Neuigkeiten: Berichte



Klaus Loderer:

Die Ungarndeutschen und die Deutschen in Ungarn heute

24.06.2010 um 19:00 Uhr

Martin-Opitz-Bibliothek

Berliner Platz 5

44623 Herne

Vortrag mit Lichtbildern in Kooperation mit der vhs Herne im Rahmen der Reihe "Minderheiten in Deutschland und Europa" und der Europa-Union, Herne (im 1. OG der MOB)

Der Vortrag stellt die deutsche Minderheit in Ungarn vor. Nach dem deutschen Bürgertum der ungarischen Städte kamen vor allem im 18. Jahrhundert viele deutsche Siedler nach Ungarn. Sie prägten ländliche Gebiete wie die Städte. Während das städtische Bürgertum ab dem späten 19. Jahrhundert assimiliert wurde, blieb die deutsche Prägung in vielen Dörfern bis zum Zweiten Weltkrieg bestehen. Ab 1946 wurde die Hälfte der Ungarndeutschen vertrieben. Da in der Umgebung der Kulturhauptstadt Pécs immer noch viele Ungarndeutschen leben, soll ein Schwerpunkt des Vortrags in diesem Bereich liegen. Hier ist in vielen Dörfern bis heute ungarndeutsches Brauchtum lebendig geblieben. Pécs selbst hat für die Ungarndeutschen eine zentrale Bedeutung, befinden sich dort doch wichtige Einrichtungen der Minderheit wie das Lenauhaus und zwei Gymnasien. Der Vortrag ist mit Bildern anschaulich illustriert.

Der Referent Klaus J. Loderer ist Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn. Als Chefredakteur der ungarndeutschen Monatszeitung „Unsere Post“ beobachtet er seit mehr als zehn Jahren kritisch die Situation der Ungarndeutschen. Von seiner Berufsausbildung ist Klaus J. Loderer Architekt und Kunsthistoriker und unterrichtet an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen in den Studiengängen Stadtplanung und Landschaftsarchitektur die Fächer Baugeschichte und Stadtbaugeschichte. In seiner wissenschaftlichen Arbeit befasst er sich mit der Architektur Ungarns im 19. Jahrhundert. Er lebt in Backnang bei Stuttgart.

Bundesverdienstkreuz am Bande für

Dr. Friedrich A. Zimmermann

Auszeichnung für das Engagement um die Kultur der Deutschen aus Ungarn und die deutsch-ungarischen Beziehungen

Der Bundespräsident hat Dr. Friedrich A. Zimmermann für seine besonderen Verdienste um Volk und Staat das Bundesverdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Der Landesbeauftragte für Vertriebene, Flüchtlinge und Aussiedler, Innenminister Heribert Rech, hat die hohe Auszeichnung am 16. Oktober im Rahmen der Kulturtagung in Gerlingen überreicht. »Neben Ihrer hohen beruflichen Leistungsbereitschaft lagen Ihnen die Mitmenschen und die kulturellen Angelegenheiten immer am Herzen«, betonte der Minister. Mit außergewöhnlichem Einsatz habe sich Zimmermann den Aufgaben der Landsmannschaft aus Ungarn gewidmet. Zimmermann sei 1934 in Kaltenstein (Levél), einer Gemeinde im Westen Ungarns, geboren worden. Nach der Vertreibung sei er nach Mötzingen im Kreis Böblingen gekommen. Über seinen Onkel Johann Zimmermann, einem Mitbegründer der Ungarndeutschen Landsmannschaft, habe er bereits als junger Gymnasiast erste Kontakte zur Landsmannschaft geknüpft. Nachhaltig beeindruckt sei er von einem Telefonat gewesen, bei dem der Gründer der Landsmannschaft, Dr. Ludwig Leber, 1953 den ungarischen Ministerpräsidenten Imre Nagy um die Freilassung der in Tiszalök internierten Ungarndeutschen gebeten habe. Ein Ereignis, das sicherlich sein Engagement für die Kultur der Deutschen aus Ungarn und für die deutsch-ungarischen Beziehungen gefördert habe. Seither sei er mit der landsmannschaftlichen Arbeit vertraut und verbunden und habe nicht zuletzt den Bundesvorsitz der Landsmannschaft und den Vorsitz des Landesverbands Baden-Württemberg innegehabt. Auch heute stünde er der Landsmannschaft als Ehrenvorsitzender mit Rat und Tat zur Verfügung. »In all diesen Jahren der Arbeit für die Landsmannschaft war es Ihr Anliegen, das überlieferte Kulturgut der Deutschen aus Ungarn zu erhalten und zu pflegen«, betonte Rech. So habe er alljährlich hochrangige Kulturtagungen und die berühmten Bundesschwabenbälle mitgestaltet und begleitet. Besonders am Herzen gelegen hätten ihm die Verbindungen zwischen Deutschland und Ungarn. Schnell sei er auf beiden Seiten zu einem angesehenen und gefragten Repräsentanten der Deutschen aus Ungarn geworden. Maßgeblich habe er an einer Vereinbarung über die Schwerpunkte der Zusammenarbeit zwischen dem Bundesverband der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn und der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen mitgewirkt. 2007 sei ihm für seine Verdienste als Brückenbauer zwischen Ungarn und Deutschland der Orden »Pro Cultura Hungariae« verliehen worden - die höchste Auszeichnung, die das ungarische Ministerium für Kultur und Bildung verleihen könne. Dabei sei von ungarischer Seite auf die kontinuierlich guten Beziehungen zwischen Ungarn und Baden-Württemberg hingewiesen worden. »Dies ist auch Ihr Verdienst, Herr Dr. Zimmermann«, betonte Rech. Zimmermann habe sich mit seiner ganzen Kraft den übernommenen Aufgaben gewidmet.


(Unsere Post, November 2010)

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Friedrich A. Zimmermann 75

Emmendingen – Der Ehrenbundesvorsitzende der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn, Dr. Friedrich A. Zimmermann, konnte kürzlich seinen 75. Geburtstag feiern. Der baden-württembergische Innenminister Heribert Rech würdigte in einem Gratulationsschreiben Zimmermanns Einsatz für die Belange der Heimatvertriebenen und hob besonders seine erfolgreiche Versöhnungspolitik und seine Leistungen um die Erhaltung und Bewahrung des überlieferten Kulturguts hervor. Den Geburtstag selbst verbrachte das Ehepaar Zimmermann in einem Wellnesshotel im Schwarzwald.

Geboren wurde Friedrich Zimmermann am 8. Juli in der Heidebodengemeinde Kaltenstein (Levél). Er stammt aus einer angesehenen Familie. Der Vater war ein bekannter Viehzüchter, der Onkel, Johann Zimmermann, war Richter von Kaltenstein. Letzterer war es auch, der als stellvertretender Vorsitzender der ungarndeutschen Landsmannschaft, den Neffen in den Sommerferien in die Geschäftsstelle der Landsmannschaft holte.

Noch in seiner Heimatgemeinde hatte Friedrich Zimmermann die evangelische Volksschule besucht. Mit der Vertreibung kam die Familie nach Mötzingen im Kreis Böblingen. Nach dem Abitur studierte Zimmermamn in Tübingen Chemie. 1964 promovierte er mit der Auszeichnung »Magna cum laude«. In Freiburg im Breisgau fand er eine Anstellung bei einem bekannten Unternehmen, für das er bis zu seiner Pensionierung 1997 arbeitete.

Mit Margret Kußmaul gründete er eine eigene Familie. Ein Sohn und zwei Töchter wurden bald geboren. In Emmendingen bei Freiburg errichtete die Familie ein eigenes Haus. Doch wurde die Idylle durch einen schweren Schicksalsschlag gestört, als der Sohn Matthias erst 29jährig im Oktober 1997 bei einem tragischen Unfall an seinem Studienort Zürich ums Leben kam.

War Friedrich Zimmermann mit der Arbeit der ungarndeutschen Landsmannschaft von Jugend auf verbunden, wurde ein Engagement doch durch das berufliche Leben erschwert. Die Distanz von Freiburg nach Stuttgart, wo die Zentrale der Landsmannschaft war, erschwerte ein Engagement. Doch arbeitete er nach Möglichkeit in der Landsmannschaft mit. Seit fast 25 Jahren ist er stellvertretender Vorsitzender im Landesverband Baden-Württemberg. Besonders bemühte er sich um die Vereinigung der beiden ungarndeutschen Landsmannschaften, die 1980 erfolgte. Im neuen Bundesvorstand war er überaus aktiv. Auch dem Patenschaftsausschuss in Gerlingen gehört er an. Sein Herz schlug auch stets für die Vertriebenen aus Kaltenstein und dem Heideboden. So setzte er sich aktiv für eine Versöhnung mit Ungarn ein. Regelmäßig besuchte er die Treffen der Kaltensteiner und die Heidebodentreffen in Österreich und Ungarn. Zu den beeindruckenden Veranstaltungen gehörte etwa die Errichtung des Heidebodenkreuzes in Frauenkirchen. Zum 50. Geburtstag erhielt er für sein Engagement die goldene Ehrennadel der LDU Baden-Württemberg. 1999 wurde Zimmermann zum Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft gewählt. Dieses Amt hatte er mehrere Jahre bis 2006 inne. In diesen Jahren kümmerte er sich besonders intensiv um die Verbindungen zwischen Deutschland und Ungarn. Schnell wurde er zu einem angesehenen und gefragten Repräsentanten der Deutschen aus Ungarn, der einen intensiven Kontakt zu verschiedenen Regierungsstellen unterhält. Dazu zählt etwa sein Einsatz in der gemischten Kommission Baden-Württemberg-Ungarn, in der er für seine kritischen Anmerkungen bekannt ist. Ministerpräsident Erwin Teufel lud ihn 2003 ein, ihn auf seinem Staatsbesuch nach Budapest zu begleiten. Mit dem Vorsitzenden der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, Otto Heinek, unterzeichnete Zimmermann eine Vereinbarung über eine Intensivierung der Zusammenarbeit. Für diesen Einsatz überraschte ihn der Bundesvorstand auf dem Bundesschwabenball 2002 in Gerlingen mit der Verleihung der Jakob-Bleyer-Medaille. Zum Abschluss seiner Amtszeit wurde er zum Ehrenbundesvorsitzenden der LDU ernannt. Somit ist er immer noch in Bundes- und Landesvorstand aktiv. Der ungarische Staat würdigte seine Leistungen 2007 mit der Auszeichnung »Pro Cultura Hungarica«. Kulturstaatssekretär Dr. Karl Manherz übergab ihm die Auszeichnung beim Bundesschwabenball in Gerlingen. In Budapest beleuchtete er bei der Gedenkveranstaltung zur Vertreibung im ungarischen Parlament kritisch die ungarische Minderheitenpolitik.

Ein Ereignis, von dem er immer wieder gerne berichtet, und das ihn nachhaltig beeindruckte in der Geschichte der Landsmannschaft, ist sicherlich das denkwürdige Telefongespräch, das Dr. Ludwig Leber 1953 mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Imre Nagy führte, um die Freilassung der in Tiszalök internierten Ungarndeutschen zu erreichen. Damals räumte der Gymnasiast Fritz in den Sommerferien die Bibliothek von »Lajós bácsi« auf und wurde so Zeuge des Gesprächs.

Klaus J. Loderer

(Unsere Post September 2009)

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Ein Mahner des Ausgleichs

Zum 95. Geburtstag von Dr. Paul Ginder

Er ist ein scharfer Beobachter. Er war es immer. Sachverhalte analysiert er genau. Das darf man von einem promovierten Juristen erwarten. Dass er die Sachverhalte in einen moralischen Zusammenhang setzt und an das Gute im Menschen glaubt, das ist die Besonderheit von Dr. Paul Ginder, der am 26. September seinen 95. Geburtstag feiern kann. Dass er an das gute im Menschen glaubt, hindert ihn nicht daran über deren Unfähigkeit zum friedlichen Miteinander schier zu verzweifeln. Und hier ist Paul Ginder nicht mehr der trockene Jurist sondern der leidenschaftliche Verfechter eines friedlichen Ausgleichs. Inzwischen wurde er für seine Rolle als Mahner eines europäischen Zusammenlebens vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit der goldenen Ehrennadel der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen in Budapest. Bundesdeutsche Auszeichnungen waren dem vorausgegangen. Schließlich gehörte er 1949 zu den Gründern der Ungarndeutschen Landsmannschaft und intensiv um die Eingliederung und Versorgung der ungarndeutschen Landsleute bemüht. Caritas-Flüchtlingshilfe, Soforthilfe der Stadt Stuttgart, Landesausgleichsamt, Heimatauskunftsstelle und Beschwerdeausschuss des Regierungspräsidiums waren Stationen seines beruflichen Lebens, bei denen er mit dem Leid der Heimatvertriebenen, ihrer Hilflosigkeit in der Fremde und ihrem »unbändigen Heimweih«, wie er das einmal nannte, konfrontiert wurde. Schnell erkannte er, dass eine Rückkehr der Vertriebenen nach Ungarn nicht mehr möglich war und mit der ihm eigenen Umtriebigkeit kümmerte er sich um Möglichkeiten eines wirtschaftlichen Neuanfangs, suchte Baugrundstücke und Finanzierungsmöglichkeiten und sorgte dafür, dass die Landsleute schnell zum neuen Eigenheim kamen.Auch als ehrenamtlicher Mitarbeiter der Ungarndeutschen Landsmannschaft versuchte er zu vermitteln und zu helfen. Man muss bedenken, die Landsleute mit bäuerlichem Hintergrund hatten es scher, sich im bundesdeutschen Amtsdeutsch zurechtzufinden – da war die Hilfe eines Juristen günstig. Waren es in den Anfangsjahren eher juristische Hilfestellungen und Beratungen bei Lastenausgleich und Rentenangelegenheiten, konnte er sich in der Landsmannschaft später den Themen widmen, die ihn in der Geschichte der Ungarndeutschen interessierten. Nicht von ungefähr war er zuerst ehrenamtlicher Geschäftsführer der Landsmannschaft und später deren Kulturreferent. Auch die Landsmannschaft änderte in der dieser Zeit ihren Schwerpunkt von der Beratung auf den kulturellen Bereich.

Mehrere große Ausstellungen zur Geschichte der Ungarndeutschen organisierte er. Nennen wir hier die Ausstellung zur Erinnerung an die Rückeroberung Ofens 1686, die 1986 im Foyer des Gerlinger Rathauses mit zahlreichen Originalexponaten aus der Zeit für Furore sorgte. Zu nennen sind natürlich auch die von ihm organisierten Kulturtagungen, die einen wichtigen Bereich der Vermittlung von Wissen über die Geschichte der Ungarndeutschen an ein breites Publikum darstellen. Mit zahlreichen Vorträgen gelang es ihm, die Ungarndeutschen für ihre Geschichte zu begeistern. Besonders nach seiner Pensionierung 1977 hatte er die Zeit, sich mit der ungarndeutschen und ungarischen Geschichte zu befassen. Die Landesbibliothek war ein beliebter Aufenthaltsort, um die aktuelle ungarische Geschichtswissenschaft zu verfolgen. Kritisch verfolgte er, was ungarische Historiker veröffentlichten. Nicht immer war er damit einverstanden. Das vom Sozialismus vermittelte Geschichtsbild durchschaute er und bezog immer wieder Gegenpositionen. Besonders die »Potsdamlegende« war ihm ein Dorn im Auge. In einem viel beachteten Aufsatz konnte er später die Hintergründe der Vertreibung der Ungarndeutschen nachweisen, die eben nicht von der Potsdamer Konferenz bestimmt sondern von der ungarischen Regierung gefordert worden war. Hier war er der unermüdliche Mahner der historischen Wahrheit. Immerhin bis zur Veröffentlichung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung brachte er es dadurch. »Unsere Post« und »Unser Hauskalender« boten seinen Veröffentlichungen immer wieder ein Forum. Allerdings ist auch beachtlich, dass er schon früh in ungarischen Tageszeitungen Texte publizierte.Den ungarndeutsch-ungarischen Dialog forderte er dabei schon vor Jahren, noch zu Zeiten, als der Eiserne Vorhang Europa in zwei Hälften trennte. Durch seine Geschichtskenntnis wusste er, dass sich auch hinter dieser Grenze europäische Kultur befand. Er selbst hatte das Kulturleben der ungarischen Hauptstadt noch in einer Zeit erlebt, als dieses noch europäisch war. Als Bauernsohn aus Csávoly kam er nach der Zwischenstation des Jesuitengymnasiums in Kalocsa in die ungarische Hauptstadt und wird dort nicht schlecht gestaunt haben. Alle neuen Eindrücke der Großstadt, die politischen und kulturellen Richtungen, die Universität, die Kaffeehäuser mit ihren Gesprächszirkeln, all dies sog der junge Mann aus der Batschka ein. Hier fand er auch Kontakte zu den Ungarndeutschen. Über dem Idyll zog sich allerdings die politische Wetterlage düster zusammen. Extemistische Gedanken ließen in dieser Zeit keinen Spielraum für Ideen des Miteinanders. Dass Ginder die Vorgänge intensiv beobachtete, kam ihm später zugute. Noch heute wird er als Zeitzeuge der ungarndeutschen Organisationen gerne gehört. Zuletzt hielt er im Frühjahr 2007 im Haus der Ungarndeutschen in Budapest einen Vortrag bei der Tagung über die Geschichte des Volksbunds. 

Klaus J. Loderer(Unsere Post, September 2008)

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Heimat und Identität - Ungarndeutsche Kulturtagung in Gerlingen am 20. Oktober 2007

»Heimat und Identität« war das Motto der diesjährigen ungarndeutschen Kulturtagung, die am 20. Oktober stattfand. Bürgermeister Georg Brenner begrüßte die zahlreichen Gäste im Rathaus zu Gerlingen zur Kulturtagung, die in Zusammenarbeit von Stadt Gerlingen und dem Landesverband Baden-Württemberg der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn stattfand. Brenner betonte die Bedeutung der Beziehungen zu Ungarn für Gerlingen. Dazu gehöre vorrangig die Städtepartnerschaft zu Totis (Tata). Ein wichtiger Punkt sei aber auch die Patenschaft über die Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn. Brenner begrüßte auch die zahlreichen Ehrengäste, darunter den ungarischen Honorarkonsul Rolf Kurz und den Landtagsabgeordneten Klaus Hermann. Auf die unterschiedlichen Auffassungen des Begriffs Heimat wies der Landesvorsitzende der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn, Rudolf Fath, hin. Das fünfzigjährige Bestehen der »Neuen Zeitung« nahm Chefredakteur Johann Schuth zum Anlass eines Rückblicks auf die Entstehung und den Werdegang der Zeitung, die in Budapest für die Ungarndeutschen erscheint. Neben dem Organ für die Belange der ungarndeutschen Volksgruppe sei ein Schwerpunkt die Förderung der ungarndeutschen Literatur. Insofern könne man tatsächlich von einer »geistigen Werkstatt der Minderheit« sprechen, wie der Titel des Vortrags ankündigte. Aktuelle Forschungsergebnisse über die Vertreibung der Deutschen aus Ödenburg (Sopron) stellte András Krisch vor, der als Oberarchivar am dortigen Komitatsarchiv arbeitet. Der Nachmittag war der ungarndeutschen Lyrik gewidmet. Zwei Dichter beleuchteten ihre ungarndeutsche Heimat. Dass der eine noch in Ungarn, der andere seit der Vertreibung in Deutschland lebt, bietet neben dem Generationsunterschied unterschiedliche Perspektiven auf das Thema »Heimat und Identität«. Aus den wechselweise vorgetragenen Gedichten der beiden Dichter entstand ein spannender Dialog über die Heimat. Aus Willand (Villány) kam Josef Michaelis nach Gerlingen, der durch zwei Gedichtbände und den Kinderband »Zauberhut« bekannt wurde. Klaus J. Loderer stellte den ungarndeutschen Dichter vor, der eine Reihe von Gedichten vortrug. Er wechselte sich ab mit Karl Wenness, der ursprünglich aus St. Peter stammt und heute in Freiberg am Neckar lebt, von dem kürzlich der Gedichtband »Ins Gedicht geschrieben« erschienen ist. Karl Wenness wurde von seinem Bruder Martin Wenness und Pfarrer Karl Boeck vorgestellt.

(Unsere Post Dezember 2007)

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Homepage der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn

Die Homepage der Landesmannschaft der Deutschen aus Ungarn kann seit 25.03.2007 neben der bereits bekannten URL www.ldu-online.de jetzt auch über die URL www.ungarndeutsche.org aufgerufen werden.

Holger Bayer, Geschäftsführender Bundesvorsitzender und Webmaster

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Donauschwäbisches Totengedenken in Sindelfingen

»Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt«, mit diesem Zitat Bertold Brechts, womit am Volkstrauertag Bundeskanzlerin Angela Merkel die Bedeutung des Totengedenkens begründete, erinnerte der Ehrenbundesvorsitzende der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn, Dr. Friedrich A. Zimmermann, am 29. November bei einer donauschwäbischen Totengedenkfeier an die vielen ungarndeutschen Toten, die während des Zweiten Weltkriegs, durch Flucht und Vertreibung, bei der Verschleppung in die Sowjetunion in Lagern oder als Opfer des Stalinismus umgekommen sind. Und noch eine weitere Gruppe schloss Zimmermann mit ein: »Wir gedenken der Landsleute, die aus Heimweh und aus Gram über den Verlust der Heimat, den Verlust von Haus und Hof, verstorben sind.« Bei der Feier im Haus der Donauschwaben in Sindelfingen begrüßte Otto Welker als Hausherr die Gäste.

Die einzelnen Landsmannschaften waren durch ihre Bundesvorsitzenden vertreten: Hans Supritz für die Donauschwaben, Bernhard Krastl für die Banater Schwaben und Helmut Berner für die Sathmarer Schwaben. Henriette Mojem rezitierte Jakob Wolfs Gedicht »Totengedenken«. Anschließend wurden an der Gedenkstätte im Hof Blumengebinde an den Holzkreuzen niedergelegt, wobei die Pfarrer Nikolaus Burger und Jakob Stehle eine ökumenische Andacht hielten. Donauschwäbische Trachtenpaare umrahmten diese Szene feierlich.