
(Foto: VHS Gerlingen)
Gelungener Start der Kooperation zwischen der Volkshochschule Gerlingen und der LDU
Im neuen Semesterprogramm der VHS-Gerlingen stand erstmals ein Vortrag über die Ungarndeutschen auf dem Programm. Über 70 Interessierte folgten der Einladung der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn (LDU), die im Rahmen des Gedenkjahres „80 Jahre Vertreibung“ bundesweit Veranstaltungen durchführt.
Der Bundes- und Landesvorsitzende Joschi Ament spannte in einer eindrucksvollen Stunde den Bogen über mehr als 1.000 Jahre deutsch-ungarischer Geschichte – lebendig erzählt und mit persönlichen Bezügen aus der eigenen Familiengeschichte. Beginnend mit der Heirat von Stephan der Heilige und Gisela von Bayern, über die Ansiedlungen nach dem Mongoleneinfall 1241 bis zu den „Schwabenzügen“ des 18. Jahrhunderts, bei denen einst Menschen aus Deutschland mit den Ulmer Schachteln die Donau hinab nach Ungarn zogen.
Breiten Raum nahm das 20. Jahrhundert ein: der Vertrag von Trianon, die Deportationen zur Zwangsarbeit („Malenki Robot“) 1944/45 sowie die Enteignung und Vertreibung ab dem 19. Januar 1946. Rund 220.000 Ungarndeutsche mussten ihre Heimat verlassen – „ihre einzige Schuld war ihre deutsche Abstammung“.
Die Antwort auf die Titelfrage führte direkt nach Gerlingen: Bereits am 29. April 1946 trafen 201 Vertriebene aus Zsámbék ein. 1958 zählte die Stadt bei 10.000 Einwohnern rund 3.600 Heimat-vertriebene, darunter fast 800 Ungarndeutsche. 1969 übernahm Gerlingen die Patenschaft über die LDU. Seither prägen kulturelle Veranstaltungen, das ungarndeutsche Heimatmuseum und der Bundesschwabenball das Stadtleben.
Gerlingen gilt heute als „inoffizielle Hauptstadt der Ungarndeutschen in Deutschland“ – ein Beispiel gelungener Integration und gelebter Völkerverständigung. Dabei bleibt die LDU das verbindende Element zwischen Kultur- und Brauchtumspflege und die lebendige Brücke zu den in Ungarn verbliebenen Ungarndeutschen.
Im Anschluss an den Vortrag nutzten die Anwesenden die Gelegenheit, sich bei ungarischer Salami, Pogatscherln und Wein rege auszutauschen und ins Gespräch zu kommen.
Alle Beteiligten waren sich einig, an einer derartigen Veranstaltung erneut teilzunehmen.
