„Stoppt schon den kleinsten Hass, sagt rechtzeitig Halt“

Erinnerung als Verantwortung für die Zukunft

Die im Rahmen der Gedenkfeier am 19. Januar in Wudersch gehaltenen Reden verband eine gemeinsame Botschaft: die Verpflichtung, die Tragödien der Vergangenheit zu erinnern, zu verstehen und an kommende Generationen weiterzugeben. Die Redner machten deutlich, dass die auf dem Prinzip der Kollektivschuld beruhenden Repressalien zehntausende unschuldige Menschen trafen, Familien zerrissen und ganze Gemeinschaften entwurzelten.

Joschi Ament, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn, betonte, dass Verschleppung und Vertreibung kein abgeschlossenes historisches Ereignis seien, sondern ein über Generationen fortwirkendes Trauma. Hinter den nüchternen Zahlen – zehntausenden nach Russland Verschleppten und rund 220.000 Vertriebenen – stünden individuelle Schicksale, verlorene Heimat und Wunden, die niemals ganz verheilen. Erinnerung bedeute daher nicht Rückwärtsgewandtheit, sondern eine moralische Verpflichtung für Gegenwart und Zukunft.

Ibolya Hock-Englender, Vorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, sprach aus der Perspektive persönlicher und kollektiver Erinnerung. Anhand der Geschichte ihrer eigenen Familie machte sie deutlich, dass Vertreibung nicht nur den Verlust von Haus und Hof, sondern auch von Gräbern, Heimat und Gemeinschaft bedeutete. Erinnerung werde erst dann vollständig, wenn historische Fakten und persönliche Erfahrungen zusammengeführt werden. Sie betonte, dass die Zukunft der ungarndeutschen Gemeinschaft davon abhänge, Verantwortung für Identität und Weitergabe zu übernehmen.

Parlamentspräsident László Kövér bezeichnete die Vertreibung der Ungarndeutschen als eine der erschütterndsten Zäsuren der tausendjährigen deutsch-ungarischen Gemeinschaft und verwies auf historische Versäumnisse des ungarischen Staates. Gedenken müsse stets mit Verantwortung verbunden sein – gerade angesichts heutiger Vertreibungen weltweit. Der Schutz von Heimat und Identität sei eine bleibende moralische und politische Aufgabe.

 

(Quellen: LdU, zentrum.hu, G. Gallai)