsitzende DZM) und Tamás Szalay (Museumsdirektor).
Joschi Ament (rechts) bei der Podiumsdiskussion (Foto: Thomas Dapper)
Innenminister Thomas Strobl erinnert an die Opfer von Flucht und Vertreibung
Der 20. Juni ist der Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung. Thomas Strobl erinnerte daran, wie überaus wichtig es auch acht Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist, sich das Schicksal der deutschen Heimatvertriebenen zu vergegenwärtigen.
„In zahlreichen Veranstaltungen, Berichten und Reportagen rund um den 80. Jahrestag des 8. Mai 1945 kommen Zeitzeugen zu Wort, die ihre Erlebnisse vor, während und nach ihrer Flucht oder Vertreibung schildern. Das ist von unschätzbarem Wert. Denn das Schicksal eines Einzelnen bewegt uns oft mehr als abstrakte Zahlen, die jenseits unserer Vorstellungskraft liegen. Was Menschen mit Worten ausdrücken, kann eine eigene Existenz gewinnen. Indem wir beschreiben, was wir selbst erlebt oder gesehen, was wir gedacht und gefühlt haben, legen wir Zeugnis über Geschehnisse ab, die für uns selbst und für andere Menschen bedeutsam waren“, sagte der stellvertretende Ministerpräsident, Innenminister und Landesbeauftragte für Vertriebene und Spätaussiedler bei der diesjährigen Gedenkfeier der Landesregierung in Stuttgart-Bad Cannstatt.
v.l.n.r.: Joschi Ament, Konrad Epple MdL, Minister Thomas Strobl, Raimund Haser MdL, Ernst Strohmaier
Minister Thomas Strobl erinnerte an die Bemühungen auf gesellschaftlicher und politischer Ebene, die erforderlich waren, um dem Schicksal der deutschen Heimatvertriebenen einen angemessenen Platz in der gemeinsamen europäischen Geschichte einzuräumen. Ein zentraler Meilenstein auf diesem Weg sei die Einführung des bundesweiten „Gedenktags für die Opfer von Flucht und Vertreibung“ im Jahr 2015 gewesen.
Der Landesbeauftragte für Vertriebene und Spätaussiedler lud traditionell zu einer Gedenkfeier am Mahnmal für die Charta der deutschen Heimatvertriebenen in der Kursaalanlage in Bad Cannstatt ein. Bei der diesjährigen Gedenkfeier sprachen auch der Stellvertretende Landesvorsitzende des Bundes der Vertriebenen Ernst Strohmaier und Pfarrer Dr. Gerhard Neudecker als Leiter des Katholische Büros Stuttgart des „Kommissariats der katholischen Bischöfe in Baden-Württemberg“.
Vertreter der LDU Baden-Württemberg: Alfred Freistäder, Joschi Ament und Erich Gscheidle (v.l.n.r.)
(Quelle: Pressemitteilung des Ministeriums des Innern, für Digitales und Kommunen Baden-Württemberg / Fotos: Thomas Dapper)
Reise des Patenschaftsrates der Stadt Gerlingen und der LDU nach Ungarn (Teil 2)
Die Delegation des Patenschaftsrates setzte ihre Reise nach Südostungarn fort und erreichte am Nachmittag die Kleinstadt Elek, die heute an der ungarisch-rumänischen Grenze liegt.
Die Kommune kann auf eine ereignisreiche und leidvolle Geschichte zurückblicken. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde Elek, einst im Herzen des Königreichs gelegen, Grenzstadt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden etwa 1.000 Männer und Frauen nach Russland deportiert und fast 5.000 Deutsche aus Elek vertrieben.
Bürgermeister György Szelezsán empfing die Gäste im großen Sitzungssaal des Rathauses und gab einen informativen Überblick über die Stadtgeschichte und die sehr guten Beziehungen zu den beiden deutschen Partnerstädten Gerolzhofen/Bayern und Laudenbach/Baden-Württemberg.
v.l.n.r.: Joschi Ament, György Szelezsán, Tamás Klemm, Georg BrennerBürgermeister a.D. Georg Brenner und Landesvorsitzender Joschi Ament legen gemeinsam frür die Stadt Gerlingen und die LDU einen Kranz nieder
Eine eindrucksvolle Kutschfahrt durch den Ort, die der LDU-Vorsitzende Joschi Ament, dessen Familie aus Elek stammt, selbst moderierte, vervollständigte den Überblick über Elek.
Zusammen mit Georg Brenner, Gerlingens Bürgermeister a.D., legte Ament an der Landesgedenkstätte zur Erinnerung an die Vertreibung der Deutschen aus Ungarn einen Kranz nieder.
Das Abendprogramm fand im so genannten „Leimen-Haus“ – der guten Stube der Stadt – statt, das von beeindruckenden Tanzvorführungen, musikalischen Spitzenbeiträgen und kulinarischen Köstlichkeiten gespickt war.
Der zweite Tag in Elek führte die Delegation entlang des Ungarndeutschen Lehrpfades zur römisch-katholischen Kirche und zum deutschen Kindergarten. Dort wussten die Kleinsten der Stadt mit einigen Tänzen die deutschen Gäste zu begeistern.
Joschi Ament und Georg Brenner mit Monika Wittmann, der Leiterin des Kindergartens in Elek, Abschluss in Elek: ein Pálinka zum „Zähne putzen“beim Besuch in GyulaTreffen mit Konrad Epple, MdL, der zur gleichen Zeit in Ditzingens Partnerstadt Gyula zu Gast war
Krönender Abschluss der Patenschaftsratsreise waren ein Empfang in der LdU-Zentrale in Budapest, zu der die LdU-Landesvorsitzende Ibolya Hock-Englender eingeladen hatte, sowie eine Besichtigung des Ungarischen Parlamentsgebäudes, die der Parlamentsabgeordnete der Ungarndeutschen Imre Ritter mit seinem Kabinettschef Gregor Gallai ermöglichte.
Mit vielen positiven und lebendigen Eindrücken kehrte die Delegation nach fünf Tagen nach Gerlingen zurück. Bundes- und Landesvorsitzender Ament resümierte wie folgt: „Durch solche Begegnungen wachsen unsere Freundschaften und zeigen uns ein authentisches Bild von unserer gemeinsamen Volksgruppe der Ungarndeutschen. Ich wünsche mir noch viele solcher Begegnungen. Sie sind für mich der Garant für ein friedliches Europas.“
Georg Brenner und Ibolya Hock-EnglenderJoschi Ament und Gregor Gallai