„Gerlingen und die Ungarndeutschen“

Der Patenschaftsrat der Stadt Gerlingen stellt die Weichen für 2025

„Gerlingen – als unsere inoffizielle Hauptstadt der Ungarndeutschen in der Bundesrepublik – ist und bleibt das Zentrum für unsere landsmannschaftliche Arbeit“, so der Bundes- und Landesvorsitzende Joschi Ament, anlässlich der turnusmäßigen Sitzung des Gerlinger Patenschaftsrates. „Der Patenschaftsrat, ein gemeinsames Gremium, bestehend aus Vertretern des Gerlinger Gemeinderates und Vertretern der LDU-Spitze in Baden-Württemberg, ist für uns dabei eine elementare Verbindung zu den Gemeinderäten und der Stadtverwaltung selbst.“

Bürgermeister Dirk Oestringer eröffnete die Sitzung und betonte Eingangs den wichtigen Stellenwert der patenschaftlichen Arbeit. Er bekräftigte das Bekenntnis der Stadt, auch künftig die Arbeit der LDU zu unterstützen.

Anhand einer umfangreichen Agenda informierten Bürgermeister Oestringer seitens der Verwaltung und Landesvorsitzender Ament aus Sicht der LDU über stattgefundene Aktivitäten des Jahres 2024 und geplante Initiativen für das kommende Jahr. „Natürlich nehmen der Bundesschwabenball (geplant am 5. April 2025) und die Kulturtagung im Herbst (geplant am 18. Oktober 2025) einen wichtigen Stellenwert ein“, so Ament. Flankierend soll die Kooperation mit dem Gerlinger Stadtmuseum intensiviert werden, wie auch Dr. Birgit Knolmayer zu berichten wusste. „Vermerken Sie sich den 4. Februar 2025, wir planen eine Zeitzeugenlesung anlässlich der Russlanddeportation „Malenki Robot“ der Ungarndeutschen vor 80 Jahren“, so die Leiterin des Stadtmuseums.

Hauptamtsleiterin Ulrike Hoffmann-Heer gab einen Überblick zu den Themen Finanzen und Entwicklung der Kontakte zur ungarischen Partnerstadt Tata.

Intensiv tauschten sich die Delegierten über eine für 2025 geplante Informationsreise des Patenschaftsrates nach Ungarn aus. Zum einen sollen die Beziehungen zur Partnerstadt Tata intensiviert werden, aber auch neue Kontakte zu in Ungarn lebenden Ungarndeutschen geknüpft werden, um den patenschaftlichen Auftrag der Stadt zu erfüllen.

„Ungarndeutsche – zwei Seiten derselben Medaille“

Liebe Freunde,

in wenigen Tagen endet das Jahr 2024. Es scheint so, als sei es keinesfalls ruhiger auf der Welt und in Europa gewesen als in den Jahren davor. Kriege, Flucht und Vertreibungen bestimmten auch dieses Jahr das Geschehen weltweit. Und so schauen wir gespannt und nicht frei von Sorge in eine Zukunft und das kommende Jahr 2025.

Die Weihnachtszeit ist aber auch eine Zeit der Besinnung, des Dankes und der Hoffnung. In diesen Tagen blicken wir auf ein Jahr voller Herausforderungen und Erfolge zurück – ein Jahr, das uns wieder einmal gezeigt hat, wie wertvoll unsere Gemeinschaft ist.

Sehr gerne erinnere ich mich deshalb an eines unserer besonderen Highlights zurück, als unser LDU-Landesverband in Baden-Württemberg bei einem feierlichen Festakt in unserer „Hauptstadt der Ungarndeutschen“ in Gerlingen seinen 75. Geburtstag begehen konnte. Erneut konnten wir dabei auch die Verbundenheit zu unserer Schwester – der LdU in Ungarn – hervorheben. Wir sind und bleiben deshalb – als Ungarndeutsche in Deutschland und Ungarn – die zwei Seiten der ein und derselben Medaille, und darauf sind wir stolz.

Als Bundesvorsitzender unserer LDU möchte ich Ihnen allen von Herzen danken: für Ihr Engagement, Ihre Treue und Ihren Einsatz für unsere Kultur und unsere Traditionen. Sie alle tragen dazu bei, dass unser ungarndeutsches Erbe lebendig bleibt – in Deutschland, in Ungarn und überall dort, wo unsere Gemeinschaft zu Hause ist.

Gerade Weihnachten ist eine Zeit, solche symbolischen Brücken weiter zu bauen – zwischen Generatio-nen, zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft und zwischen Vergangenheit und Zukunft. Lassen Sie uns die bevorstehenden Weihnachtstage nutzen, um innezuhalten und uns daran zu erinnern, was uns verbindet: unsere gemeinsamen Werte, unsere Geschichte und die Liebe zu unserer Kultur.

Möge das Licht der Weihnacht Ihr Herz erfüllen und Ihnen Kraft und Zuversicht schenken. Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Start in das neue Jahr 2025. Mögen Frieden, Gesundheit und Gemeinschaft Sie im kommenden Jahr begleiten. Und vergessen Sie dabei eines nicht: bleiben Sie auch im Jahr 2025 Ungarndeutsch – und stehen Sie dazu!

Ihr Joschi Ament

Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn

„Schambek und Gerlingen – ein lebendiges Beispiel für Freundschaften im 21. Jahrhundert“

Schambeker Lochberg-Tanzgruppe feiert 20-jähriges Jubiläum

Hervorgegangen aus dem Freundeskreis der Gemeinschaft junger Ungarndeutscher (GJU) hat sich 2004 die Lochberg-Tanzgruppe in Zsámbék/Schambek gegründet und unter der Leitung von Sandra Fuchs großartig entwickelt. Das Gründungsziel, nämlich die Kultur der Deutschen zu bewahren, wurde voll und ganz erfüllt, die Gruppe ist nicht nur in Ungarn, sondern auch im Ausland bestens bekannt und tritt als herausragender Botschafter des Ungarndeutschtums auf.

Welchen Stellenwert sich die Lochberg-Tanzgruppe erarbeitet hat, zeigte die Präsenz der Ehrengäste anlässlich der Jubiläumsveranstaltung im vollbesetzten Kulturhaus in Schambek, u.a. waren Miklós Soltész, Staatssekretär für Religion und nationale Minderheiten, Tamás Menczer, Parlamentsabgeordneter, János Schrotti, Vorsitzender der Deutschen Selbstverwaltung (LdU) des Burgkomitats Pest und László Horvath, Bürgermeister von Zsámbék unter den Gästen. Aus Deutschland waren LDU-Bundesgeschäftsführer Erich Gscheidle mit Gattin Maria angereist, die als Repräsentanten der LDU und der Stadt Gerlingen die Jubiläumsglückwünsche überbrachten.

In seinem Grußwort sprach Erich Gscheidle über die besonderen Verbindungen, die zwischen Schambek und Gerlingen bestehen. So trafen durch die Vertreibung am 29.04.1946 die ersten Ungarndeutschen in Gerlingen ein – es waren 201 Personen und alle kamen aus Schambek – viele folgten. Die Ungarndeutschen waren die größte Vertriebenengruppe, die in Gerlingen eine neue Heimat fand. „Mit ihrem großen Fleiß und Engagement halfen sie beim Wiederaufbau der Gemeinde, bereicherten das Vereinsleben, trafen als Mitglieder des Gemeinderats wichtige Entscheidungen und die Integration erfolgte in kürzester Zeit“, so Erich Gscheidle weiter.

Gscheidle betonte, dass die seit 1969 bestehende Patenschaft der Stadt Gerlingen über die LDU ohne die Unterstützung vieler ehemaligen Schambeker sicherlich nicht entstanden wäre. „Damit sind die Ungarndeutschen ein wichtiger Teil der Gerlinger Stadtgeschichte!“

Ein lebendiges Beispiel für die enge Freundschaft des 21. Jahrhunderts seien deshalb auch die regelmäßigen Treffen von Gruppen beider Kommunen, sei es beim Bundesschwabenball in Gerlingen, bei dem die Lochberg-Tanzgruppe bereits dreimal mit tollen Auftritten zu begeistern wusste, oder bei den Ungarnreisen des Stadtverbandes der LDU Gerlingen, bei denen stets auch ein Besuch von Schambek und ein Zusammentreffen mit den Freunden der Lochberg-Tanzgruppe auf dem Programm stehe.

„Gehen oder bleiben – Pusztavám vor 80 Jahren“

Gedenkfahrt an die Flucht aus Pusztavám/Pußtawam

Als Erinnerung an die historische Flucht am 9. Dezember 1944 aus Pußtawam organisierte der Landesverband der LDU in Bayern eine Gedenkfahrt nach Ungarn.

„31 Pferdekutschen mit Planwagen und 73 Personen, überwiegend Frauen mit Kindern und ältere Männer, flüchteten damals vor der Roten Armee. Am 1. Adventssonntag 1944 klärte der Pfarrer nach dem Gottesdienst die Besucher schon darüber auf, dass die Front näherkam und empfahl den Leuten die Flucht. Noch im Herbst hatte meine Großmutter über die Flüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien und dem Banat gesagt, „… die sollen nur flüchten, wir bleiben da!“ Die Kanonenschläge waren nun bereits zu hören. Es gab Luftkämpfe über dem Dorf und drei Flugzeuge stürzten ab, was die Bewohner mit großer Angst mit ansehen mussten. Auch fiel einmal ein Fass Benzin aus einem Flugzeug auf ein Feld und ließ den Weizen in Flammen aufgehen. Die Kriegsangst wuchs von Tag zu Tag. Bereits am 7. Dezember 1944 ging ein Transport – und am 8. Dezember 1944 der nächste – per Eisenbahn mit vielen Pußtawamer Menschen in Richtung Deutschland ab“, so die Berichterstattung des LDU-Landesvorsitzenden Georg Hodolisch, der diese Gedenkfahrt Ende Oktober federführend organisierte.

24 Personen, darunter der BdV-Vorsitzende Christian Knauer, Vertreter der LDU, sowie eine Zeitzeugin starteten Ende Oktober mit dem Bus von Geretsried nach Ungarn, um die Fluchtstrecke von damals aus Pußtawam bis nach Beuerberg in Bayern zu rekonstruieren.

Natürlich gab es zunächst in Pußtwam, dem Ausgangspunkt der (Rück-)reise einen herzlichen Empfang der Delegation aus Bayern durch den Bürgermeister und die Mitglieder der Deutschen Selbstverwaltung.

Bereits tags darauf setzte die Gruppe ihre Gedenkfahrt entlang der Fluchtstrecke Richtung Deutschland fort. Anhand historischer Aufzeichnungen berichtete LDU-Vorstandsmitglied Katharina Erl sehr lebendig über die Ereignisse vor 80 Jahren. Von Pußtawam ging es ab dem 9. Dezember 1944 zunächst über Bokod, Dad und Kocs bis nach Györ. Weiter über Ödenburg überquerte die Fluchtgruppe am 17. Dezember 1944 bei Klingenbach die Landesgrenze ins Burgenland. In der kleinen Marktgemeinde Zillingdorf in Niederösterreich verweilte der Flüchtlingstreck bis zum 4. Januar 1945, bevor er ab Neunkirchen mit dem Zug über Wien, St. Pölten, Linz, Salzburg, Rosenheim und München weiterfuhr. Am 7. Januar 1945 war in Beuerberg vorläufig Endstation. „Von dort kamen unsere Familien nach Geretsried. Hier bauten sie sich im nördlichen Geretsried-Gartenberg, im heutigen Blumenstraßenviertel bzw. der Jakob-Bleyer-Siedlung, die ersten Bunker zu Wohnungen und Häuser aus“, so die abschließenden Gedanken der Reiseleitung. Für alle, die bei dieser mehrtägigen Rekonstruktion entlang der Fluchtroute dabei waren, war es eine sehr beeindruckende Reise auf den historischen Spuren der Pußtawamer nach Geretsried.

„Auf den Spuren der Traditionen“

Erster ungarndeutscher Lehrpfad im östlichen Landesteil übergeben

Ende Oktober wurde in Elek der erste ungarndeutsche Lehrpfad im Komitat Bekesch feierlich seiner Bestimmung übergeben. Damit reiht sich der Themenweg in die seit zehn Jahren laufende Initiative der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU) ein, die sich mit der Vergangenheit und Gegenwart der jeweiligen ungarndeutschen Siedlung beschäftigt. Es ist der landesweit 17. Lehrpfad, der mit insgesamt sieben Stationen einen Einblick in die jahrhundertealte Geschichte, das alltägliche Leben und die Feste der örtlichen deutschen Gemeinschaft gibt.

„Ich denke, der heutige Tag ist ein wichtiger Meilenstein in unserer 300-jährigen Geschichte, einer der Höhepunkte unseres Jubiläumsjahres. Das Hauptziel des ganzen Jahres und des heutigen Programms ist dasselbe: ein Denkmal für unsere Vorfahren zu setzen. Ich hoffe und glaube, dass wir dieses Ziel erreicht haben“, so László Wittmann, Vorsitzender der Deutschen Selbstverwaltung von Elek.

György Szelezsán, Bürgermeister von Elek, nannte die neue Anlage ein einzigartiges Juwel: „Dieser Lehrpfad ist nicht nur eine Sehenswürdigkeit, sondern auch ein Tor zum Verständnis unserer Vergangenheit und unseres kulturellen Erbes. Wir haben eine Möglichkeit für die jüngeren Generationen geschaffen, unsere Geschichte und unser Erbe auf interessante und direkte Art und Weise kennenzulernen.“

Ibolya Hock-Englender, Vorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, gewährte einen Ein-blick in die Hintergründe der ungarndeutschen Lehrpfadbewegung. „Dauerhafte Stärkung der ungarndeutschen Identität – dies ist die erstrangige Zielsetzung jener ungarnweit einzigartigen Initiative: ausgebaute Themenwege, die stationsartig durch die Ortschaft führen und Informationen über Vergangenheit, über örtliche Gebäude, Bräuche, Dorfgeschichte, wichtige Persönlichkeiten der Ungarndeutschen in der Gemeinde vermitteln. Diesen Inhalten sollen Hintergrund- und Quellmaterialien zugrunde liegen, die im Ort selbst gesammelt, systematisiert und bearbeitet werden”, so die Landesvorsitzende der LdU.

Auch Joschi Ament, der Bundesvorsitzende der LDU reiste aus Deutschland an, um der Feierstunde beizuwohnen, betonte: „Mit der feierlichen Übergabe dieses ungarndeutschen Lehrpfades setzen wir, die Ungarndeutschen, und ganz besonders die Enkel der heimatvertriebenen und heimatverbliebenen Eleker ein weiteres Zeichen unserer Verbundenheit, auch wenn uns über eintausend Kilometer Wegstrecke voneinander trennen.“

Die Reden wurden durch ein kulturelles Programm bereichert: Die Tanzgruppe Elek trat mit musikalischer Begleitung von Attila Niedermayer auf, und die Anwesenden konnten auch den Kindern des örtlichen deutschen Nationalitätenkindergartens applaudieren. Der neue Themenweg wurde von Pfarrer Gusztáv Fazakas gesegnet. Nach der Feierstunde stellte Tamás Klemm, Mitglied des Vereins der Deutschen in Elek, die Stationen des Lehrpfads vor.

„Tanz, Gulasch und Wein – das UFE lädt ein“

Gelungener Familientag des Ungarndeutschen Folklore Ensembles in Wernau

Das Ungarndeutsche Folklore Ensemble in Wernau (kurz: „UFE“) hat sich den Erhalt und die Pflege von Kulturgut der Deutschen aus Ungarn zur Aufgabe gemacht. Seit 1971 waren und sind die Ziele, die Beziehungen zu Ungarn auf der Basis des ungarischen Volkstanzes aufzubauen und zu vertiefen. Durch langjährige intensive Kontakte nach Ungarn entstand so ein umfangreiches Tanzrepertoire aus dem gesamten ungarndeutschen und ungarischen Sprachraum.

Auch in diesem Jahr fanden sich Ende Oktober viele Freunde und Unterstützer des UFE zu einem kurzweiligen Familientag unter dem Motto „Tanz, Gulasch und Wein“ in Wernau ein.

Nach dem gemeinsamen Kesselgulaschessen zu Mittag begrüßte der Vorsitzender des UFE, Michael Fritton, bei einem kurzen offiziellen Teil die zahlreichen Gäste des Nachmittags, besonders Wernaus Bürgermeisterin Christiane Krieger sowie Joschi Ament, Erich Gscheidle und Markus Czinszky seitens der LDU-Spitze in Baden-Württemberg.

In seinem Grußwort würdigte der Landesvorsitzende, Joschi Ament, das große ehrenamtliche Engagement vieler Leistungsträger des Tanzensembles und konnte anschließend gleich fünf Mitglieder der Führungsriege des UFE mit der Ehrenurkunde und -nadel der LDU-Baden-Württemberg auszeichnen. Ament überreichte Sandy Schaible, Anna-Sophie Haas und Johannes Track jeweils die Silberne Ehrennadel sowie Michael Fritton und Maresa Huber jeweils die Goldene Ehrennadel des Landesverbandes. Alle Geehrten waren sichtlich gerührt von der Wertschätzung und Anerkennung durch den Landesvorsitzenden.

Nach diesem offiziellen Teil wussten alle Tanzgruppen des UFE – die Kinder-, Jugend- und Erwachsenen-gruppe – wieder einmal mehr das Publikum mit ungarndeutschen und ungarischen Tänzen zu begeistern und sorgten für ein unterhaltsames und abwechslungsreiches Bühnenprogramm.

„Es ist einfach toll, vor „heimischem“ Publikum zeigen zu können, was das ganze Jahr geübt wird“, so Maresa Huber, die gekonnt durch das Programm führte. Der Lohn für die hervorragenden Darbietungen war anhaltender Applaus des Publikums, das auch nach den Tanzprogrammen noch bis in die Abendstunden zusammensaß und den Tag in gemütlicher Runde ausklingen ließ.

„In Lagern“ und „Erzwungene Wege“ – zwei Ausstellungen, ein Schicksal

Was wissen wir über das Zanegger Ghetto oder Tiszalök, und was lernen wir aus der Geschichte?

„Solche Ausstellungen sind dazu geeignet, ein in der Öffentlichkeit wenig bekanntes Kapitel der deutschen und europäischen Geschichte in das Bewusstsein von heute zu holen: Die Verschleppung deutscher Zivilisten in den damaligen deutschen Siedlungsgebieten in Ost- und Südosteuropa sowie ihre Internierung in Lager. Diese Vorgänge sind Teil des großen Vertreibungsgeschehens, das die Deutschen im östlichen Europa während und nach dem Zweiten Weltkrieg traf. Sie umfassen auch die Deportation und die Zwangsarbeit der Deutschen in der Sowjetunion“, so Raimund Haser, MdL und Vorsitzender des Vereins „Haus der Donauschwaben“ in Sindelfingen anlässlich der Vernissage der Ausstellung „In Lagern – Schicksale deutscher Zivilisten im Östlichen Europa 1941 bis 1955“, zu der der Oberbürgermeister der Stadt Sindelfingen, Dr. Bernd Vöhringer, zusammen mit Raimund Haser eingeladen hatte.

Parallel zu dieser Ausstellung im Sindelfinger Rathaus zeigt das Haus der Donauschwaben aktuell die Ausstellung „Erzwungenen Wege“, die sich generell mit dem Thema Flucht und Vertreibung im Europa des 20. Jahrhunderts befasst.

Alfred Freistädter, der als Vertreter der LDU bei der Eröffnung dabei war, zeigte sich beeindruckt von den zahlreichen Zeitzeugenberichten. „Besonders die Geschehnisse in Ungarn – im Zanegger Ghetto oder im Gefangenenlager Tiszalök – erzeugen ein besonders beklemmendes und berührendes Gefühl“, so Freistädter.

Beide Ausstellungen der Stiftung „Zentrum gegen Vertreibungen“ in Kooperation mit dem Bund der Vertriebenen haben zum Ziel, Lehren aus der Geschichte zu ziehen und eine aktive Erinnerungskultur zu etablieren, die nicht in traumatischen Erlebnissen verharrt, sondern Vertreibung und Genozid als Mittel der Politik ablehnt und kritisch behandelt.

Beide Wanderausstellungen sind noch bis Anfang Dezember in Sindelfingen zu sehen.

 

„Ibolya Hock-Englender bleibt Vorsitzende der LdU in Ungarn“

Die neue Vollversammlung der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen gebildet

Ende Oktober fand die zeremonielle konstituierende Sitzung der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen in der Budapester LdU-Zentrale statt. Die einheitliche Landesliste der neu vereidigten Abgeordneten wurde bei der Wahl der Nationalitätenselbstverwaltungen am 9. Juni gewählt. Dieses neue 47-köpfige Gremium wird in den nächsten fünf Jahren die wichtigsten Leitlinien für das öffentliche Leben der Deutschen in Ungarn festlegen.

Die Mitglieder der Vollversammlung kommen aus verschiedenen Regionen und Gemeinschaften des Landes, so dass sichergestellt ist, dass die Interessen der gesamten ungarndeutschen Gemeinschaft auf Landesebene vertreten sind. Neben einer Reihe von erfahrenen Nationalitätenpolitikern gehören dem neuen Gremium auch neue Mitglieder an, die eine frische Perspektive in die Arbeit der Körperschaft einbringen sollen.

Einer der wichtigsten Tagesordnungspunkte der konstituierenden Sitzung war die Wahl des/der Vorsitzenden/in und der stellvertretenden Vorsitzenden der Landesselbstverwaltung. Im Ergebnis der Abstimmung bestätigte die Vollversammlung die bisherige Vorsitzende in ihrem Amt: die wiedergewählte Ibolya Hock-Englender leitet seit Mai 2019 die Arbeit der LdU. Auch die Personen der stellvertretenden Vorsitzenden sind unverändert: Olivia Schubert ist nach wie vor die hauptamtliche Vize, und Eva Waldmann-Baudentisztl und László Schindler sind die ehrenamtlich tätigen stellvertretenden Vorsitzenden.

An der Spitze einiger Ausschüsse gab es jedoch Veränderungen: Der Bildungsausschuss wird künftig von Theresia Szauter geleitet, an der Spitze des Kulturausschusses steht von nun an Gábor Werner, den Vorsitz des Jugendausschusses wird Erik Richolm innehaben und die Ausschüsse für Finanzen und Kontrolle sowie für öffentliche Beschaffungen werden weiterhin von Marianna Tázer bzw. Thomas Friedl geleitet.

Die Vollversammlung beschloss außerdem, zwei neue Beiräte zu ernennen: Josef Manz wird für die Bewahrung der Sprache und der Identität zuständig sein, während Emil Koch für den Bereich Kommunikation sorgt.

In ihrer ersten Stellungnahme bedankte sich LdU-Chefin Ibolya Hock-Englender für das Vertrauen: „Ich werde meine Arbeit für die ungarndeutsche Gemeinschaft mit großem Engagement und Verantwortung fortsetzen. Auch wenn die Zusammensetzung unserer 47-köpfigen Versammlung den Regionalismus widerspiegelt, bitte ich all meine Kolleginnen und Kollegen, sich immer für unsere gesamte Volksgruppe einzusetzen, denn alle brauchen uns, damit unsere Nationalität überleben und sich entwickeln kann.“

Wir gratulieren allen Vollversammlungsmitgliedern ganz herzlich und wünschen dem neuen Gremium eine erfolgreiche Amtszeit!

 

(Quelle: Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen / Budapest)

„Die gegenseitige Unterstützung der LDU und der LdU ist für beide Organisationen wesentlich“

Kulturtagung und Jubiläumsfestakt der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn

„Das 75-jährige Jubiläum der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn (LDU) in Baden-Württemberg gefeiert, die engen Kontakte zwischen den beiden „El-De-U-s“, der LDU in Deutschland und der LdU in Ungarn weiter vertieft und ein ungarndeutsches Projekt in den Vordergrund gestellt, das zeigt, wie wichtig es ist, Brücken zwischen Vergangenheit und Zukunft zu schlagen“, so die Verantwortlichen seitens der LDU und der Stadt Gerlingen anlässlich der 44. Kulturtagung und des Festaktes zum halbrunden Jubiläum des LDU-Landesverbandes in Baden-Württemberg. Gerlingens Bürgermeister Dirk Oestringer und LDU-Vorsitzender Joschi Ament konnten hierzu knapp 100 Teilnehmer im Rathaus der Stadt begrüßen.

Der kulturelle Teil stand unter dem Motto „Vergangenheit hat Zukunft“ und widmete einem Leuchtturmprojekt der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU): der Errichtung der Ungarndeutschen Lehrpfade. Hierzu stellte die ungarndeutsche Journalistin und Preisträgerin des Donauschwäbischen Kulturpreises des Landes Baden-Württemberg im Jahr 2021, Krisztina Szeiberling-Pánovics, in ihrer kurzweiligen Präsentation die 2014 ins Leben gerufene Initiative der LdU vor. „Die 16 Lehrpfade mit historischem und kulturellem Bezug dienen dazu, die Geschichte, Bräuche und Persönlichkeiten der ungarndeutschen Gemeinschaften zu dokumentieren und für zukünftige Generationen zugänglich zu machen“, so Krisztina Szeiberling.

Höhepunkt des anschließenden Jubiläumsfestaktes war die Festrede des stellvertretenden Ministerpräsidenten und Innenministers von Baden-Württemberg und zugleich des Landesbeauftragten für Vertriebene und Spätaussiedler, Thomas Strobl. Er hob die Bedeutung des langjährigen Engagements der LDU in Baden-Württemberg hervor, und würdigte ihre unerlässliche Rolle bei der Pflege und der Vermittlung der Kultur und der Traditionen der nach Deutschland vertriebenen Ungarndeutschen. Strobl schloss seine Festrede mit den Worten: „Heute bin ich Ungarndeutsch und stehe dazu!“

Ibolya Hock-Englender, die Vorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, hielt ein Grußwort, bevor die Veranstaltung mit persönlichen, herzlichen Dankesworten von Joschi Ament abgerundet wurde. Beide Vorsitzenden wiesen darauf hin, dass sie die intensiven – und in den letzten Jahren noch enger gewordenen – Beziehungen zwischen den beiden Organisationen sehr schätzen und sich darin einig sind, dass sich LDU und LdU gegenseitig brauchen.

Die Veranstaltung wurde musikalisch von der Jugendmusikschule Gerlingen begleitet, die durch mehrere Musikstücke für eine feierliche Atmosphäre sorgte.

Ein Sektempfang am Ende bot den Teilnehmern die Möglichkeit, sich in einer lockeren Gesprächsrunde auszutauschen und den Tag gemütlich ausklingen zu lassen.          

 

(Quelle: ldu.hu)

„Wie die Ungarndeutschen Gerlingen prägten“ (Teil 2)

Der LDU Landesverband in Baden-Württemberg beging 75-Jahr-Festakt

Nicht nur beim Häuserbau helfen sich die Ungarndeutschen tatkräftig untereinander und verändern damit das Stadtbild. Auch kulturell beeinflussen die Neubürger aus Ungarn ihre Umgebung: „Es kamen Menschen mit anderen Bräuchen und einer anderen Religion nach Gerlingen“, erzählt Herrmann. Im Ort gab es plötzlich Frauen in schwarzer Tracht und mit schwarzen Hauben. Für manchen Gerlinger wohl ein allzu befremdliches Bild.

Entsprechend schreibt der verstorbene ungarndeutsche Gerlinger Georg Tafferner in seinen Erinnerungen, dass zu Beginn der Einweisung der einzelnen Familien in die Häuser der Alteingesessenen keineswegs überall „glatt vonstattenging.“ So wehrten sich einige Hauseigentümer nachdrücklich, die Fremden in den eigenen vier Wänden aufzunehmen.

Doch Fleiß, gesellschaftliches Engagement und Integrationswillen sind groß bei den aus Ungarn vertriebenen Deutschen – und so wächst in Gerlingen die Stadtgesellschaft aus Alt- und Neubürgern, wie andererorts auch, allmählich zusammen.

Bereits 1947 gehörte mit Joseph Bader der erste Ungarndeutsche dem Gemeinderat an. Auch dass das tief pietistische Gerlingen 1955 erstmals eine katholische Kirche erhält, ist nicht unerheblich den Vertriebenen katholischer Konfession zu verdanken.

Ein starkes Bekenntnis Gerlingens zu seinen ungarndeutschen Mitbürgern ist die Übernahme der Patenschaft für die Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn 1969. Alt-Bürgermeister Albrecht Sellner betonte 2019 anlässlich der 50-Jahr-Feier der Patenschaft, dass Gerlingen erst in der Folge dieses Beschlusses „Zentrum der Ungarndeutschen in Baden-Württemberg wurde. Weitere Wegmarken sind die Ausrichtung der ungarndeutschen Kulturtagungen ab 1970, die jährliche Veranstaltung des Bundesschwabenball ab 1976 und schließlich die Unterzeichnung der Partnerschaftsvereinbarung mit Tata im Mai 1987.

Und heute? Wie der Gerlinger Erich Gscheidle, Landesgeschäftsführer der LDU, betont, sei Gerlingen nach wie vor „die heimliche Hauptstadt der Ungarndeutschen in Deutschland“. Inzwischen stehe aber nicht mehr die Pflege des Brauchtums, sondern die der Kontakte nach Ungarn im Vordergrund der Arbeit des Verbandes und der Ungarndeutschen. Dass der seit 1952 bestehende Gerlinger Stadtverband der LDU wie alle anderen Vereine Nachwuchsprobleme habe, räumt Gscheidle ein. So gebe es in Gerlingen zum Beispiel keine Jugendtanzgruppe der Ungarndeutschen mehr. Doch unabhängig von Vereinsstrukturen sei bei den jungen Menschen heute eben doch wieder ein großes Interesse an den eigenen Wurzeln zu spüren. Und darauf lasse sich aufbauen.

 

(Quelle: Stuttgarter Zeitung – Text: Torsten Schöll / Bilder: Stadtarchiv Gerlingen)