Delegiertenversammlung der LDU Baden-Württemberg am 05.09.2009 in Gerlingen

Landesvorstand bestätigt

Eine Delegiertenversammlung in Form einer ordentlichen Hauptversammlung hielt der Landesverband Baden-Württemberg der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn am 5. September in Gerlingen ab. Im Zuge der Neuwahlen wurde Landesvorsitzender Rudolf Fath vom Plenum bestätigt.

Für die Stadt Gerlingen sprach der stellvertretende Bürgermeister und Stadtrat Horst Arzt ein kurzes Grußwort. Er überbrachte die Grüße des Bürgermeisters Georg Brenner, der gerade im Urlaub weile. Er hob hervor, dass Gerlingen in diesem Jahr das Jubiläum 40 Jahre Patenschaft über die Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn begehe. Er selbst habe zu Ungarn und zu den Ungarndeutschen eine langjährige enge Verbindung. Dazu zähle auch die Zusammenarbeit mit dem früheren LDU-Ortsvorsitzenden Josef Bader bei der Renovierung der katholischen Kirche. Dazu gehöre auch sein Einsatz für die Norbertinerinnen in Schambek (Zsámbék). Arzt berichtete auch über einen Besuch in Schambek, das kürzlich zur Stadt erhoben worden sei.

In seinem ausführlichen Tätigkeitsbericht ging Landesvorsitzender Rudolf Fath auf seine zahlreichen Besuche bei den Veranstaltungen der Heimatortsgemeinschaften ein. Mit einer Gedenkminute gedachte man der verstorbenen Vorstandsmitglieder Georg Tafferner (†2006), Josef de Ponte (†2006), Hans Prach (†2007), Erich Rabus (†2008), Josef Brasch (†2009) und Peter Oswald (†2009). Fath dankte besonders Hauptamtsleiter Erich Gscheidle für die gute Zusammenarbeit und die vielfältige Förderung der Patenschaftsarbeit. Für die Organisation des Bundesschwabenballs dankte er Ursula Engl. Außerdem erging der Dank an die Vorstandsmitglieder.

Aus gesundheitlichen Gründen konnte Kassier Egon Griesmeier nicht persönlich bei der Delegiertenversammlung erscheinen. So musste der Kassenbericht unterbleiben. Er ließ darum bitten, aus gesundheitlichen Gründen auch vom Amt entbunden zu werden.

Inzwischen erreichte uns die traurige Nachricht, dass Egon Griesmeier seinem schweren Leiden erlegen sei.

Die Delegiertenversammlung wurde von den Gästen auch zu einer Aussprache über aktuelle Themen genutzt. Ehrenvorsitzender Prof. Dr. Paul Strifler hob die besonderen Leistungen des bisherigen stellvertretenden LDU-Landesgeschäftsführers Alexander Wagner hervor, der über viele Jahre in der Geschäftsstelle im Haus der Heimat in Stuttgart Sprechstunden abgehalten habe. Besonders als die Anträge zum ungarischen Entschädigungsverfahren anstanden, habe er den Landsleuten wertvolle Hilfe geleistet. Hauptamtsleiter Erich Gscheidle lud die Gäste noch zur Gedenkausstellung des ungarndeutschen Malers Josef de Ponte ein.

Kulturreferent Klaus J. Loderer ging auf die Planungen der Kulturtagung am 17. Oktober ein. So werde der baden-württembergische Innenminister Heribert Rech den Festvortrag halten.

Bei den Wahlen wurden große Teile des alten Vorstands wiedergewählt. Alle Wahlen erfolgten in besonderer Eintracht einstimmig. Der neue Vorstand setzt sich wie folgt zusammen: Rudolf Fath (Vorsitzender); Joschi Ament, Alfred Freistädter, Franz Huber, Matthias Schmidt (stellvertretende Vorsitzende); Holger Bayer (Geschäftsführer); Georg Köber (stellvertretender Geschäftsführer); Uwe Engelhardt (Schriftführer); Irene Kieltsch (Schatzmeisterin); Joschi Ament (stellvertretender Schatzmeister); Franz Frech, Franz Ringbauer (Kassenprüfer); Klaus J. Loderer (Kulturreferent); Irene Kieltsch (Frauenreferentin); Tibor Jakab, Martin Geng, Simon Iseli, Johann Jankowitsch, Maria Scheef, Gretel Weisz (Beiräte); Prof. Dr. Paul Strifler, Dr. Friedrich A. Zimmermann (Ehrenvorsitzende); Paul Ginder, Josef Schneider, Elisabeth Trinder, Josef Trinder, Alexander Wagner (Ehrenmitglieder).

kjl

(Unsere Post Oktober 2009)

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Ein rühriger Landesvorsitzender

Zum Tod von Josef Brasch †

Ein rühriger Landesvorsitzender war Josef Brasch in seiner aktiven Zeit in der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn in Baden-Württemberg. Am 7. Juni starb er im Altersheim in Metzingen. Bei der Trauerfeier am 10. Juni auf dem Friedhof in Ottenbronn bei Calw nahmen Familie, Angehörige, Freunde, Bekannte und ungarndeutsche Landsleute von ihm Abschied. Für die Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn nahm der LDU-Landesvorsitzende Rudolf Fath an der Trauerfeier teil.

»Josef Brasch gilt als Motor für die Bewahrung überlieferter Kultur- und Traditionswerte. Unermüdlich hat er sich für die Erhaltung der weltweit verstreuten Donauschwaben als Gemeinschaft eingesetzt«, lobte der baden-württembergische Innenminister Heribert Rech den Ausgezeichneten bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes in Gerlingen. Durch sein unermüdliches persönliches Engagement sei es Josef Brasch gelungen, die bestehenden Kontakte mit ungarischen Behörden wie dem Generalkonsulat in Stuttgart und der Botschaft in Berlin zu vertiefen und weiter auszubauen. Die Verständigung zwischen den Menschen beider Völker sei eines seiner wichtigsten Anliegen gewesen. Das habe er bei verschiedenen Anlässen immer wieder mit hochgeschätzten Beiträgen zum Ausdruck gebracht, etwa auf Tagungen der Gemischten Kommission Baden-Württemberg-Ungarn. Josef Brasch zeichne sich durch seine zahlreichen ehrenamtlichen Aktivitäten, seinen Einsatz um die Völkerverständigung und vor allem durch seine vorbildliche menschliche Haltung aus. »Obwohl er durch die Vertreibung eine schwere Jugend hatte, war und ist er bis heute doch derjenige, der trotz des erlittenen Unrechts auf Ausgleich und Verständigung mit der alten Heimat bemüht ist. Mit seinem Engagement hat er eine beispielhafte Brückenfunktion zwischen Deutschland und Ungarn erfüllt«, würdigte ihn Rech damals.

Mehrmals wurde Josef Brasch einstimmig als Landesvorsitzender des Landesverbands Baden-Württemberg der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn wiedergewählt. Das Vertrauen, das ihm die Mitglieder und Delegierten auf der Hauptversammlung in Gerlingen entgegenbrachten, zeigte seine Beliebtheit unter den Deutschen aus Ungarn. 1996 wurde er erstmals zum Landesvorsitzenden gewählt. Danach war er rührig in seinen Amtsgeschäften tätig, war unermüdlich unterwegs zu Heimattreffen und Schwabenbällen und pflegte vielfältige Kontakte zu Heimatortsgemeinschaften und offiziellen Einrichtungen. Besonders galt sein Einsatz der kulturellen Breitenarbeit und der Förderung der Kulturarbeit der Heimatortsgemeinschaft. Große Verdienste erwarb er sich aber auch in der Unterstützung des Donauschwäbischen Zentralmuseums in Ulm, für das er zahlreiche Exponate vermitteln konnte. Bei allen Veranstaltungen warb er um Unterstützung für das neue Museum, für dessen Handbibliothek er zahlreiche ungarndeutsche Heimatbücher sammeln konnte. Eifrig dokumentierte er die Arbeit der Landsmannschaft. Er erstellte ein umfangreiches Verzeichnis der Vertreibungstransporte und bereitete das Faltblatt »Wer sind die Ungarndeutschen?« vor. Auch im Redaktionsbeirat der Heimatzeitung »Unsere Post« arbeitete er viele Jahre mit. Für die Zeitung warb er zahlreiche Abonnenten und sorgte für ihre Verbreitung. Bis 2004 hatte Josef Brasch das Amt des Landesvorsitzenden inne. Er gehörte weiterhin dem Landesvorstand an, dann wurde es aus gesundheitlichen Gründen ruhig um ihn.

Am 26. April 1930 wurde Josef Brasch in Zanegg (Mosonszolnok), das sieben Kilometer vom der ungarischen Grenzgemeinde Straßsommerrein (Hegyeshalom) entfernt liegt, geboren. Er war der älteste Sohn von Hanna (geborene Waldherr) und Josef Brasch. Die drei jüngeren Brüder Michael, Hans und Fred kamen später hinzu. In Zanegg besuchte der kleine Josef die Volksschule. 1940 kam er auf das Jakob-Bleyer-Gymnasium in Budapest. Der Vater musste einrücken und kam an die Ostfront. Im Januar 1943 erreichte die Familie die Nachricht, dass er am Don vermisst sei. Die Wirren des Kriegs ließen auch den Schulbesuch des jungen Josef Brasch nicht unbehelligt, der Schulunterricht wurde zuerst nach Fünfkirchen und dann nach Thammühl im Sudetenland verlegt.

Im April 1946 wurde die Familie aus Zanegg vertrieben und kam nach Nordwürttemberg. Josef Brasch war nach Kriegsende nach Wels in Oberösterreich gekommen und besuchte dort die Realschule. Ab 1947 arbeitete er bei der Reichsbahn (später Bundesbahn) in Heidelberg. 1950 heiratete er die aus Wudersch (Budaörs) stammende Anna Konrad. 1951 wanderte das junge Paar nach Kanada aus. Josef Brasch arbeitete zuerst in Montreal als Bauarbeiter, dann als Holzfäller in Kapuskasing im Staat Ontario, später bei der Firma Astral-Electric in Toronto. 1952 und 1954 wurden die Tochter Anna-Marie und der Sohn Joseph geboren. Nebenbei besuchte er in Toronto das Abendgymnasium und machte 1961 das Abitur.

Im Oktober 1954 kehrte die Familie nach Heidelberg zurück, wo seine Mutter mit ihrem zweiten Ehemann lebte. Im Haus der Eltern baute man sich das Dachgeschoss zu einer Wohnung aus. 1964 bis 1968 studierte Josef Brasch an der Universität Karlsruhe Elektrotechnik. Bei Daimler-Benz in Sindelfingen fand er eine Stelle als Fachreferent für Energietechnik. Dem Unternehmen blieb er bis 1995 verbunden. Tragisch für Josef Brasch war der frühe Verlust der Ehefrau, die 1973 an Krebs starb. 1976 ging er mit Erika Wochele, die aus Brünn stammt, eine zweite Ehe ein. In Ottenbronn bei Calw baute sich das Paar ein neues Haus. Die herangewachsenen Kinder gründeten eigene Familien. Schon bald konnte sich Josef Brasch als Großvater der Enkel erfreuen: 1980 Jens, 1982 Evelyn und 1990 Markus. 1995 ging Josef Brasch in den Ruhestand. Die gesundheitliche Entwicklung der letzten Jahre bedeutete für die Familie einen Abschied in Raten. Angehörige und Freunde mussten erleben, wie er aus ihrer Welt verschwand. 

Klaus J. Loderer

(Unsere Post Juli 2009)

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Patenschaftsrat der Stadt Gerlingen auf Informationsreise durch Ungarn

Geschichte und gegenwärtige Situation der Ungarndeutschen waren die Themen einer Informationsreise des Patenschaftsrats der Stadt Gerlingen durch den Westen Ungarns. Bürgermeister Georg Brenner stellte diese Themen den Mitgliedern der Delegation, die aus Stadträten und Vertretern der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn bestand, vor. Außerdem waren Bürgermeister a.D. Albrecht Sellner und der frühere Erste Beigeordnete Dietrich Schönfelder mit dabei.

Erste Station in Ungarn war die alte Stadt Güns (Köszeg), die Partnerstadt von Vaihingen an der Enz, wo Bürgermeister Lázló Huber die Gruppe im Restaurant Taverna Florian in einem liebevoll restaurierten Altstadthaus begrüßte. Der Frauenchor »Alpensänger« unter der Leitung von Rita Láng Horváth übernahm die musikalische Begrüßung mit alten ungarndeutschen Liedern. Die Vorsitzende der deutschen Minderheitenselbstverwaltung, Ágnes Köszegfalvi, stellte die Arbeit und Geschichte der Ungarndeutschen in Güns und der Umgebung vor. Der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn, Klaus J. Loderer, zeigte sich erfreut über die rege Pflege ungarndeutscher Traditionen und Gerlingens Bürgermeister Georg Brenner bedankte sich herzlich für den liebevollen Empfang. Auch die Innenstadt von Güns wurde erkundet. Man bewunderte die historische Bausubstanz. Die Führerin zeigte die Kirchen, das Heldentor und die Burg und lieferte die Gruppe schließlich am Rathaus ab, in dessen Innenhof Bürgermeister Huber mit einer Erfrischung aufwartete.

In Sümeg wurde der steile Kegel erklommen, auf dem sich die bewehrte mittelalterliche Burg erhebt. Dann ging es nach Badacsony, wo eine schattige Laube vor einem Weinkeller und eine Weinprobe harrten. Tapolca überraschte mit einer unterirdischen Bootsfahrt durch das Höhlensystem. Und der Mühlenteich bot lauschige Plätzchen für den Aperitif.

Der dritte Tag stand ganz im Zeichen der ungarndeutschen Geschichte. Erstes Ziel war Magyarpolány mit seinem berühmten Kalvarienberg mit fast lebensgroßen Figurengruppen und einer schönen spätbarocken Pfarrkirche. Über Kischlud (Kislöd) und Városlöd ging es nach Herend, wo es nach einer Besichtigung von Minimanufaktur und Museum einen Imbiss auf echtem Herender Porzellan gab. In Veszprém stellte Geschichtslehrer László Schindler den deutschen Klassenzug am László-Lovassy-Gymnasium vor. Die Gelegenheit, Fragen über das ungarische Schulsystem zu stellen, wurde eifrig genutzt. Der Nationalitätenchor überraschte mit einem kleinen Musikprogramm. László Schindler übernahm auch die Stadtführung bei einem kleinen Rundgang durch das Burgviertel.

Der nächste Tag begann mit einer Besichtigung von Stuhlweißenburg (Székesfehérvár). Klaus J. Loderer präsentierte die alte Krönungsstadt, von deren mittelalterlicher Bausubstanz nur noch wenige Reste vorhanden sind. Den Schlusspunkt der Besichtigung setzte die barocke Jesuitenkirche mit der bemerkenswerten geschnitzten Sakristeieinrichtung. Dann ging es weiter nach Budapest, wo das Museum Haus des Terrors auf dem Programm stand. Programmdirektor Gábor Tallai führte durch das Haus, das einige beklemmende Kapitel der ungarischen Geschichte vergegenwärtigt. Im Haus der Ungarndeutschen gab es ein Treffen mit Otto Heinek, dem Vorsitzenden der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen und Johann Schuth, Chefredakteur der Neuen Zeitung. Monika Ambach, Leiterin des Kultur- und Informationszentrums der Ungarndeutschen, führte durch das Haus und stellte die Arbeit der verschiedenen Institutionen vor. Abends ging es nach Edeck (Etyek). Martin Geng stellte seinen Heimat vor und zeigte die Kirche und das Heimatmuseum. Der Bürgermeister und Vertreterinnen der deutschen Minderheitenselbstverwaltung empfingen die Gruppe an einem Gedenkkreuz in den Weinbergen.

Durch ehemals schwäbische Ortschaften ging es nach Schambek (Zsámbék). Zum Gedenken an Dr. Hans Sauter, den früheren Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn, versammelte man sich auf dem dortigen Friedhof. Bürgermeister Lajos Lovas begrüßte die Gäste. Georg Brenner sprach Worte des Gedenkens. Ein Schwerpunkt des Besuchs in Zsámbék war eine Besichtigung der neuen Berufsschule, die die Norbertinerinnen in den letzten Jahren aufgebaut haben. Stadtrat und stellvertretender Bürgermeister Horst Arzt, der das Projekt von Gerlingen aus seit vielen Jahren unterstützt, konnte mit Elias Goletsas einen weiteren Förderer vorstellen. Schwester Agnes und Pater Martin informierten über die Schule und die Förderung von Kindern aus sozial schwachen Familien. Drei Jugendliche umrahmten den Besuch mit ungarischer Musik aus der Moldau.

Herzlich war der Empfang in Tarján, einer Gemeinde, zu der Gerlingen schon seit vielen Jahren Kontakte unterhält. Im Hof des Rathauses spielte die Jugendkapelle zum Empfang, bevor Bürgermeister János Jelli und der Vorsitzende der deutschen Minderheitenselbstverwaltung Stefan Fülöp die Gruppe begrüßte. Vom lebendigen ungarndeutschen Kulturleben konnte man sich auch im Kulturhaus überzeugen, wo ein Mädchentrio alte ungarndeutsche Lieder sang. Nach der Besichtigung der neuen Sporthalle und der neue renovierten Kirche ging es am neu gestalteten Kalvarienberg vorbei in ein Weinberghäuschen. Auch das Mittagessen wurde mit Chorgesang und Anekdoten in Tarjáner Mundart eingeleitet.

Natürlich durfte ein Besuch in der nahen Partnerstadt Totis (Tata) nicht fehlen. Bürgermeister József Michel empfing die Gruppe im Rathaus, wo ebenfalls ein Chor die Gäste begrüßte. Mit einem Bähnchen wurde die umfangreiche Stadtrundfahrt bequem absolviert und die Gruppe schließlich am Hotel Gottwald abgeliefert, wo mit einem offiziellen Abendessen mit Vertretern der Stadt Tata der Abschluss der Reise begangen wurde.

Wieder konnte sich der Patenschaftsrat der Stadt Gerlingen über Geschichte und Gegenwart der Ungarndeutschen informieren. Es wurden neue Kontakte aufgebaut und die Beziehungen zur Partnerstadt Tata weiter vertieft.

kjl - 18.06.2008

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Bundesverdienstkreuz für Josef Brasch

Innenminister Heribert Rech, Josef Brasch und Erika Brasch (v.l.n.r.)

Bundespräsident Horst Köhler zeichnete den früheren Landesvorsitzenden der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn in Baden-Württemberg, Josef Brasch, in Anerkennung seines langjährigen und verdienstvollen ehrenamtlichen Wirkens mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande aus. Der Innenminister von Baden-Württemberg, Heribert Rech, überreichte den Verdienstorden am 11. April 2006 im Rahmen einer Feierstunde im Rathaus zu Gerlingen, bei der Bürgermeister Georg Brenner die zahlreichen Gäste begrüßte, unter denen sich der ungarische Konsul Antal Körösi, Backnangs Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper, Ministerin a.D. Annemarie Griesinger, Gerlingens früherer Bürgermeister Albrecht Sellner und DUG-Vorsitzender Prof. Dr. Christian O. Steger befanden.

»Josef Brasch gilt als Motor für die Bewahrung überlieferter Kultur- und Traditionswerte. Unermüdlich hat er sich für die Erhaltung der weltweit verstreuten Donauschwaben als Gemeinschaft eingesetzt«, lobte Innenminister Heribert Rech den Ausgezeichneten. Er habe aktiv seine Landsleute in der alten Heimat unterstützt und sich vorbildlich bei der Festigung der Beziehungen zwischen Baden-Württemberg, dem Patenland der Donauschwaben, und der Republik Ungarn engagiert. Der Minister hob auch die Verdienste von Brasch hervor, die er sich um den Dialog mit der ungarischen Regierung zur Aufarbeitung der leidvollen Geschichte der Vertreibung vieler Donauschwaben aus Ungarn infolge des Zweiten Weltkrieges erworben hat.

Wegen seiner großen Einsatzbereitschaft genieße Josef Brasch in zahlreichen Vereinen der heimatvertriebenen Ungarndeutschen großes Ansehen. So sei er beispielsweise rund neun Jahre Landesvorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn für Baden-Württemberg (LDU) gewesen. In dieser Funktion habe er sich besonders für Schulpartnerschaften und Schüleraustausch eingesetzt. Als Vorsitzender der Landsmannschaft sei Brasch auch Mitglied im Patenschaftsrat der Stadt Gerlingen, der sich beispielsweise um die Entwicklung der Partnerschaft mit der ungarischen Stadt Tata bemühe. Auch die alljährlich von der Stadt Gerlingen gemeinsam mit der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn veranstalteten Kulturtagungen habe Brasch mit großem Enthusiasmus organisiert. Bei vielen landsmannschaftlichen Veranstaltungen und Heimattreffen sei er wegen seines organisatorischen Talents und seiner Erfahrung ein gerne gesehener Berater gewesen. »Mit seinem Einsatz für diese Veranstaltungen hat Josef Brasch wesentlich zur Belebung der kulturellen Vielfalt beigetragen«, sagte der Innenminister.

Durch sein unermüdliches persönliches Engagement sei es Josef Brasch gelungen, die bestehenden Kontakte mit ungarischen Behörden wie dem Generalkonsulat in Stuttgart und der Botschaft in Berlin zu vertiefen und weiter auszubauen. Die Verständigung zwischen den Menschen beider Völker sei eines seiner wichtigsten Anliegen gewesen. Das habe er bei verschiedenen Anlässen immer wieder mit hochgeschätzten Beiträgen zum Ausdruck gebracht, etwa auf Tagungen der Gemischten Kommission Baden-Württemberg-Ungarn.

Josef Brasch zeichne sich durch seine zahlreichen ehrenamtlichen Aktivitäten, seinen Einsatz um die Völkerverständigung und vor allem durch seine vorbildliche menschliche Haltung aus. »Obwohl er durch die Vertreibung eine schwere Jugend hatte, war und ist er bis heute doch derjenige, der trotz des erlittenen Unrechts auf Ausgleich und Verständigung mit der alten Heimat bemüht ist. Mit seinem Engagement hat er eine beispielhafte Brückenfunktion zwischen Deutschland und Ungarn erfüllt«, so Rech abschließend.

Dr. Friedrich A. Zimmermann würdigte als LDU-Bundesvorsitzender die Verdienste Josef Braschs. Er berichtete mit Auszügen aus Braschs Tagebuch über die bewegte Biografie. Im Rahmen der Feier ehrte Zimmermann Frau Brasch mit der goldenen Ehrennadel der LDU Baden-Württemberg.

Zu den Gratulanten zählte auch Bürgermeister Nonnenmann aus Althengstett, in dessen Teilort Ottenbronn Josef und Erika Brasch seit dem 17. Oktober 1977 wohnen. Er betonte, welches Ansehen Josef Brasch in Althengstett genieße. Er sei in das örtliche Leben integriert und habe über viele Jahre als Sänger im gemischten Chor Eintracht Ottenbronn gesungen.

kjl

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