Wir über uns: Unsere Historie

1949 bis 1980

Heinrich Reitinger

geschäftsführender Bundesvorsitzender, wurde am 11. Oktober 1919 in Sérsekszölös/Scherschek in der Schomodei in Ungarn geboren. 1935 erschien sein erster Artikel im Deutschen Kalender und 1937 veröffentlichte der Deutsche Volksbote in Ungarn sein erstes Gedicht, welches unter dem starken seelischen Eindruck der Einweihung der Bleyer-Gedenkstätte am 21. August 1936 entstand. 1940 absolvierte er die Beamten-Fachschule und anschließend rückte er zum ungarischen Militär ein. 1944 kehrte er zurück und wurde im Herbst mit der Evakuierung der Ungarndeutschen beauftragt. Das Kriegsende erlebte er in Vaterstädten bei München. Doch konnte bereits im September 1945 in München unter dem Patronat des Bayerischen Roten Kreuzes eine Hilfs- und Beratungsstelle für Südostdeutsche errichtet werden, dessen Ungarn-Referat er übernahm. Organisierte Hilfe konnten seinerzeit nur die anerkannten Kirchen geben.. So die Caritas-Flüchtlingsstelle in Stuttgart mit Dr. Leber und das Evangelische Hilfskomitee in München mit Heinrich Reitinger als Geschäftsführer. Dies wurden Anlaufstellen für alle Ungarndeutschen. Aus dieser Position konnte Heinrich Reitinger die Bemühungen um die Wiederansiedlung fortsetzen: Oberheubach, München-Freimann, Haar, Hohenfels, Geretsried u.a. Er arbeitete schon 1946 bei den Vorarbeiten für ein Bayerisches Vertriebenen-Gesetz mit. In der größten Not, 1946, als die Vertriebenen-Transporte ankamen, hatte Heinrich Reitinger den ersten Bundesschwabenball in Deutschland veranstaltet. Allerdings hatte dieser zu der Zeit nicht den Charakter des Vergnügens, sondern war ein "Aufschrei", ein "sich-suchen", ein "sich-aneinander-klammern". Die Trachten beherrschten da ohnehin das Bild. Die Bundeslandsmannschaft wurde am 4. März 1951 von folgenden Personen gegründet: Dr. heinrich Mühl, Hans Ortmann, Mathias Vogl, Dr. Johann Weidlein, Dr. Guido Gündisch, Dr. Georg Leber, Stefan Moritz, Wilhelm Bäuml, Franz Rothem. Adam Zirkelbach, Dr. Georg Bleyer, Josef Batisweiler, Josef Küngl, Dr. Hans Christ, Dipl-Ing. Martin Schön, Josef Schmidt, Franz Schell, Dr. Jakob Zumpf, Hans Matyok, Wilhelm Kronfuss, Heinrich Reitinger und Dr. Edmund Baumgartner. Zum Bundesvorsitzenden wurde Dr. Georg Bleyer, Rechtsanwalt, zum geschäftsführenden Bundesvorsitzenden Heinrich Reitinger und zum Bundesgeschäftsführer Josef Kungl gewählt. So bekam Heinrich Reitinger die Möglichkeit, die Interessen der Ungarndeutschen bei der gesetzlichen Regelungen zu vertreten (siehe "Unser Volkskalender der Deutschen aus Ungarn, 1981"). Grosse Hilfe konnte er 1956 für die Verwundeten des Aufstandes in Ungarn bringen. Aufgrund seiner und Friedrich Spiegel-Schmidts telefonischer Berichte hat der seinerzeitige Vertriebenen-Minister die Aufnahme von 10 000 Ungarn beantragt und erreicht. Ein immer großzügigeres Netz kirchlicher Maßnahmen konnte Heinrich Reitinger zu langsamen Fühlungsnahmen mit dem entstandenen Verband der Ungarndeutschen in Budapest, ja sogar mit den mit Nationalitäten-Angelegenheiten befassten Regierungsstellen nützen. Diese stillen Pionierarbeiten waren wegbereitend für unsere Beitragsmöglichkeiten zur Erhaltung des gefährdeten Deutschtums in Ungarn. Heinrich Reitinger scheute sich nicht, gegen die uns auferlegte Kollektiv-Schuld durch János Kádár anlässlich seines Besuches in Bonn in einem persönlichen Brief an Kádár sich zur Wehr zu setzen. Dies, und weiteres beharrliches Eintreten, tat seine Wirkung. Die häufigen Ungarnfahrten sowie die zu den im Rahmen des Ungarndeutschen Sozial- und Kulturwerkes gestalteten Backnanger Kulturtagen eingeladenen Referenten aus Ungarn – schon vor Jahren – brachten Heinrich Reitinger manche Verdächtigung ein. Doch sein unbeirrtes Weitermachen hat manch wissenschaftliche Konferenz auf den Plan gesetzt, das letztendlich zur Klärung des Bildes "Ungarndeutschtum" und zu dessen Erhalt beitrug und beiträgt. Ich darf hier an die Konferenz in Fünfkirchen/Pécs im November 1994 erinnern, die zum Thema hatte "Die Leistungen der Deutschen und der Juden in Ungarn". Er hat auch im Juli 1997 mit dem ungarischen Staatspräsidenten Arpád Göncz und mit dem Landesvorsitzenden der Ungarndeutschen Lorenz Kerner das Mahnmal für die Opfer von Verschleppung und Vertreibung der Ungarndeutschen in Fünfkirchen/Pécs enthüllt (siehe UP vom Juli 1997). Unter seiner Mitwirkung wurde in München bis 1981 der Volkskalender der Deutschen aus Ungarn und die Zeitung "Der Ungarndeutsche" herausgegeben. Außerdem arrangierte Heinrich Reitinger jedes zweite Jahr Kulturtage in Backnang (siehe UP vom Juli 1999). Die Stadt Backnang eine Partnerschaft mit Bácsalmás in Südungarn seit 1959. Es war der Anfang. Heute gibt es über 110 Patenschaften/Partnerschaften zwischen Ungarn und Baden-Württemberg und über 180 Schulpartnerschaften.

 Der seit 25 Jahren amtierende Bundesvorsitzende Dr. med. Jakob Zumpf hat aus Altersgründen nicht mehr kandidiert. Er wurde zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Zum neuen Bundesvorsitzenden wurde Prof. Dr. Dr.-Ing. Galus Rehm von 1974 bis 1980 und zum geschäftsführenden Bundesvorsitzenden Heinrich Reitinger gewählt (siehe Volkskalender der Deutschen aus Ungarn, 1981; siehe Rehm 1987).

1980 bis 1987

Dr. Hans Sauter

Rechtsanwalt und Mitglied des Stadtrates und Stellvertretender Bürgermeister von Gerlingen. Er wurde am 13. Juni 1926 in Schambek/Zsámbék in Ungarn geboren. Dr. Hans Sauter wurde am 1. Dezember 1974 als Nachfolger von Dr. Leber zum Landesvorsitzenden und am 22. November 1980 zum Bundesvorsitzenden der einheitlichen Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn gewählt (siehe Kalender 1982). Von beiden Ämtern trat er im Juni 1987 zurück. Alle seine Aktivitäten zielten darauf ab, hier in der Bundesrepublik Deutschland die Kräfte und Mittel für die in Ungarn verbliebenen Landsleute zu bündeln und selbst mit den Kommunisten zu reden, wenn es für die Landsleute in Ungarn hilfreich war. 1984 beim Heidebauern-Treffen in Fraunkirchen im Burgenland wies er darauf hin, dass die Kommunisten in Ungarn begannen, das Unrecht der Vertreibung zu artikulieren und dafür warb, dieses anzuerkennen und zum Dialog bereit zu sein. Er hat dafür von jenen Prügel bezogen, die nachher auf den bereits fahrenden Zug aufgesprungen sind. Dr. Sauter hat sich nicht nur um die ungarndeutschen Landsleuten, die LDU, um das Verständnis und die Zusammenarbeit zwischen Neubürgern und Einheimischen, um die Kontakte zwischen der LDU mit den in Ungarn verbliebenden Landsleuten, sondern auch ganz besonders um die Kontakte zwischen der BRD und Ungarn verdient gemacht. Er war ein echter Brückenbauer. Er war auch für viele ein Wegbereiter deutsch-ungarischer Patenschaften. Er starb ganz unerwartet am 21. März 1989 und wurde in Gerlingen beigesetzt. Außerdem wurde in seiner Heimatgemeinde in Schambek/Ungarn zu seinem Gedenken auf dem Friedhof eine Gedenktafel angebracht.

1987 bis 1999

Gallus Rehm, Dr. Dr.-Ing. E.h.c. Univ. Prof.em.

versuchte er eine Vereinigung mit der Donauschwäbischen Landsmannschaft zu erzielen, doch ist es wegen Unstimmigkeiten, Organisation, und wegen der Parität nie zu der Vereinigung gekommen. Das Verhalten der führenden Persönlichkeiten der Donauschwaben aus Jugoslawien in letzter Zeit lies auch auf kein großes Interesse an einem Zusammenschluss schließen. Eine Zusammenarbeit mit der Landsmannschaft der Donauschwaben sein aber auf der Ebene einer Arbeitsgemeinschaft durchaus denkbar, da eine Kooperation der beiden Landsmannschaften durchaus sinnvoll ist. Nach eingehender Beratungen beschloss die Versammlung, dass eine Zusammenarbeit mit anderen südost-deutschen Landsmannschaften erstrebenswert sei, von einem Zusammenschluss aber vorerst abzusehen ist. Dies wurde in Ulm bei den Neuwahlen am 8. Mai 1999 beschlossen. Außerdem war er vorher der Vorsitzende der Suevia Pannonica. Seine Kontakte, sein Verhandlungsgeschick und sein Einsatz halfen uns sehr.  
1999 - 11/2006

Dr. Friedrich A. Zimmermann

Am 8. Mai 1999 wurde Dr. Friedrich A. Zimmermann in Ulm zum Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn gewählt. Dr. Zimmermann wurde am 8. Juli 1934 in Kaltenstein/Levél im Heideboden, Westungarn, geboren. Er war als Abteilungsleiter bei der Firma Gödecke in Freiburg tätig. Er war von Anfang an dabei und hörte zufällig auch das Gespräch zwischen dem ungarischen Ministerpräsidenten Imre Nagy und Dr. Ludwig Leber am 20. August 1953. Dr. Leber telefonierte, weil die ungarische Regierung seine Briefe wegen der Tiszalöker Internierten nicht beantwortet hat. Für die künftigen Aufgaben der Bundesvorstands gab es verschiedene Anregungen. Zu den Schwerpunkten gehöre im internationalen Bereich der Kontakt zur Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU) in Budapest. Innerhalb Deutschlands sei die Zusammenarbeit mit den Landesverbänden von großer Bedeutung. Ebenso müssen auch die Kontakte zu den Heimatortsgemeinschaften (HOG) und Kreisverbänden intensiviert werden.

11/2006 - lfd.Klaus J. Loderer