„Gestern, heute und morgen“

Bewegendes Podiumsgespräch im Gerlinger Rathaus

Wie kaum ein anderer Ort steht Gerlingen für die Geschichte, Integration und Verbundenheit der Ungarndeutschen in Baden-Württemberg. Mitte September wurde im Sitzungssaal des Rathauses im Rahmen der Ausstellung des Stadtmuseums „80 Jahre Vertreibung der Deutschen aus Ungarn“ über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft diskutiert.

Auf dem Podium saßen Albrecht Sellner, Ehrenbürger und ehemaliger Bürgermeister Gerlingens, Dr. András Izsák, Generalkonsul von Ungarn in Stuttgart, und Joschi Ament, Bundesvorsitzender der LDU. Moderiert wurde das Gespräch von Stadtarchivleiter Klaus Herrmann.

Besonders eindrucksvoll schilderte der 1935 geborene Albrecht Sellner seine Kindheitserinnerungen an die Ankunft der Ungarndeutschen in Gerlingen. Lebhaft berichtete er, wie sich die Vertriebenen in das Leben der Stadt einfügten und schließlich selbst kommunalpolitisch Verantwortung übernahmen. Er spannte den Bogen von den ersten Schritten der Integration über die Patenschaft Gerlingens für die LDU 1969, die Ungarnreisen des Patenschaftsrates bis zur von ihm mitgestalteten und 1987 unterzeichneten Städtepartnerschaft mit Tata.

Joschi Ament stellte die Entwicklung aus persönlicher und ungarndeutscher Sicht dar – von der Zerrissenheit seiner eigenen Familie über die schwierigen Anfänge bis zur Integration und zur versöhnenden Wirkung der Charta der Heimatvertriebenen.

Dr. Izsák beleuchtete die politische Entwicklung Ungarns: von den damaligen Entscheidungen zur Vertreibung bis zur späteren offiziellen Anerkennung des Unrechts und der Entschuldigung. Ungarn hat zudem seit 2012 den 19. Januar als nationalen Gedenktag.

Den Blick nach vorne richtete Ament optimistisch: Die Integration der Heimatvertriebenen sei ein großes Glück für Baden-Württemberg gewesen. Die LDU stehe heute vor neuen Herausforderungen, doch die Nachfolgegeneration vernetze sich auf moderne Weise und entdecke ihre Familiengeschichte zunehmend neu. Deshalb, so Ament, müsse einem um die Zukunft der Ungarndeutschen und der LDU nicht bange sein.