
Am 19. Januar 2026 fand auch in München eine zentrale Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Verschleppung und Vertreibung der Ungarndeutschen statt.
In würdigem Rahmen wurde der hunderttausenden Männer, Frauen und Kinder gedacht, die nach dem Zweiten Weltkrieg entrechtet, zur Zwangsarbeit deportiert oder aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Das Gedenken machte deutlich, dass dieses Kapitel der Geschichte bis heute auch in der Bundesrepublik Deutschland nachwirkt.

Besondere Bedeutung erhielt die Veranstaltung durch die Festreden des ungarischen Staatspräsidenten Dr. Tamás Sulyok sowie des deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. Ihre Anwesenheit unterstrich die gemeinsame Verantwortung Ungarns und Deutschlands für Erinnerung, Anerkennung des erlittenen Leids und eine lebendige europäische Erinnerungskultur.

Einen zentralen Akzent setzte Olivia Schubert, Vizevorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU in Ungarn). In ihrer Rede erinnerte sie daran, dass die Vertreibung der Ungarndeutschen kein abstraktes historisches Ereignis war, sondern ein konkreter, brutaler und zutiefst persönlicher Einschnitt. Sie schilderte, wie Vertreibung mit Listen, Befehlen und wenigen Stunden Vorbereitungszeit begann – und wie Abschied, Sprachverlust und der Bruch familiärer Lebenswege viele Familien bis heute prägen. Auch ihre eigene Familiengeschichte stehe für dieses stille, oft nur im Privaten weitergegebene Erinnern.

„Gedenken bedeutet für die Ungarndeutschen mehr als Rückschau. Es ist ein Akt der Würde und der Anerkennung von Unrecht“, so Schubert. Zugleich verwies sie auf den Weg der Gemeinschaft nach 1946: auf Wiederaufbau, innere Stärke und die Bewahrung von Sprache und Kultur. Heute leben die Ungarndeutschen als anerkannte nationale Minderheit in Ungarn mit politischer Teilhabe, Bildungsinstitutionen und einem vielfältigen Vereinsleben.
Die Gedenkveranstaltung in München war damit nicht nur Erinnerung, sondern auch Mahnung und Auftrag: für Minderheitenschutz, Dialog und ein Europa, in dem Vertreibung und Ausgrenzung keinen Platz mehr haben.
(Fotos: Alfred Freistädter)
