„Nachkommen brechen das Schweigen“

Vor 75 Jahren begann die Russlanddeportation

Verschleppung und Zwangsarbeit werfen lange Schatten, nicht nur im Leben der Betroffenen. Auch Kinder und Enkel sind von den Erfahrungen ihrer Vorfahren geprägt – selbst dann, wenn das Thema in der Familie ein Tabu bildete. Diese Tragödie der Deportation der Deutschen aus dem Osten und Südosten Europas zur Zwangsarbeit in die damalige Sowjetunion jährte sich im Januar 2020 zum 75. Mal.

Aus diesem Anlass lud die Landsmannschaft der Banater Schwaben in Kooperation mit der Kulturreferentin für den Donauraum am Donauschwäbischen Zentralmuseum nach Ulm zu einer Lesung und Podiumsdiskussion ein. Erstmals standen dabei Kinder ehemaliger Deportierter im Mittelpunkt, um ihre Sicht auf die Deportation und deren Folgen für die Familie und  für sie selbst darzulegen.

In seiner Einführung stellte der Bundesvorsitzende der Banater Schwaben, Peter-Dietmar Leber, die Frage nach der Einordnung dieser Ereignisse in die Biografien der Generation der Kinder, Enkel und Urenkel jener Gezeichneten. „Welchen Stellenwert haben diese Ereignisse für uns heute überhaupt noch?“, so der Bundesvorsitzende. „Wir sollten bekunden“, so Peter-Dietmar Leber, „dass wir mit den Betroffenen in einer Reihe stehen, dass wir ihre Geschichte annehmen – den Toten zum Gedenken, den Überlebenden und den Nachkommen zum Trost“.

Nach dieser Einführung berichten Betroffene, Kinder und Enkel von ihren Erfahrungen mit Großeltern und Eltern zu diesem Thema. „Meistens haben sie geschwiegen, weil sie vergessen wollten, um weiterleben zu können,…“ Eine besonders schwierige Situation erlebten Frauen, die aus dem Arbeitslager mit einem „fremden“ Kind zu ihren Familien heimkehrten.

Nach der Veranstaltung begaben sich einige Teilnehmer zum Auswandererdenkmal am Donauufer, wo ein Kranz zum Gedenken an die Opfer der Russlanddeportation niedergelegt wurde.

Am Rande der Veranstaltung: Peter-Dietmar Leber zusammen mit Dr. Christiane Meis und Joschi Ament

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