
Tagung des St. Gerhards-Werk in Sindelfingen
Die Kulturtagung „Religion und Kirche im Umbruch 1989–2000“ des St. Gerhards-Werks Mitte Juni im Haus der Donauschwaben in Sindelfingen widmete sich der Frage, welche Bedeutung Kirche, Religion und kulturelle Traditionen für die Donauschwaben nach dem Fall des Eisernen Vorhangs hatten.
Die politischen Veränderungen ab 1989 brachten den deutschen Minderheiten in Südosteuropa neue Freiheiten, aber auch tiefgreifende Veränderungen. Auswanderung, gesellschaftliche Neuorientierung und der Verlust gewachsener Gemeinschaftsstrukturen prägten diese Zeit. Zugleich wurden Kirche, Sprache, Kultur und Erinnerung zu wichtigen Säulen der Identitätsbewahrung.
Nach der Begrüßung durch Prof. Dr. Rainer Bendel und Robert Pech M.A. beleuchteten Referentinnen und Referenten aus Deutschland, Rumänien, Ungarn und Serbien die Entwicklungen in den Herkunftsgebieten der Donauschwaben. Dr. Raluca Nelepcu aus Temeswar zeigte die Entwicklung der deutschsprachigen Presse in Rumänien von der Zensur zur Pressefreiheit und deren Bedeutung für den Erhalt der deutschen Sprache. Dr. Franz Metz stellte die Veränderungen der katholischen Kirche im Banat nach 1989 dar und verdeutlichte die Auswirkungen der starken Auswanderung auf kirchliche Strukturen.
Ein weiterer Schwerpunkt war das Paneuropäische Picknick bei Sopron 1989. Dr. Kathi Gajdos-Frank und Dr. Bence Bauer erläuterten dessen historische Bedeutung als Symbol für die Überwindung der europäischen Teilung.
Auch die Erinnerungskultur spielte eine zentrale Rolle. Dr. Snežana Stanković sprach über den Umgang mit donauschwäbischen und jüdischen Friedhöfen in Serbien. Boris Mašić vom Donauschwäbischen Kirchenmuseum in Apatin berichtete über die Bewahrung des deutschen Kultur- und Kirchenerbes in der Vojvodina.
Die Tagung machte deutlich: Die Jahre 1989 bis 2000 waren für die Donauschwaben nicht nur eine politische Wendezeit, sondern eine Phase der Neuorientierung, in der das kulturelle Erbe neue Bedeutung erhielt.
(Quelle: Jürgen Harich in „Der Radasch“ Nr. 14)
